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Mindestlohn : Angriff auf die Generation Praktikum

Eine Praktikantin am Schreibtisch einer Frankfurter Verlagsanstalt bei der Arbeit am Computer Bild: Frank Röth

1400 Euro im Monat für Praktikanten – der Mindestlohn macht es möglich. Viele Unternehmen wollen das nicht zahlen und stattdessen die Zahl der Praktika reduzieren.

          Florian Haller ist keiner, der sich schnell in Rage redet. Immer ein Lächeln auf den Lippen, immer ein paar charmante Worte auf der Zunge: Der Chef der Münchner Agentur Serviceplan steht im Ruf, der Hugh Grant der deutschen Werbebranche zu sein. Doch wenn das Gespräch auf das Thema Mindestlohn kommt, dann verdüstert sich Hallers Miene. Der Agenturmanager stört sich an Paragraf 22 im Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Darin steht, dass der Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde auch für Praktikanten gelten soll, wenn das Praktikum länger als sechs Wochen dauert und es freiwillig gemacht wird.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Knapp 1400 Euro im Monat für orientierungsuchende Studenten, die mal schauen wollen, ob die Welt der Werbung wirklich so glitzernd ist, wie es immer heißt? Wo Berufseinsteiger mit erfolgreichem Abschluss und allerlei Zusatzqualifikationen gerademal einen Tausender mehr bekommen? Nach Ansicht von Haller ist das Irrsinn. Der Chef von Deutschlands größter inhabergeführten Werbeagentur legt Wert darauf, kein Ausbeuter zu sein. Derzeit bekommen die Praktikanten 600 Euro im Monat, die meisten bleiben drei bis sechs Monate. Für Haller steht fest: Wenn der Gesetzentwurf mit der besagten Praktikanten-Regel durchgeht, wird es bei Serviceplan keine Praktika mehr geben. „Das Praktikum ist tot“, sagt Haller. „Die Politik macht gerade eine tolle Institution kaputt.“

          Rund 600.000 Praktikanten sind täglich im Einsatz – noch

          Nun ist das mit der „tollen Institution“ so eine Sache. Gerade die Kreativbranche ist dafür bekannt, dass sie bei der Einstellung von Praktikanten nicht immer das Wohl der jungen Leute im Blick hat, die sich nach vielen theorielastigen Stunden im Hörsaal einen Überblick über ihre beruflichen Möglichkeiten verschaffen wollen, sondern vielmehr ihr eigenes. Berichte über Unternehmen, die Lücken in der Belegschaft mit Jahrespraktikanten füllen, die vollen Arbeitseinsatz für geringe Gehälter erwarten, mit der vagen Aussicht auf eine feste Stelle, haben erst den Begriff der „Generation Praktikum“ geprägt, und dann die Politik auf den Plan gerufen.

          Doch mit ihrem Vorstoß könnte die Politik am Ende genau das Gegenteil bewirken, den Jungen mehr schaden, als ihnen nutzen. Denn nicht nur in Werbeagenturen rechnen die Verantwortlichen längst durch, wie sie auf die stattliche Lohnerhöhung für den Nachwuchs reagieren sollen. Die Antwort lautet vielerorts: mit strengeren Auswahlkriterien – und mit weniger Praktikumsstellen. 600.000 Praktikanten sind gegenwärtig an einem durchschnittlichen Werktag in der deutschen Wirtschaft im Einsatz sind. Vieles deutet darauf hin, dass es künftig weniger sein werden.

          Bisher bekommen Praktikanten zwischen 600 und 900 Euro

          „Praktikanten machen uns Arbeit und stören den normalen Ablauf. Und dafür sollen wir ihnen nun auch noch den Mindestlohn bezahlen? Das ist doch Unfug“, erregt sich Martin Kannegießer, der Inhaber der Maschinenbaufirma Herbert Kannegießer GmbH im ostwestfälischen Vlotho. „Wir werden künftig weniger Praktikumsplätze vergeben“, sagt der Mann, der viele Jahre Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall war. Anderen Unternehmern stößt schon der Begriff „Mindestlohn“ sauer auf. Ein Praktikant könne de facto gar nicht wie ein Arbeitnehmer behandelt werden, denn Lohn sei das Entgelt für erbrachte Leistungen, bei Praktikanten bestünde seitens des Unternehmens aber gar kein Anspruch auf Leistungserbringung. „Woher kommt also der Anspruch auf Lohn?“, fragt ein Unternehmer aus der norddeutschen Elektroindustrie, der lieber nicht namentlich genannt werden will.

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