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Millionen für den Bergbau : Sachsen im Silberrausch

Als Erstes will man sich des historischen Türk-Schachts in Zschorlau annehmen. Dort steht noch heute der einstige Förderturm „dekorativ in der Gegend“, wie Geiger sagt. Bald soll hier „dekorativ“ durch „effektiv“ ersetzt werden. Den Türk-Schacht werde man ertüchtigen bis zur Markus-Semmler-Sohle, sagt der bergbaukundige Edelmetallhändler. Eine Sohle, das ist im Bergbau wie eine Ebene. Im Markus-Semmler-Stollen grub zu DDR-Zeiten bis 1957 noch die Wismut nach Uran. Die einstige Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft war der letzte Bergbautreibende im Bereich der Lagerstätten Schneeberg und Schlema.

Ob in Zschorlau tatsächlich Silber abgebaut werden kann, wird sich vom Frühjahr an zeigen. Voraussichtlich im März beginnen die Erkundungsarbeiten, unterstützt von der Bergsicherung Schneeberg. Dafür müssen etliche Tonnen an Proben gefördert und später eventuell Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt werden. Die Erkundungen laufen zwei Jahre; 2013 könnte das erste Silbererz ans Tageslicht geholt werden. 50 Bergleute könnten dann einen neuen Arbeitsplatz finden. Die Betonung liegt auf „könnte“: Im Misserfolgsfall, witzelt Geiger, habe man im Erzgebirge immerhin ein Schaubergwerk mehr. Und der Edelmetallhändler wäre um zwei bis vier Millionen Euro an Investitionen ärmer.

Schon im 12. Jahrhundert stieß man auf Silbervorkommen

Andererseits ist er nicht der Einzige, der derzeit in Sachsen die Bergbautradition neu aufleben lässt. Neben der Sachsenerz Bergwerks GmbH erkunden im Freistaat derzeit fünf weitere Firmen die Erzvorkommen. Sie suchen nach Rohstoffen wie Kupfer, Zinn, Nickel und Molybdän. Im Oktober sorgte die Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatcompagnie GmbH für eine Premiere nach Jahrzehnten. Eine erste unterirdische Sprengung markierte den Start für ein Bergwerk in Niederschlag in der Nähe von Oberwiesenthal. Dort sollen bis zu 135 000 Tonnen Fluss- und Schwerspat im Jahr gefördert werden. Flussspat wird in der Fluorchemie benötigt, unter anderem für Beschichtungsmaterialien wie Teflon. Das Unternehmen will in sein Bergwerk 18,5 Millionen Euro investieren. „Wir liefern den Beweis, dass wir teure Rohstoffe nicht zu hohen Preisen auf den Supermärkten der Welt kaufen müssen, sondern zu kostendeckenden Preisen im eigenen Land fördern können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schilka selbstbewusst.

Die modernen Bergbauer setzen eine jahrhundertealte Tradition fort. Schon im 12. Jahrhundert stieß man in der Nähe des heutigen Freiberg auf Silbervorkommen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war die Blütezeit schon wieder vorbei, bis im späten 15. Jahrhundert der Silberrausch abermals ausbrach. Berühmt die Legende, wonach Herzog Albrecht von Sachsen 1477 nach einem riesigen Erzfund in der Grube St. Georg in der Nähe von Schneeberg an einem zwei Meter langen und ein Meter hohen „Silbertisch“ ein unterirdisches Gastmahl abgehalten haben soll.

Unter „Berggeschrey“ verstand man seinerzeit, dass sich reiche Erzfunde rasch herumsprachen - ähnlich wie später im Goldrausch in Nordamerika. Nun sei die Zeit reif für ein „neues Berggeschrey“, findet Sachsens Wirtschaftsminister Morlok. Verständlich: Von einem neuen Silberfieber würde schließlich auch der Fiskus profitieren. Zwar nicht in Form von Naturalien. Aber Gewinnsteuern sind auch etwas Schönes.

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