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Wohnungskonzern verteidigt sich : „Unsere Wohnungen sind bezahlbar“

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Demonstrantinnen stehen am Morgen vor dem Eingang zur Hauptversammlung des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen Bild: dpa

Das Unternehmen Deutsche Wohnen ist in der Debatte um bezahlbaren Wohnraum zum Hassobjekt geworden. Der Konzernchef geht auf der Hauptversammlung in den Gegenangriff über. Unterdessen registriert der Berliner Mietverein eine Mieterhöhungswelle.

          Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn hat auf der Hauptversammlung des Konzerns den Vorwurf überhöhter Mieten zurückgewiesen. „Der Wohnraum, den wir anbieten, hat wenig mit Luxus zu tun. Das ist mittlere Qualität, die bezahlbar ist“, sagte Zahn am Dienstag vor etwa 150 Aktionären in Frankfurt. „Dass es Haushalte gibt, die sich Marktmieten nicht leisten können, dafür habe ich Verständnis.“ Aber das dürfe nicht zu Subventionen mit der Gießkanne führen, die Mieter unabhängig von ihrem Einkommen zugutekommen würden.

          Der rot-rot-grüne Senat in Berlin will noch an diesem Dienstag Eckpunkte für einen Mietendeckel beschließen. Demnach sollen die Mieten in der Hauptstadt für fünf Jahre nicht erhöht werden dürfen.

          Zahn übte noch vor dem Beschluss Kritik an der Politik: Er beobachte viel Aktionismus, der teilweise stark von Populismus getrieben sei. „Was wir brauchen, sind klare und langfristige Rahmenbedingungen.“ Mit rund 110.000 Wohnungen in Berlin ist Deutsche Wohnen der größte private Vermieter in der Hauptstadt.

          Vor dem Versammlungsort forderten rund zwei Dutzend Kritiker, den Konzern zu enteignen. Demonstranten in Gespensterkostümen hielten Plakate mit Aussagen wie „Wir sind die Geister, die ihr ruft“ oder „Quälgeister aller Wohnungskonzerne vereinigt euch“ in die Höhe und skandierten Slogans wie „Deutsche Wohnen enteignen“ „Wir brauchen einen Stopp dieses Mietenwahnsinns“, forderte Susanna Raab von der der Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ und verwies auf die stark gestiegenen Mieten in Berlin. Sie wolle den Aktionären zeigen: „Wer mit Wohnungen spekuliert, kann auch verlieren.“ Nach dem Grundgesetz könne der Konzern auch deutlich unter Marktwert enteignet werden, sagte Raab.

          Die Initiative hatte gut 77.000 Unterschriften gesammelt - deutlich mehr als die 20.000, die für ein Volksbegehren notwendig sind. Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres soll nun prüfen, ob die Unterschriften gültig sind und ein Volksbegehren eingeleitet wird. Alexis Passadakis von Attac sagte, die Wohnungen könnten auch in kommunaler Trägerschaft profitabel verwaltet werden. „Die Frage ist, mit welcher Rendite man sich zufrieden gibt.“

          „Mit der gesellschaftlichen Akzeptanz unseres Unternehmens ist es schlecht bestellt“, gestand Zahn ein. Er hielt den Kritikern entgegen, Deutsche Wohnen sei ein langfristiger Investor und kein Spekulant. „Wir schütten weniger aus als unsere Wettbewerber, aber wir investieren auch erheblich.“ Den Initiatoren der Enteignungskampagen gehe es in erster Linie darum, den Wohnungsmarkt stärker zu regulieren und nicht die Konzerne zu enteignen.

          Unterdessen hat der Berliner Mieterverein in den vergangenen Tagen eine starke Zunahme von Mieterhöhungen in der Hauptstadt verzeichnet. Es werde vermutet, dass Vermieter noch die Gelegenheit nutzen wollten, bevor ein Mietendeckel eingeführt werden könnte, teilte der Mieterverein am Dienstag auf Anfrage mit. Genaue Zahlen zu den Mieterhöhungsschreiben lagen dem Mieterverein aber nicht vor.

          Der stellvertretende Geschäftsführer Sebastian Bartels sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es gibt einen Run auf unsere Beratungsstellen.“ Mieter riefen deutlich häufiger an als gewöhnlich. Am Montag seien besonders viele Anfragen für Beratungstermine eingegangen. Bartels sagte, dass nach Erscheinen des Mietspiegels jedes Jahr zum Sommer hin eine Welle von Mieterhöhungen in der Hauptstadt einsetze. Doch dieses Mal sei das früher und das Aufkommen deutlich höher als in den Vorjahren. Der Berliner Eigentümer-Landesverband Haus und Grund hatte auf seiner Internetseite Vermieter dazu aufgerufen, die Mieten in Berlin vor der Entscheidung des Senats zu erhöhen

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