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Michail Prochorow : Gegenkandidat mit Putins Segen

Michail Prochorow Bild: dpa

Der russische Milliardär Michail Prochorow tritt bei der Präsidentenwahl im nächsten März gegen Wladimir Putin an. Viele Russen glauben, seine Kandidatur sei von den Machthabern eingefädelt worden, um dem Sieg Putins den Anschein von Legitimität zu geben.

          Die gerade angekündigte Präsidentschaftskandidatur ist Michail Prochorows zweiter Anlauf, in der russischen Politik Fuß zu fassen. Damit einher geht ein neuer Anlauf zu unternehmerischer Aktivität: Am Dienstag ließ er mitteilen, er wolle das Verlagshaus „Kommersant“ erwerben, in dem die gleichnamige liberale Tageszeitung und mehrere Wochenzeitschriften erscheinen. Alle Blätter genossen bisher für russische Verhältnisse große Freiheiten. Ihr Besitzer Alischer Usmanow, der Direktor einer Tochterfirma des staatlich kontrollierten Konzerns Gasprom, mischte sich nicht in die Arbeit der Redaktionen ein - allenfalls konnte man vermuten, dass „Kommersant“ in einzelnen Fällen indirekt als Sprachrohr der etwas liberaleren Kräfte im Kreml diente. Am Dienstag aber entließ er den Chefredakteur des politischen Wochenmagazins „Kommersant-Wlast“ - vermutlich, weil ihm die kritische Berichterstattung über die Duma-Wahl missfiel. Wenige Stunden später ließ Prochorow sein Interesse an dem Medienunternehmen mitteilen. Das passt insofern gut, als er sich als Vertreter der liberalen und demokratischen Kräfte in Russland darstellt. Usmanows Reaktion: Er fasse das Kaufangebot als „guten Witz“ auf.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Viele in Russland denken, Prochorows Kandidatur sei von den Machthabern eingefädelt worden, um dem Sieg Wladimir Putins in der Präsidentenwahl am 4. März dadurch den Anschein von Legitimität zu geben, dass ein bekannter Konkurrent ins Rennen geschickt wird. Eine ernsthafte Gefahr für Putin ist Prochorow kaum, denn in der Bevölkerung kann ein Oligarch wie er nicht mit viel Sympathie rechnen. Der 46 Jahre alte Unternehmer, dessen Vermögen auf etwa 18 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist ein typischer Vertreter jener kleinen Gruppe von Russen, die durch die Privatisierungen der neunziger Jahren rasend schnell reich geworden sind. Wie viele von ihnen - auch der seit 2003 aus politischen Gründen im Gefängnis sitzende Michail Chodorkowskij - nutzte Prochorow Ende der achtziger Jahre den kommunistischen Jugendverband Komsomol als Vehikel für seine ersten Geschäfte, war dann Mitbegründer einer Bank und stieg Mitte der neunziger Jahre bei den Versteigerungen des Staatsvermögens zusammen mit seinem Geschäftspartner Wladimir Potanin in die Rohstoffbranche ein: Ihre Oneksim-Bank erwarb große Anteile an dem Nickelproduzenten Norilsk Nikel sowie an Stahl- und Ölunternehmen. Nachdem die Freundschaft Potanins und Prochorows Mitte des vergangenen Jahrzehnts zerbrochen war, bekam das interessierte Publikum bei der Trennung ihrer in der Holding Interros zusammengefassten Aktiva einen mehrjährigen Rosenkrieg geboten, der immer wieder Einblicke in die Härten des russischen Oligarchenlebens gab.

          Prochorows erster Versuch im Juni dieses Jahres, aus der Wirtschaft in die Politik zu wechseln, hatte Ähnlichkeiten mit der Übernahme eines Unternehmens im russischen Stil: Er trat in die dem Namen nach liberale Partei Prawoje Delo („Rechte Sache“) ein und wurde nach der Absetzung der bisherigen Führung gleich ihr Vorsitzender - allerdings nicht mit den in demokratischen Parteien üblichen Beschränkungen. Als „Zar, Vater, Gott und Heerführer“ wurde er damals von einem Mitglied des Vorstands bezeichnet. In diesem Stil wollte Prochorow die Partei auch führen, 100 Millionen Dollar flossen dafür in die Parteikasse. Nur drei Monate später wurde Prochorow gestürzt und verließ Prawoje Delo wieder. Auch das hatte wenig mit Demokratie, dafür viel mit russischem Geschäftsgebaren zu tun: Große Unternehmen, auch politische, brauchen Rückendeckung aus dem Kreml - und die wurde Prochorow entzogen, vermutlich weil er zu eigenmächtig geworden war.

          Dass Prawoje Delo tatsächlich ein Projekt des Kremls war, bestätigte Anfang dieser Woche der im September entlassene Finanzminister Aleksej Kudrin. In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ sagte er, der Parteivorsitz sei von Präsident Medwedjew zuerst ihm angetragen worden. „Es tut mir leid, dass für ihn nicht offensichtlich war, was für mich offensichtlich war“, sagte Kudrin über Prochorows Bereitschaft, sich auf dieses Angebot einzulassen. Kudrin und Prochorow äußern sich dieser Tage mit auffallender Hochachtung übereinander. Schon wird spekuliert, sie könnten das Gegenstück zum Tandem Putin-Medwedjew in einer kremltreuen liberalen Partei werden.

          REINHARD VESER

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