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Michael Sommer : Kein Revolutionär an der DGB-Spitze

  • -Aktualisiert am

DGB-Chef Michael Sommer vor großen Herausforderungen Bild: AP

Michael Sommer tritt keine leichte Aufgabe an. Der neue DGB-Chef muss Mitgliederschwund und den Spagat zwischen Verdi und IG Metall meistern.

          2 Min.

          Eine gehörige Portion an Leidensfähigkeit wird Michael Sommer mitbringen müssen, wenn er sein Amt als Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) längere Zeit bekleiden will. Am Dienstag wählte ihn der Bundeskongress zum neuen Vorstand des Dachverbandes.

          Auf den Nachfolger von Dieter Schulte, der nach acht Jahren Amtszeit nicht mehr kandidierte, wartet keine leichte Aufgabe. Denn gleich an mehreren Fronten befindet sich der DGB in der Defensive. So stimmt die potentielle Klientel der Gewerkschaften seit Jahren mit den Füßen gegen die Mitgliedsorganisationen ab: Von 1990 sank die Zahl der Mitglieder von 11,8 Millionen auf 7,7 Millionen im Jahr 2000.

          Trendwende bei den Mitgliederzahlen schaffen

          Michael Sommer geht die Herausforderung, den massiven Schwund bei den Mitgliederzahlen aufzuhalten, mit Optimismus an: „Wir haben Probleme. Aber ich bin überzeugt, dass wir an einem Punkt sind, an dem wir den Mitgliedertrend drehen können“, äußerte der damalige Vize der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kürzlich. Vor allem für die bisherigen Randgruppen der Gewerkschaftsarbeit, bei Frauen, bei den Online-Beschäftigten und bei der Jugend will Sommer künftig an Attraktivität gewinnen.

          Noch einen Akzent will der Neue an der DGB-Spitze setzen, der als heute 50-Jähriger auf gut 20 Jahre Gewerkschaftserfahrung zurückblickt. Sein Anliegen ist es, mit Attac, der globlisierungkritischen Organisation, in Kontakt zu kommen. Die Diskussion um die Globalisierung könnte in der Tat den Gewerkschaften und allen voran dem Verband eine neue Zielgruppe erschließen.

          Keine Revolutionen

          Doch Revolutionen sind im DGB nicht zu erwarten. Mehrfach schon zeigte sich Sommer von einer eher rückwärtsgewandten Seite. So setzte er sich lange Zeit massiv für den Erhalt des Postmonopols ein und verteidigte den Grabpflegezuschuss für Mitglieder der Postgewerkschaft bei den Gründungsverhandlungen zu Verdi.

          Gemeinsamkeit macht stark

          Der studierte Politologe Sommer gilt jedoch allgemein als Pragmatiker. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) begleitet er zunächst den Umbau des Staatsbetriebes in ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Später war er an der Zusammenführung von ÖTV, DAG, HBV, DPG und IG Medien zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beteiligt. Sein Beitrag an diesem Großprojekt war eine Tat der Überzeugung: „Ich glaube nicht, dass die Position der Gewerkschaften stärker wird, wenn jeder für sich einzeln Politik betreibt“, erklärte der geborene Niederrheiner, der in Berlin aufwuchs.

          Zwischen den Mühlsteinen IG Metall und Verdi

          Der Ausgleich der zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen der verbliebenen acht von ursprünglich 16 Einzelgewerkschaften unter dem Dach des DGB wird die Hauptaufgabe Sommers sein. Die Schwierigkeiten dieses Unterfangens liegen auf der Hand. An den beiden größten Mitgliedsgewerkschaften, IG Metall und Verdi, die zusammen rund 70 Prozent der Deligierten im DGB stellen, geht nichts vorbei. Sind sich „Dienstleister“ und „Metaller“ einig, fällt dem DGB allenfalls noch die Rolle eines Sprachrohrs zu, sind sie nicht auf eine Linie zu bringen, ist die Dachorganisation gelähmt. Sommer muss darauf achten, zwischen IG Metall und Verdi nicht aufgerieben zu werden.

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