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Middelhoff und Esch einigen sich außergerichtlich : Versöhnung im Jachtenstreit

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Thomas Middelhoff war einst Chef von Bertelsmann, später stand er an der Spitze von KarstadtQuelle und benannte den Konzern in Arcandor um Bild: dpa

Der frühere Vorstandschef von Karstadt-Quelle hat sich schon vor Jahren mit seinem Vermögensberater zerstritten. Jetzt naht die Versöhnung: In einem ersten Schritt haben sich beide Seiten über Millionenkosten für eine Luxusjacht geeinigt.

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          Der frühere Vorstandschef von Karstadt-Quelle, Thomas Middelhoff, will seine Rechtsstreitigkeiten mit dem Bauunternehmer Josef Esch einvernehmlich beilegen. Ein für diesen Mittwoch angesetzter Termin am Landgericht Essen falle deshalb aus, sagte Middelhoffs Rechtsanwalt Winfried Holtermüller der F.A.Z. In einem ersten Schritt haben sich demnach beide Seiten über die Millionenkosten für eine Luxusjacht geeinigt, die Middelhoff von Esch gechartert hatte, sowie für Flugreisen. Bis zu einer Einigung über sämtliche anderen Streitpunkte dürfte aber noch ein Jahr ins Land gehen. Der frühere Manager hatte das 33 Meter lange Boot samt Besatzung im Jahr 2007 von Esch gemietet, dann aber im Streit die Zahlungen eingestellt.

          Middelhoff macht seinerseits geltend, Esch habe ihn falsch beraten und damit erheblich geschädigt. Insgesamt geht es um rund 200 Millionen Euro. Der Kaufhausmanager hatte mit Immobilienfonds Verluste erlitten, die Esch gemeinsam mit der Privatbank Sal. Oppenheim aufgelegt hatte. Auch mit dem Geldinstitut strebt Middelhoff eine Einigung an. „Dabei sind wir sehr weit fortgeschritten“, sagte Holtermüller. Dies gelte gleichermaßen für einen Rechtsstreit mit der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz um Flugkosten, der aber nur einen kleinen Betrag betreffe.

          An anderen Fronten laufen die Prozesse gegen den einstigen Arcandor-Chef weiter. Der Insolvenzverwalter der Kaufhauskette, Hans-Gerd Jauch, hat zwei Schadensersatzklagen gegen Middelhoff angestrengt. In einem Fall geht es um 175 Millionen Euro, die bereits Jauchs Vorgänger Klaus Hubert Görg wegen angeblich überhöhter Mietzahlungen von Karstadt an Esch-Fonds geltend gemacht hat. Middelhoff war an diesen auch privat beteiligt. Das Landgericht Essen kam im April zu dem Schluss, dass nur ein kleiner Teil der Forderung berechtigt sei; ein Gutachter hatte diesen auf 46 Millionen Euro beziffert. Holtermüller hat dagegen Berufung eingelegt, denn Middelhoff habe Karstadt sogar Geld erspart.

          Mit einer zweiten Zivilklage will der Insolvenzverwalter Middelhoff auf 11 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Dabei geht es um Sonderboni, die Middelhoff kurz vor seinem Ausstieg noch für seinen „strategischen Weitblick“ erhalten hat – kurz vor Einleitung des Insolvenzverfahrens. Aber auch für kleinere Posten soll der einstige Manager haften, die er privat und nicht geschäftlich verursacht haben soll – von einem Blumenbesteck im Wert von 200 Euro bis zu einer Weinflasche mit 6,4 Litern Umfang im Wert von 10 000 Euro. Dort hat das Gericht für kommenden November eine dreitägige Beweisaufnahme angeordnet.

          Das Kölner Beziehungsgeflecht beschäftigt die Justiz aber auch noch an zahlreichen weiteren Stellen. So sieht sich Esch von Schickedanz angegangen, die ihn und Sal. Oppenheim wegen angeblicher Falschberatung auf Schadensersatz in Höhe von 1,9 Milliarden Euro verklagt hat. Das Kreditinstitut ist zudem ins Visier der Staatsanwälte geraten, die etliche Hausdurchsuchungen vorgenommen haben. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit diversen Immobilien und Krediten. Die ersten zwei Anklagen gegen die frühere Führungsriege haben die Strafverfolger bereits erhoben.

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