https://www.faz.net/-gqe-7hn01

Milliardenauftrag : Lufthansa erneuert Langstreckenflotte

Aus der Flotte werden mit dem Jumbo Boeing 747-400 und der Airbus A340 ausschließlich Jets mit vier Triebwerken ausscheiden. Bild: F.A.Z.

Europas größte Fluggesellschaft kauft neue Langstreckenflugzeuge: Mehr als 10 Milliarden Euro sollen in den Kauf der Airbus-Neuheit A350 und in die neu entwickelte 777X des amerikanischen Herstellers Boeing fließen. Am Donnerstag will Lufthansa Details berichten.

          3 Min.

          Die Deutsche Lufthansa will ihre überalterte Flugzeugflotte in großem Stil erneuern. Auf einer Routinesitzung des Aufsichtsrats am Mitwochabend wurde nach Informationen der F.A.Z. der Kauf von 50 Langstreckenmaschinen beschlossen. Der Auftrag, der auf die Flugzeughersteller Airbus und Boeing verteilt wird, hat ein Gesamtvolumen aus der Basis von Listenpreisen von umgerechnet geschätzt mehr als 10 Milliarden Euro. In der Luftfahrt sind jedoch hohe zweistellige Rabatte durchaus üblich.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Details des Auftrags, der eine Signalwirkung für andere Fluggesellschaften hat, sollen auf einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt gegeben werden.  Bereits im Vorfeld der Sitzung, auf der auch der Weggang des Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz zum Pharmakonzern Roche besprochen wurde, zeichnete sich ab, mit welchen Flugzeugtypen die Deutsche Lufthansa das Gros ihrer Langstreckenflotte bestücken wird. Danach wird Europas größte Fluggesellschaft den Kauf von 50 Maschinen auf ihre Hoflieferanten Airbus und Boeing verteilen.

          Während dabei der Flugzeughersteller aus Toulouse mit der Neuentwicklung A350-900 zum Zuge kommt, ist der Rivale aus Chicago mit seinem ebenfalls in Entwicklung befindlichen Modell 777X fest gebucht.

          Das Volumen dieses Auftrages beträgt auf der Basis von Listenpreisen mehr als 10 Milliarden Euro. In der Luftfahrt sind jedoch Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent durchaus üblich. Allerdings werde sich beim jetzt beschlossenen Großeinkauf der Lufthansa, der die stark gefragten Neuentwicklungen von Airbus und Boeing betrifft, der gewährte Rabatt  eher zwischen 20 Prozent und 30 Prozent bewegen, sagen Kenner der Branche. Die exakte Aufteilung in Festaufträge und Optionen auf Bestellungen wurde bis zuletzt verhandelt. Ebenso, welche Triebwerk-Hersteller in welchem Umfang für die neuen Maschinen zum Zuge kommen werden.

          Der Bedarf der Lufthansa, ihre Flotte durch moderne, spritsparende Modelle zu ersetzen, ist groß. Schon vor Monaten kündigte Christoph Franz, der scheidende Vorstandsvorsitzende des Konzerns, an, dass in den kommenden 12 Jahren insgesamt 236 neue Maschinen für die Lufthansa und ihre Schwestergesellschaften wie Swiss, AUA oder Brussel Airlines benötigt werden. Dieser Bedarf entspricht einem Auftragsvolumen von 22 Milliarden Dollar auf der Basis von Listenpreisen.

          Der aktuelle Bestand von rund 400 Maschinen, der fast vollständig im Eigentum der Fluggesellschaft ist, gilt als überaltert und - wegen hoher Betriebskosten - als wenig effizient. Während die Lufthansa-Jets im Schnitt mehr als 11 Jahre alt sind, weisen dagegen die Flotten von Konkurrenten wie Turkish Airlines (6,2 Jahre) oder Emirates aus Dubai (6,6 Jahre) deutlich günstigere Werte vor.

          Erschwerend kommt hinzu: Bei Piloten und Umweltschützern sind viermotorige Passagierflugzeuge wie Boeings Jumbojet 747-400 oder der A340 von Airbus als „Spritschlucker“ verrufen. Während die alten Jumbos aus amerikanischer Produktion stillgelegt oder schrittweise durch die kraftstoffsparende Nachfolger-Variante 747-800 ersetzt werden, befinden sich von den vierstrahligen A-340-Modellen noch mehr als 40 Maschinen im Bestand. Bis zuletzt rangierte die Lufthansa in der jüngsten Öko-Hitliste des Umweltverbands Atmosfair nur auf Platz 54 - weit hinter dem Ferienfluganbieter TUIfly oder dem deutschen Rivalen Air Berlin, die beide über effizienteres Fluggerät verfügen.

          Mit ihrer Festlegung auf der A350 aus Toulouse und den weiterentwickelten „Triple Seven“, wie der Verkaufsrenner von Boeing genannt wird, entscheiden sich die Lufthanseaten für Varianten, die je nach Ausstattung bis zu 350 Passagieren Platz bieten und bis zu 20 Prozent weniger Kerosin gegenüber vergleichbaren Standardmodellen verbrauchen. Beide sind deutlich kleiner als das Großraumflugzeug A380 aus Toulouse für rund 500 Fluggäste, werden aber in sehr viel größeren Stückzahlen gebaut.

          Angesichts der chronischen Ertragsschwäche im Unternehmen und der Tatsache, dass selbst in zukunftsträchtigen Märkten des Luftverkehrs wie Asien oder Afrika nur moderate Zuwachsraten erwartet werden, haben sich Fluggesellschaften wie British Airways oder Air France-KLM für kleinere Langstreckenmaschinen entschieden. Der wichtigste Treiber für die Modernisierung der Flotten ist zudem der Anstieg des Rohölpreises in den vergangenen Jahren. Im Lufthansa-Konzern wird sich der Aufwand für Kerosin bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf mindestens 7 Milliarden Euro belaufen. Dieser Posten macht im Schnitt der Luftfahrtindustrie zurzeit bis zu 30 Prozent der Kosten aus.

          Mit dem Einkauf bei Airbus und Boeing will der für das Passagiergeschäft der Lufthansa verantwortliche Konzernvorstand Carsten Spohr die Typenvielfalt in seiner Flotte reduzieren, die zeitweise bei 20 Varianten gipfelte. Ziel wäre die Konzentration auf vier oder fünf Produktlinien, heißt es. Weitere Kostenvorteile im Betrieb ergeben sich, wenn etwa Reparatur, Wartung oder die Schulung von Piloten und das Bordpersonal für die jeweiligen Flugzeugfamilien eines Herstellers standardisiert werden.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Colonial öffnet die Pipeline

          Spekulationen über Lösegeld : Colonial öffnet die Pipeline

          Durch einen Hackerangriff auf eine wichtige Pipeline war an der amerikanischen Ostküste der Treibstoff knapp. Jetzt fließt das Benzin wieder. Grund soll eine Lösegeldzahlung sein.

          Topmeldungen

          Glänzte als Vorbereiter: Kapitän Marco Reus reckt den Pokal in die Luft.

          Dortmund gewinnt den DFB-Pokal : Plötzlich wachsen dem BVB Flügel

          Vor allem dank einer furiosen ersten Hälfte setzt sich der BVB im Endspiel des DFB-Pokals durch. Das Leipziger Aufbäumen kommt zu spät. Am Ende jubelt Dortmund lautstark, RB bleibt weiter ohne Titel.
          Rettungskräfte in der südisraelischen Stadt Sderot versorgen eine Frau nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen am 12. Mai

          Angriffe in Israel und Gaza : Wenn man die Angst hören kann

          Die Heftigkeit der Angriffe der Hamas und des israelischen Militärs, aber auch der Gewalt in Israel selbst hat viele überrascht. Und alle fragen sich: Wird diese „Runde“ bald vorüber sein und wird sich etwas ändern?
          Erst akzeptiert Musk Bitcoin als Zahlungsmethode für sein Unternehmen Tesla, nun hat er Umweltbedenken.

          Kryptowährung : Bitcoin sind für Tesla zu umweltschädlich

          Der Elektroautohersteller war das prominenteste Unternehmen, welches die Digitalwährung als Zahlungsmittel akzeptierte – nun die Kehrtwende. Der Kurs bricht nach der Nachricht ein. Doch wie schmutzig sind die Kryptowährungen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.