https://www.faz.net/-gqe-9v6m2

Landesweite Proteste : Millionen Inder streiken gegen Wirtschaftspolitik

  • Aktualisiert am

Proteste gegen das Staatsbürgerschatsgesetz am vergangenen Freitag in Bangalore Bild: dpa

Indiens Regierung hat einschneidende Wirtschaftsreformen angekündigt. Zahlreiche Inder begehren dagegen auf, an vielen Stellen wird es gewalttätig. Und die Wirtschaft ist nicht das einzige Thema, gegen das die Inder demonstrieren.

          1 Min.

          Mehrere Millionen Arbeitnehmer haben in Indien am Mittwoch mit einem ganztägigen Streik gegen die Wirtschaftspolitik ihrer Regierung protestiert. Im Konkreten wandten sie sich gegen Pläne zum Teilverkauf von Staatsunternehmen und zur Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Mit Märschen und Kundgebungen in der Hauptstadt Neu Delhi und in mehreren weiteren großen Städten wandten sie sich unter anderem gegen die Privatisierung der Fluggesellschaft Air India oder des Ölunternehmens Bharat Petroleum.

          Zu dem Streik hatten zehn große Gewerkschaften aufgerufen, welche die „arbeiter- und volksfeindliche Politik“ von Premierminister Narendra Modi anprangerten. Sie forderten höhere Mindestlöhne und Renten. Nach ihrer Ansicht könnten mit den Teilprivatisierungen tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Zudem befürchten sie, dass ein geplantes Gesetz den Unternehmen Kündigungen erleichtert. Die Gewerkschaft CITU schätzte die Zahl der Streikenden auf bis zu 250 Millionen. Die Behörden bestätigten diese Zahl nicht.

          Polizei schießt scharf

          An einigen Orten schlugen die Demonstrationen in Gewalt um. Im Bundesstaat Westbengalen setzte die Polizei scharfe Munition ein. Wie ein hochrangiger Polizeivertreter sagte, feuerte die Polizei Warnschüsse in die Luft, um Demonstranten auseinanderzutreiben, die Polizeifahrzeuge in Brand setzten und Steine auf Sicherheitskräfte schleuderten. Zudem sei die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgegangen. Der Polizei zufolge wurden mehr als 150 Menschen festgenommen.

          In mehreren Bundesstaaten, etwa Assam und Punjab, blockierten Demonstranten Straßen und Schienen öffentlicher Verkehrsmittel. Auch Banken und Geschäften blieben teilweise geschlossen. Vor allem Beschäftigte in Banken, bei Energie- und Verkehrsbetrieben sowie im Bergbau folgten den Aufruf zum Ausstand.

          Im Dezember hatte es in Indien Massenproteste gegen ein Einbürgerungsgesetz gegeben. Dieses erleichtert illegal eingereisten Migranten aus den drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern Bangladesch, Pakistan und Afghanistan die Einbürgerung, sofern sie keine Muslime sind. Diese Proteste gehen in kleineren Dimensionen weiter. Die Demonstranten kritisieren, dass das neue Gesetz die säkulare Identität Indiens bedrohe.

          Weitere Themen

          Irland zahlt Hackern kein Lösegeld

          Ransomware-Attacke : Irland zahlt Hackern kein Lösegeld

          Die irische Regierung wird nicht auf Forderungen von Hackern eingehen, die am Freitag den nationalen Gesundheitsdienst angegriffen hatten. Noch sind die Systeme nicht wieder vollständig hochgefahren.

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Nahostkonflikt : Israels Militär droht Hamas mit gezielten Tötungen

          Israels Raketen zerstören ein Hochhaus mit Journalistenbüros im Gazastreifen. Der Armeesprecher kündigt weitere Angriffe auf die Führungsriege der Hamas an. Iran stellt sich hinter sie. Und US-Präsident Biden telefoniert — mit Israels Regierungschef Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas.
          Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

          Grüne : Baerbock will als Kanzlerin Flugreisen verteuern

          Solaranlagenpflicht für Neubau, Kurzstreckenflüge sollen obsolet werden: Annalena Baerbock kündigt ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an, sollte die Grüne im September Kanzlerin werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.