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Miele-Chef Reinhard Zinkann : „Neue Kühlschränke rechnen sich“

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Kühlschränke gibt es jetzt auf der Ifa ebenso zu sehen wie Staubsauger und Waschmaschinen Bild: Miele

Früher war die Ifa die Messe der Fernseher und MP3-Spieler. Zum ersten Mal zeigt die Messe in diesem Jahr auch Hausgeräte. Was moderne Kühlschränke und Staubsauger auf der Ifa zu suchen haben, erklärt Miele-Chef Reinhard Zinkann im Interview.

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          Zum ersten Mal zeigt die Ifa auch Haushaltsgeräte. Die sind vielleicht nicht so attraktiv wie flache Fernseher, aber nach Ansicht von Miele-Chef Reinhard Zinkann mindestens ebenso innovativ.

          Herr Zinkann, was haben Kühlschränke und Staubsauger auf der Ifa verloren? Hier sollten doch Fernseher und MP3-Spieler zu sehen sein.

          Diese Produkte haben eine ähnliche Zielgruppe, die sie mit der Ifa erreichen. Der Handel hat in sehr vielen Fällen sowohl die „weiße Ware“ als auch die „braune Ware“ im Sortiment. Diese Händler kommen zur Ifa, um sich zu informieren. Vor allem der Händlerverband BVT hat immer darauf gedrängt, eine neue internationale Plattform für die „weiße Ware“ zu etablieren, seitdem die Domotechnica schwächelt. Diese Plattform soll jetzt mit der Erweiterung der Ifa geschaffen werden.

          Was ist denn mit der Kölner Domotechnica passiert?

          Das Problem der Messe war, dass einige Hersteller meinten, auf eine Messeplattform vollständig verzichten zu können. Außerdem waren die Zimmer in Köln knapp und daher gigantisch teuer. Das hat dazu beigetragen, dass viele Unternehmen nicht mehr gekommen sind. Außerdem gab es viele Meinungsverschiedenheiten hinter den Kulissen.

          Ist das auf der Ifa jetzt anders? Die ursprünglich für die „weiße Ware“ vorgesehene Fläche ist ja wohl nicht ganz belegt.

          Die Diskussion, ob eine Messe die richtige Plattform für die Präsentation unserer Produkte ist, ist noch nicht zu Ende. Aber: Wenn diese Veranstaltung ein Erfolg wird, werden im kommenden Jahr auch mehr Hersteller teilnehmen. Ich selber bin optimistisch und gehe davon aus, dass der Erfolg die anderen Hersteller überzeugen wird.

          Wann wäre die Messe denn aus Ihrer Sicht erfolgreich?

          Auf der einen Seite ist natürlich die Zahl der internationalen Fachbesucher, die wir mit der Veranstaltung erreichen, ein Kriterium für den Erfolg. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch etwas von der starken Medienpräsenz profitieren, die die Ifa traditionell auf sich zieht, um die für uns wichtigen Themen zu präsentieren.

          Sie wollen mit Waschmaschine und Staubsauger ins Fernsehen?

          Hausgeräte sind vielleicht nicht ganz genauso sexy wie die neuen Fernseher. Aber wir haben sehr innovative Produkte und eine Fülle spannender Themen.

          Was für Themen wären das denn?

          Zum Beispiel Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Angesichts der heutigen Energiepreise macht es für den Verbraucher in vielen Fällen Sinn, seinen alten Kühlschrank gegen ein weniger Strom fressendes Modell zu tauschen. Das rechnet sich schneller, als viele meinen. Auch die Verringerung des Stromverbrauchs im Standby-Modus macht sich direkt im Portemonnaie der Kunden bemerkbar.

          Die Ifa findet jährlich statt. Kommt denn jedes Jahr etwas Neues aus der Branche? Wie lang sind die Innovationszyklen im Hausgerätegeschäft?

          Diese Frage ist in den Verbänden lange diskutiert worden. Ich meine, es kommt jedes Jahr etwas Neues. Ein Zyklus der Branche orientierte sich traditionell am Rhythmus der Domotechnica und beträgt etwa zwei Jahre. Aber für eine wirklich neue Gerätegeneration braucht man rund vier Jahre. Das ist schon viel kürzer als früher. Die Branche wird aber dennoch auf Grund der großen Bandbreite der Produkte jedes Jahr etwas Neues und Interessantes präsentieren können.

          Die Hersteller in der Unterhaltungselektronik erkennen einen Trend im Konsumverhalten, durch den der Kunde entweder ganz billig oder recht teuer kauft. Gilt dies auch für die Hausgeräte?

          Ja. Wir beobachten einen ähnlichen Trend. Nach der Mehrwertsteuererhöhung und angesichts der gestiegenen Energiepreise fehlt dem Verbraucher das Geld im Portemonnaie. Wenn er nun eine Entscheidung trifft, überlegt er sehr genau, wofür er es ausgibt - oder er spart für den Urlaub. Es gibt aber für uns zum Beispiel die Gruppe der Hobbyköche, die sich deutlich teurer ausstatten als der Durchschnitt - genau wie der Filmfan, der sich einen teureren Fernseher leistet. Aber es stimmt: Das mittlere Preissegment ist am stärksten unter Druck.

          Derzeit drängt der asiatische Hersteller Samsung auf den europäischen Markt für Haushaltsgeräte, und im nächsten Jahr wird Panasonic folgen. Nehmen Sie diese neue Konkurrenz schon wahr?

          Davor haben wir keine Angst, auch wenn wir die ersten Produkte im Markt sehen und diese auch in den Marktforschungszahlen der GfK auftauchen. Wir exportieren als deutsche Hersteller stark nach Asien. Daher müssen wir auch davon ausgehen, dass die dortigen Unternehmen uns hier Konkurrenz machen. Das ist die Globalisierung.

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