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Militär-Airbus : A 400 M weit von Gewinnzone entfernt

  • Aktualisiert am

Deutschland und Frankreich müssen auf den Militärtransporter A400M noch warten Bild: ddp

Technische Schwierigkeiten, Hickhack zwischen Airbus und den Partnerfirmen sowie neue Vorgaben der Kunden verzögerten das Projekt um Jahre und trieben die Kosten für den A 400 M in die Höhe. Jetzt naht eine Entscheidung über die Zukunft des Militärtransporters.

          Viel Freude hatte der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit dem neuen Airbus-Militärtransporter A 400 M noch nie. Jetzt naht die Entscheidung, ob es ein „Ende mit Schrecken“ gibt oder der Schrecken ein Ende nimmt. Klar ist bereits, dass die Airbus-Mutter auf absehbare Zeit mit dem als Wundervogel angepriesenen Flugzeug kein Geld verdienen wird. Das gab EADS-Vorstandschef Louis Gallois jetzt zur Pariser Luftfahrtmesse Le Bourget ziemlich unverblümt zu.

          Bereits in diesem Jahr sollten die ersten Kunden Frankreich und die Türkei das als Alleskönner angepriesene Flugzeug bekommen. Doch vor 2013 wird daraus wohl nichts. Technische Schwierigkeiten von der Triebwerksaufhängung bis hin zur Software, Hickhack zwischen Airbus und den Partnerfirmen sowie neue Vorgaben der Kunden verzögerten das Projekt um Jahre und trieben die Kosten in die Höhe.

          Schon jetzt habe der Konzern für die A 400 M rund 2,3 Milliarden Euro zur Seite gelegt, sagte Gallois am Samstag in Paris vor dem Start der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir das Geld für die ersten A 400 M wieder hereinholen.“ Mit den bislang vorliegenden 180 Bestellungen aus den am Projekt beteiligten Ländern werde es jedenfalls schwierig. Die 5,7 Milliarden Euro Anzahlung, die EADS bisher erhalten hat, sind jedenfalls weg. 6000 EADS-Mitarbeiter werkeln an dem europäischen Projekt, die monatlichen Kosten liegen bei 100 Millionen Euro.

          Rumpfprojekt: In Bremen wird ein Teil des A 400 M zur Endmontage nach Sevilla übergeben, August 2007

          Die skeptischen Briten sollen mit ins Boot

          Ob und wie es weitergeht, hängt nun an den Staaten, die das Projekt angeschoben haben. Deutschland und Frankreich wollen EADS eine Fristverlängerung bis zum Jahresende gewähren. „Frankreich und Deutschland können nicht alleine entscheiden, aber zumindest die beiden müssen sich einig sein“, stellte Gallois in Paris klar. Nun gilt es vor allem, die skeptischen Briten mit ins Boot zu holen. „Wir brauchen die Briten, immerhin haben sie 25 Flugzeuge bestellt“, sagt Gallois. „Wir wären getroffen, wenn Großbritannien aus dem Vertrag aussteigen würde. Aber ich glaube nicht, dass das den Vertrag killen würde.“ Zudem nähmen die Briten „aktiv an allen Treffen teil“. Doch auch Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei müssen noch überzeugt werden, an dem Projekt festzuhalten.

          Eine erste Weichenstellung könnte bereits an diesem Montag in Le Bourget gemacht werden. Dann treffen sich Vertreter aus Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland, um über die Zukunft des Projekts zu beraten. Für Deutschland reist Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) an. Ende Juni soll eine Ministerrunde der A 400 M-Staaten in Sevilla Nägel mit Köpfen machen.

          Im schlimmsten Fall droht dem Pannenflieger das Aus. Das wollen aber eigentlich alle Beteiligten verhindern. EADS, weil dann die 5,7 Milliarden Euro Anzahlung zurückgezahlt werden müssten, die beteiligten Staaten, weil sie die bestellten Flugzeuge dringend brauchen. Außerdem wollen die Europäer sich keine Blamage ihres Vorzeigekonzerns EADS leisten. Gallois gibt sich optimistisch. „Ich gehe nicht davon aus, dass das Flugzeug nicht startet“, sagt er.

          „Ein sehr gutes Programm für die europäische Industrie“

          Dafür sprechen auch die jüngsten Äußerungen des französischen Verteidigungsministers Hervé Morin. Er will das Rüstungsprojekt auf jeden Fall retten. „Das ist ein sehr gutes Programm für die europäische Industrie und EADS“, sagte er. „Ich bin überzeugt, dass dieses Flugzeug ein enormes Exportpotenzial hat.“ Ins gleiche Horn stößt Gallois. Die A 400 M habe „eine große Zukunft vor sich“, da viele alte Transport-Flugzeuge des Typs Hercules C130 ersetzt werden müssten, sagt er in Paris. „Die A 400 M ist das Flugzeug der Zukunft. Daran habe ich keinen Zweifel.“

          Mit einer schnellen Einigung wird aber nicht gerechnet. „Das ist natürlich ein langwieriger Prozess. Das Ende der Verhandlungen könnte zusammenfallen mit dem Jungfernflug“, räumt der EADS-Chef ein. Der Erstflug ist für Ende des Jahres angepeilt. Gerungen werden dürfte bis dahin vor allem über das heikle Thema Konventionalstrafen für die Verspätung, Änderungen in den Lieferverträgen und die technischen Eigenschaften des Fliegers. Schon länger beklagt EADS, die vertraglichen Vorgaben der Kundenstaaten seien von Anfang an utopisch gewesen. EADS wiederum müsse einfach lernen, bessere Verträge zu unterschreiben, bekennt Gallois. Vorbild für einen neuen A 400M-Vertrag könnte die Vereinbarung über den Eurofighter sein.

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