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Activision-Übernahme : Der umstrittene Spielemacher

Robert „Bobby“ Kotick, CEO von Activision Blizzard Bild: AFP

Microsoft will Activision Blizzard kaufen. Doch der Konzern steht wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung in der Kritik – und Beschwerden gibt es auch gegen Chef Robert „Bobby“ Kotick.

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          Wie weit Selbstvermarktung und Wirklichkeit auseinanderklaffen können, veranschaulicht dieser Tage wohl kaum ein Fall besser als der des Videospielkonzerns Activision Blizzard und seines Chefs Robert „Bobby“ Kotick. Das Unternehmen wolle für eine diversere, inklusivere Gemeinschaft stehen und junge Talente fördern, ist auf der Website von Activision zu lesen. Doch die Akten eines kalifornischen Gerichts zeichnen ein komplett anderes Bild.

          Sarah Huemer
          Redakteurin im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Liste an Vorwürfen ist lang: Frauen bekämen bei gleicher Tätigkeit weniger bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Sexuelle Belästigung sei regelmäßig vorgekommen. Die Führungsriege habe Mitarbeiterinnen missbraucht und über Vergewaltigungen gewitzelt. Insgesamt 500 Beschwerden gibt es. Auch gegen Kotick selbst.

          Protest der Mitarbeiter

          Im Juli 2021 reichte der Staat Kalifornien Klage ein. Das amerikanische „Wall Street Journal“ hat aufgedeckt, dass Kotick schon Jahre davon gewusst, regelmäßig Beschwerden über E-Mail erhalten und nicht reagiert habe. Opfern wurde gekündigt, Beschuldigte blieben im Unternehmen, so der Vorwurf. Dem Verwaltungsrat habe Kotick die Vorfälle stets verschwiegen.

          „Bobby Kotick versucht, die Probleme des Unternehmens zu verschleiern“, schrieb die Mitarbeitervereinigung von Activision Blizzard auf Twitter. Rund 2000 der 10.000 Mitarbeiter des Unternehmens forderten in einer Petition im November die Entlassung von Kotick.

          Man könnte annehmen, dass freiwillig niemand mit einer derart toxischen Unternehmenskultur etwas zu tun haben möchte. Nicht so der Softwareentwickler Microsoft. Der will Activision Blizzard sogar kaufen, für 69 Milliarden Dollar, und so seine Position in der Gaming-Branche stärken. Es könnte der bisher größte Deal in der Geschichte von Microsoft werden.

          Seit Jahren ziehen die Spiele von Activision Blizzard Millionen von Menschen in ihren Bann: World of Warcraft. Call of Duty oder die Candy Crush Saga. Die Produkte sind dann doch ausschlaggebender als die Unternehmenskultur.

          Bleibt Kotick?

          Seit 31 Jahren steht Kotick an der Spitze von Activision Blizzard. Im Alter von 27 Jahren kaufte er Mehrheitsanteile des damals bankrotten Unternehmens. Nur drei Monate später wurde er Chef. Ob er unter dem neuen Dach weiter walten darf, ist noch unklar. Alle Seiten halten sich dazu bedeckt.

          Recherchen des „Wall Street Journal“ und von Bloomberg legen allerdings nahe, dass die Übernahme im Jahr 2023 für Kotick wohl das Ende bei Activision Blizzard bedeutet und er das Unternehmen verlassen muss. Ist das der Fall, wird Kotick nicht leer ausgehen: Er kann dann mit einer Abfindung von rund 300 Millionen Dollar rechnen.

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