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Metro wird Real los : Ausverkauft

  • -Aktualisiert am

Die Real-Supermärkte wechseln den Besitzer. Bild: dpa

Von der einstigen Größe der Metro ist nicht mehr viel geblieben. Der Expansionshunger ist gestillt, aber Erfolge sind daraus nicht erwachsen. Ein Lichtblick ist der Investor, der nun Geld locker macht, um den Konzern aufzurichten.

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          Es war einmal ein Handelskonzern mit gewaltigen Ambitionen. Entsprungen in den neunziger Jahren aus einem Zusammenschluss traditionsreicher deutscher Handelsketten, setzten die Manager der Metro in der Folge bedingungslos auf die Internationalisierung ihrer Marken und steckten schon früh ihren Claim auf dem Wachstumsmarkt China ab.

          Doch von der einstigen Größe ist kaum etwas geblieben. Der nun nach langem Hin und Her besiegelte Verkauf der Supermarktkette Real markiert vielmehr das Ende früherer Großmannssucht und – wohlwollend formuliert – die Rückkehr zu den eignen Wurzeln: Metro hat sich zum Großhändler geschrumpft.

          Der Abstieg der Düsseldorfer ist ein Ausverkauf auf Raten. Die Baumarktkette Praktiker wurde schon 2005 an die Börse gebracht und ist nach der Insolvenz längst ein Stück traurige Unternehmenshistorie. Während damals die Elektronikketten Saturn und Mediamarkt noch als Erfolgsgaranten für den Expansionskurs galten, stachen die Probleme von Real-Märkten und der Kaufhof-Kette schon damals ins Auge.

          Die Marktkapitalisierung hat sich seit 2012 halbiert

          Mittlerweile sind auch diese Marken allesamt Metro-Geschichte: 2017 wurde Mediasaturn als Ceconomy abgespalten, zwei Jahre zuvor hatte der kanadische Investor Hudson‘s Bay bei Kaufhof zugegriffen. Und nun Real. Begleitet wurde dieser Niedergang von Scharmützeln zwischen den langjährigen Ankeraktionären Haniel, Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck, die zu lange den Expansionshunger des Managements mitgetragen hatten, obwohl der Niedergang des Aktienkurses eine deutliche Warnung war.

          Beim Abstieg aus dem Dax 2012 hatte sich die Marktkapitalisierung auf 8 Milliarden Euro halbiert. Der Aktienkurs des heutigen Nachfolgeunternehmens (seit der Abspaltung von Ceconomy) im M-Dax ist mit rund 12 Euro ein Schatten früherer Zeiten. Nach Thyssen-Krupp dient Metro damit als weiteres Beispiel aus Nordrhein-Westfalen dafür, dass ein klangvoller Name und eine ruhmreiche Geschichte kein Garant für eine erfolgreiche Zukunft sind – im Zeitalter der Digitalisierung weniger denn je.

          Nach der langen Schrumpfkur muss der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch nun versuchen, neue Wachstums- und Ertragschancen der auf den Großhandel konzentrierten Rumpf-Metro zu ergreifen. Leicht wird das nicht. Für die rund 34.000 Mitarbeiter der Real-Märkte ist die quälende Zeit mit dem Verkauf an den Finanzinvestor SCP noch nicht vorbei.

          Im Gegenteil, nun wird die Kette filetiert und in kundengerechte Pakete verpackt. Andere Märkte werden auch einfach dichtgemacht. Immerhin: Der Investor hat im Zuge des Verkaufsprozesses auch – längst überfällige – Investitionen für die zu erhaltenden Standorte in Aussicht gestellt. Nach Jahren des Missmanagements unter dem Metro-Dach wäre das immerhin ein Lichtblick.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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