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Kuka : Was wollen die Chinesen da kaufen?

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In Folie verpackt: Roboter in einem Kuka-Werk in Schanghai Bild: Reuters

Kaum eine deutsche Aktie lief in den vergangenen 5 Jahren besser als die von Kuka. Das hat seine Gründe.

          Schon wieder haben es Chinesen auf Ingenieurskunst „made in Germany“ abgesehen: Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea will seinen Anteil am deutschen Roboterhersteller Kuka aufstocken. Das Unternehmen bietet den Aktionären 115 Euro je Aktie und damit deutlich mehr als Kuka-Papiere zuletzt an der Börse gekostet hatten. Die komplette Kontrolle wollen die Chinesen nach eigenen Angaben aber nicht übernehmen, hieß es am Mittwoch. Widerstand aus der Politik droht bislang nicht: „Wir leben in einer freien Marktwirtschaft", sagt der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs: „Genauso wie unsere Unternehmen Anteile an ausländischen, auch chinesischen Unternehmen kaufen und sich beteiligen, genauso erwerben Chinesen inzwischen Anteile an innovativen deutschen Unternehmen."

          Der Roboterhersteller Kuka gilt als eines der deutschen Vorzeigeunternehmen für die sogenannte Industrie 4.0, also die digitale Vernetzung von Fabriken. Die Roboter des Unternehmens tragen meist die typische Signalfarbe Orange. Vor allem die Automobilindustrie setzt schon seit langem auf Roboter aus dem Haus Kuka. Volkswagen und Daimler bauten schon vor Jahrzehnten die ersten Schweißtransferstraßen mit Kuka-Robotern. Auch Kühlschränke und Waschmaschinen wurden mit Hilfe von Kuka-Robotern gebaut.

          Nachdem die Kuka AG lange von der konjunkturabhängigen Automobilwirtschaft abhängig war, versuchen die Augsburger inzwischen verstärkt auch in andere Geschäftsfelder vorzustoßen. Ein wesentlicher Schritt dafür war Ende 2014 die Übernahme des Schweizer Logistikdienstleisters Swisslog, der auf Krankenhaus-Logistik spezialisiert ist. Inzwischen hat Kuka dadurch weltweit mehr als 12.000 Mitarbeiter.

          Kuka steht für „Keller und Knappich Augsburg“

          Gegründet wurde das Unternehmen 1898 von Johann Josef Keller und Jakob Knappich - die Marke Kuka steht für die Anfangsbuchstaben von „Keller und Knappich Augsburg“. Zunächst produziert das neue Werk günstige Haus- und Straßenbeleuchtungen, später wird Kuka ein Spezialanbieter von Schweißtechnik.

          Seit den 1970er Jahren erhält das Unternehmen sein heutiges Gesicht:  Kuka wird einer der weltweit führenden Herstellern von Industrierobotern. Mittlerweile investiert Kuka in Technologien, die irgendwann die schweren, orangenen Roboteranlagen ablösen sollen.

          Die neue Generation heißt LBR (Leichtbauroboter) und steht für „intelligente“ und sogenannte feinfühliche Maschinen, die mit den Fabrikarbeitern unmittelbar Hand in Hand auf engstem Raum zusammenarbeiten können. Eine Verletzungsgefahr für die Menschen soll von diesen Robotern nicht mehr ausgehen.

          Welche Bedeutung Kuka in der deutschen Industrielandschaft inzwischen hat, zeigte sich kürzlich auch auf der Hannover Messe. Dort gehörte Kuka-Chef Till Reuter zu den Gästen bei einem Abendessen mit Barack Obama und Angela Merkel – und dass der amerikanische Präsident bei einem Rundgang durch die Hallen auch länger bei Kuka Halt machte,  war fast schon eine Selbstverständlichkeit.

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