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Haftstrafen für Manager : Die meisten kamen mit Bewährung davon

Justizvollzugsanstalt Landsberg: Hier verbringt Uli Hoeneß seine Haftstrafe Bild: dpa

Thomas Middelhoff ist zu drei Jahren im Gefängnis verurteilt worden. Das kommt nicht oft vor. Viele Manager sind von der Haft verschont geblieben.

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          Drei Jahre Gefängnis für private Flüge und eine Festschrift für seinen Vorgänger: Das ist das Urteil gegen den ehemaligen Top-Manager Thomas Middelhoff. In 27 Fällen haben die Richter ihn der Untreue für schuldig befunden, in drei Fällen der Steuerhinterziehung – das kommt nicht oft vor. In der Vergangenheit kamen nur wenige hochrangige Manager ins Gefängnis: Bayern-München-Manager Uli Hoeneß sitzt seit Juni im Gefängnis Landsberg am Lech, nachdem er im März wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro für schuldig und zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Der frühere Bayern-LB-Manager Gerhard Gribkowsky sitzt wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung beim Verkauf der Bayern-LB-Anteile an der Formel 1 im Gefängnis. Die Richter hatten ihn im Sommer 2012 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die anderen Fälle liegen schon länger zurück. Für etliche Schlagzeilen sorgte die Haftstrafe für den Frankfurter Bauunternehmer Jürgen Schneider (6 Jahre und 9 Monate) im Jahr 1997. Im selben Jahr wurde der Flowtex-Chef Manfred Schmider zu 11 Jahren und 6 Monaten verurteilt, weil das Unternehmen in einer Art Schneeballsystem nicht existierende Bohrsysteme verkaufte.

          In der Finanzkrise kamen die Manager glimpflich davon

          In vielen Wirtschaftsskandalen kamen die Manager aber mit Bewährungsstrafen davon. Häufig hatten sich die Manager nicht direkt persönlich bereichert. Beispielhaft dafür steht der Siemens-Korruptionsskandal, der bislang größte in Deutschland. Zwar mussten etliche Manager ihre Posten aufgeben, ins Gefängnis kam aber kein Siemens-Vorstand, obwohl die Ermittler herausgefunden hatten, dass über viele Jahre bei Siemens ein umfangreiches System von Schmiergeldzahlungen existierte.

          Das Unternehmen akzeptierte eine Geldstrafe von rund 200 Millionen Euro. Der Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung zwar zu zwei Jahren Haft verurteilt, die Strafe wurde aber zu Bewährung ausgesetzt.

          Auch in der Finanzkrise kamen die meisten Manager in Deutschland glimpflich davon. Nach Milliardenverlusten traten zwar viele zurück, doch meist blieb es bei Geld- und Bewährungsstrafen, auch wenn die Banken mit milliardenschweren Rettungspaketen auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden mussten. So verurteilte das Landgericht München etwa den früheren Chef der Bayern LB Werner Schmidt wegen Bestechung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Aber auch hier wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Im Falle HSH Nordbank sah das Gericht bei den Angeklagten zwar eine Verletzung ihrer Vorstandspflichten und Untreue, doch die Vergehen seien nicht gravierend genug für eine Verurteilung. Der hohe Schaden durch schlechte Finanzgeschäfte beruhte nach Auffassung der Richter auf der Finanzkrise, die beim Abschluss der Geschäfte einfach nicht vorhersehbar gewesen sei.

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