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Milliardenzukauf : SAP greift nach Cloudspezialist Ariba

Bill McDermott (rechts) und Jim Hagemann Snabe Bild: dapd

SAP ist auf Einkaufstour. Der Vorstand des Walldorfer Softwarehauses peilt die Übernahme der amerikanischen Ariba-Gruppe an. Er will dafür 4,3 Milliarden Dollar auf den Tisch legen und hofft auf kräftiges Wachstum. Die Aktionäre applaudieren.

          Das deutsche Softwareunternehmen SAP setzt seine Einkaufstour fort und greift nun nach einem weiteren Konkurrenten. Wie die beiden Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Mannheim erklärten, haben sie für den Kauf des amerikanischen Cloud- und Netzwerkspezialisten Ariba 4,3 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) geboten. Das sind 20 Prozent mehr als der letzte an der Börse notierte Marktwert von Ariba.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit der Akquisition würde SAP zu einem der führenden Anbieter zentral verwalteter und angebotener IT-Dienstleistungen für Unternehmen und Geschäftsprozesse in der Welt werden. Basierend auf diesem sogenannten Cloudcomputing, bietet Ariba eine der größten elektronischen Plattformen für den internetbasierten Handel von Waren und Dienstleistungen zwischen Unternehmen an. So werden dort jedes Jahr von 730 000 Unternehmen Geschäfte im Wert von rund 320 Milliarden Dollar abgespult. Das Cloudgeschäft zählt zu jenen Geschäften in der IT-Industrie, die weiterhin hohes Wachstum versprechen.

          Nach Angaben der Marktbeobachter des Analystenhauses Gartner könnte der Umsatz der Branche mit Cloudgeschäften im Jahr 2015 rund 100 Milliarden Dollar betragen. Daher haben heute alle großen Software- und IT-Anbieter das Cloudcomputing auf ihrer Agenda. So peilt der Branchenriese IBM mittelfristig an, mit Cloudcomputing 7 Milliarden Dollar zu erlösen. Wettbewerber wie HP, Dell und Fujitsu wollen dem nicht nachstehen. SAP hat für 2015 die Umsatzmarke von mindestens 2 Milliarden Euro im Blick. Im vergangenen Jahr erlöste das Unternehmen mit Cloudgeschäften 18 Millionen Euro und machte hier einen Verlust.

          Um schneller voranzukommen und das mittelfristige Geschäftsziel von 20 Milliarden Euro Konzernumsatz im Jahr 2015 zu erreichen, hat der SAP-Vorstand um McDermott und Hagemann Snabe den traditionellen Entwicklungspfad organischen Wachstums verbreitert und für weit mehr als 15 Milliarden Euro Wettbewerber in den vergangenen Jahren zugekauft. Im Jahr 2008 hatte SAP den Datenanalytiker Business Objects für 4,8 Milliarden Euro erworben. 2010 folgte der Anbieter mobiler Daten- und Kommunikationsplattformen Sybase für 4,6 Milliarden Euro.

          Nachdem SAP mit seiner hausgemachten und cloudbasierten Mittelstandssoftware Business-by-Design, die jahrelang entwickelt worden war und den Kunden aus einem Datenzentrum heraus quasi über das Telefonkabel angeboten werden sollte, nur schwer vorankam, ging es in den vergangenen Monaten auch im Cloudbereich auf Einkaufstour. Im Februar dieses Jahres schloss SAP den Kauf von Success Factors ab. Die Walldorfer legten dafür 2,5 Milliarden Euro auf den Tisch, holten Gründer und Vorstandschef Lars Dalgaard in den SAP-Vorstand und machten ihn dort für das Cloudgeschäft des Konzerns verantwortlich.

          „SAP sieht ja wie eine Patchwork-Familie aus“, sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Wir sind sehr zufrieden mit der Akquisition und Integration der Unternehmen“, sagte Bill McDermott. Die Zukäufe haben SAP seine führende Stellung in der Welt der Unternehmenssoftware erhalten. „Geben Sie uns doch mehr Einblick in die Geschäftsverläufe der zugekauften Firmen“, sagte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Das mag ja eine riesige Erfolgsgeschichte werden, aber machen Sie uns doch das Cloudgeschäft mal so deutlich, dass wird es als Anteilseigner auch verstehen“, sagte er.

          Plattner: „Die Cloud ist essentiell für die Zukunft von SAP“

          Im Cloudgeschäft werden Computerprogramme und IT-Leistungen zentral und flexibel bereitgestellt und über Mietverträge genutzt. „Auf unserem Weg ist der Kauf von Ariba ein Meilenstein“, erklärte der SAP-Vorstandsvorsitzende Hagemann Snabe. „Die Cloud ist essentiell für die Zukunft von SAP“, sagte Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Die Zukäufe und die Kaufpreise waren allesamt gerechtfertigt und stellten sich für alle Beteiligte als fair heraus, sagte McDermott. Der Vorstandsvorsitzende von Ariba, Bob Calderoni, wird Mitglied des neuen SAP-Leitungsgremiums Global-Management-Board, das dem Vorstand zuarbeitet.

          Ariba würde als eigenständige Marke und selbständiger Geschäftsbereich vom bisherigen Management weitergeführt. Das Unternehmen erlöste vergangenes Jahr 444 Millionen Dollar. Das war knapp die Hälfte mehr als im Jahr zuvor. SAP beendete das vergangene Geschäftsjahr mit Rekordergebnissen. „SAP ist in jedem Quartal im zweistelligen Prozentbereich gewachsen“, sagte McDermott auf der Hauptsversammlung in Mannheim. Der Anbieter von Software für die Verwaltung und Steuerung von Unternehmen erlöste im Gesamtjahr 14,2 Milliarden Euro, verdoppelte den Betriebsgewinn auf 4,8 Milliarden Euro und verzeichnete einen Nachsteuergewinn von 3,4 Milliarden Euro.

          In diesem Jahr soll der Umsatz zwischen 10 und 12 Prozent wachsen und der Betriebsgewinn mindestens 5 Milliarden Euro betragen. Das Cloudgeschäft soll dabei überproportional zulegen. Die nun angestrebte Übernahme von Ariba ist von den Führungs- und Aufsichtsgremien gebilligt, die Aktionäre von Ariba müssen dem Geschäft ebenso noch zustimmen wie die Kartellbehörden. Bis zum Spätsommer könnte nach Ansicht von SAP die Akquisition abgeschlossen sein. Ariba hat seinen Unternehmenssitz wie Sybase und Success Factors in Kalifornien. Das Unternehmen hat rund 2600 Mitarbeiter; SAP hat fast 60 000 Beschäftigte.

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