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24-Stunden-Angebot : Wurst aus dem Schließfach

  • -Aktualisiert am

Das etwas andere Schließfach: Fleisch und Wurst statt Taschen oder Rucksäcke Bild: dpa

Die Konkurrenz mit Supermärkten macht Metzger kreativ. In einem Dorf in Rheinland-Pfalz versorgt ein Betrieb seine Kunden nun rund um die Uhr mit Fleisch und Wurst. Das Prinzip ist simpel.

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          Fleisch und Wurst rund um die Uhr einkaufen: Bei einem Metzger im rheinland-pfälzischen Temmels ist das seit Frühjahr diesen Jahres möglich. Metzgermeister Peter Klassen hat in dem Dorf, das in der Nähe der luxemburgischen Grenze liegt, eine große Schließfachanlage mit 40 gekühlten Boxen vor seinem Ladengeschäft aufgestellt. Die Packstation für Lebensmittel ist seine Antwort auf einen Discounter, der in direkter Nähe eröffnet hat. „Das ist eine Zusatzleistung, ohne länger offen haben zu müssen“, sagt der Mitfünfziger.

          Das Prinzip ist simpel. Nachdem der Kunde seine Bestellung durchgegeben hat, legt Klassen die Ware in eins der knallroten Kühlfächer. Und der Kunde holt sie ab, wenn es ihm zeitlich passt. „Wenn er von der Arbeit aus Luxemburg zurückkommt oder am Sonntag.“ Vorbestellte kalte Platten werden oftmals an Feiertagen geholt. Bezahlt wird die Ware bei Abholung einfach mit Karte. Es laufe gut. Der Metzgermeister geht davon aus, dass sich die im März gestartete rund 80.000 Euro teure Gesamtinvestition innerhalb eines Jahres bezahlt macht. Seit den siebziger Jahren wird in den deutschen Supermärkten auch Fleisch und Wurst verkauft. Seit damals müssen die Fleischer mit der zunehmenden Konkurrenz leben. Eine Reaktion war damals darauf, dass die Metzger mit dem Bereich Partyservice angefangen haben, wie Gero Jentzsch, der Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands berichtet.

          Nach Angaben des Verbands gehen jeden Tag fast 7 Millionen Kunden in ein Fleischerfachgeschäft. Traditionell gibt es im Norden der Republik weniger Fachgeschäfte als im Süden der Republik. Der Jahresumsatz beträgt je Betrieb im Schnitt 1,2 Millionen Euro. Der Umsatz der deutschen Metzger ist seit Jahren stabil, mit leichter Steigerungstendenz. Trotz aller Aufmerksamkeit für Vegetarier und Veganer nimmt der Fleischverzehr nur minimal ab: er liegt aktuell bei gut 60 Kilogramm je Einwohner. Die Branche verbuchte 2015 ein leichtes Umsatzplus. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Im Jahr 2014 betrugen die Erlöse 16,3 Milliarden Euro.

          Metzger gehen mit der Zeit

          Die Metzger gehen mit der Zeit. Digitalisierung und Automatisierung halten schon länger auch in diesem Handwerkszweig Einzug. Edle Rindersteaks über den eigenen Online-Shop zu verkaufen ist so ein Trend, wie Jentzsch erläutert. Die im April diesen Jahren Jahres gegründete BBQ & More GmbH mit Sitz im oberschwäbischen Bad Wurzach geht einen ähnlichen Weg. Die Brüder Matthias und Andreas Ostrowski machten die Ausbildung im elterlichen Betrieb und waren nach der Meisterprüfung mehrere Jahre in der Lebensmittelindustrie tätig. „Zuerst haben wir gedacht, Handwerk hat keine Zukunft mehr“, erzählt Matthias Ostrowski. Doch später änderten sie ihre Meinung. Fleisch sei heute ein Massenartikel. Da beide wieder Spaß an Lebensmittel haben wollten, übernahmen sie doch den Familienbetrieb – aber mit einem anderen Unternehmenskonzept, das neben dem traditionellen Ladengeschäft vor allem auf den Vertrieb im Internet setzt. Das Unternehmen ist auf den Verkauf von Premiumfleisch, selbstgemachten Dips sowie Handelsartikeln rund um das Grillen spezialisiert.

          Bei der Finanzierung wurde die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg eingeschaltet, weil es galt, zunächst Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn: Sie seien keine klassische Metzgerei mehr. „Die Gewinne bei Nahrungsmittel und Pflanzen erzeugenden Betrieben liegen leider weniger in der Herstellung als im Vertrieb durch den Handel. Um auch künftig erfolgreich zu sein, investieren diese Betriebe zunehmend in Effizienz“, so Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Ihre Produktion haben die beiden Schwaben auch reduziert. Ihr Ladengeschäft wollen die beiden Brüder nicht aufgeben. In ländlichen Gebieten oder auch in Klein- und Mittelstädten haben die Metzgereien eher nicht so zu kämpfen wie in Innenstädten großer Kommunen.

          „Speerspitze der Einkaufsreduzierer“

          Doch nicht nur in den Fußgängerzonen wird seltener eingekauft. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK ) beobachtet schon seit einigen Jahren auch einen Rückgang der Zahl der Besuche bei Supermärkten und Fachgeschäften, zu denen auch die Metzgereien zählen. Schuld an den seltener gewordenen Stippvisiten ist aber nach Einschätzung des GfK-Handelsexperten Wolfgang Adlwarth nicht in erster Linie die Konkurrenz aus dem Internet. Denn anders als im Textilhandel spielt die Online-Konkurrenz bei Artikeln des täglichen Bedarfs noch keine große Rolle. Der Branchenkenner macht für die Entwicklung eher die Zeitknappheit der im Berufsleben stehenden Konsumenten verantwortlich. Das führe zum Beispiel dazu, dass sich die gestressten Konsumenten den Gang zum Fachgeschäft ersparen und Brot oder Fleisch gleich im Supermarkt mitnehmen.

          Die „Speerspitze der Einkaufsreduzierer“ sind der GfK zufolge die Verbraucher unter 40 Jahren. Denn diese Gruppe sei von den wachsenden Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen im Berufsleben besonders betroffen. Dieser Trend geht auch an den Fleischerfachgeschäften nicht spurlos vorüber. Ihre Zahl geht seit Jahren zurück. Ende 2015 gab es noch 21999 stationäre Verkaufsstellen. Diese setzten sich den Angaben zufolge aus 13158 eigenständigen Meisterbetrieben und 8941 weiteren Verkaufsstellen zusammen, die als Filialen betrieben werden. Hinzu kommen noch rund 5000 mobile Verkaufsstellen, die beispielsweise Wochenmärkte anfahren.

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