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Metallindustrie : Tarifparteien offen für niedrigere Einstiegslöhne

Metallverarbeitung Bild: ddp

Das ist selten: IG Metall und VDMA können sich geringere Einstiegstarife vorstellen. Die Gewerkschafter wollen, dass es dafür weniger Werkverträge gibt. Ohne Werkverträge geht’s nicht, sagen die Arbeitgeber.

          2 Min.

          Im Zuge der Auseinandersetzung über umstrittene Werkverträge in deutschen Unternehmen diskutieren Vertreter der Industrie und der Gewerkschaft IG Metall offen über die Einführung niedrigerer Tariflöhne für industrielle Dienstleistungstätigkeiten. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sprach sich dafür aus, den wirtschaftlichen Anreiz für eine Auslagerung einfacher Tätigkeiten an Fremdfirmen auch durch eine Anpassung der Tarifverträge zu verringern.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Gewerkschaft IG Metall kündigte an, sie wolle sich einer Diskussion darüber zumindest nicht verschließen. Sie strebt allerdings ein Paket mit einer Vielzahl an Neuregelungen und einer Ausweitung der Arbeitnehmer-Mitbestimmung an.

          VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse sagte der F.A.Z., insbesondere für einfache Tätigkeiten sei „der derzeitige Einstiegstarif in der Metall- und Elektroindustrie von rund 15 Euro Stundenlohn mehr als üppig“. Daher sei es „naheliegend, unterhalb des aktuellen Tarifgefüges nach vernünftigen und bezahlbaren Lösungen für den industrienahen Dienstleistungsbereich zu suchen“, sagte Hesse. „Hier muss sich die IG Metall öffnen.“ Tatsächlich liegen die Einstiegslöhne des Metall-Tarifs je nach Region um bis zu 80 Prozent über der Marke von 8,50 Euro, die für Befürworter eines gesetzlichen Mindestlohns eine zentrale Messlatte ist.

          Wetzel: Wir sind zu Gesprächen bereit

          Die Gewerkschaft führt seit Monaten eine Kampagne gegen den Missbrauch von Werkverträgen. Sie geht davon aus, dass tarifgebundene Firmen immer häufiger nur deshalb Leistungen von Drittanbietern einkaufen, um die für ihre Stammbelegschaft geltenden Tarifbedingungen zu unterlaufen. Zwar strebt die IG Metall vor allem strengere Spielregeln für diejenigen Unternehmen an, die Tätigkeiten mittels Werkvertrag ausgliedern wollen. Ihr Zweiter Vorsitzender, Detlef Wetzel, sicherte gegenüber der F.A.Z. jedoch zu, dass seine Gewerkschaft bereit sei, mit den Arbeitgebern über die Einstiegslöhne des Metall-Tarifs zu reden.

          „Wir verweigern uns keiner Diskussion“, sagte er. Allerdings werde dann „nicht nur über das Tarifniveau zu reden sein“. Notwendig sei ein „stimmiges Tarifkonzept für eine zukunftsfähige Metall- und Elektroindustrie in Deutschland“. Dazu zählten wirksame Regeln gegen ein Umgehen von Tarifverträgen.

          Wetzel, der im November die Nachfolge von Berthold Huber an der Spitze der IG Metall antreten soll, verwies auf eine in der Tarifrunde 2012 vereinbarte Verhandlungsverpflichtung zwischen der Gewerkschaft und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Sie sieht vor, dass die Tarifparteien „die Sicherung einfacher und die Förderung qualifizierter Tätigkeiten in Deutschland“ anstreben. Derzeit laufen in beiden Lagern die jeweiligen internen Vorbereitungen auf die geplanten Gespräche.

          VDMA: Ohne Werkverträge geht's nicht

          Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie hatten die IG Metall schon im Jahr 2006 aufgefordert, den Metall-Tarif um ein sogenanntes „Dienstleistungsfenster“ mit einem geringeren Lohnniveau für von Auslagerung betroffene Tätigkeiten einzuführen. Die Gewerkschaft lehnte dies damals ab - was Wetzel heute als Fehler wertet. „Aus heutiger Sicht wäre die IG Metall sicher gut damit gefahren, diesen Weg einzuschlagen“, sagte er.

          In jedem Fall will die Gewerkschaft nun neue gesetzliche Mitspracherechte für Betriebsräte bei Entscheidungen über Werkverträge einführen. Der VDMA wandte sich indes entschieden dagegen, das Instrument des Werkvertrags einzuschränken. „Kein Maschinenbauunternehmen könnte heute noch im internationalen Wettbewerb bestehen, wenn es alle anfallenden Arbeiten entlang der Wertschöpfungskette selbst durchführen müsste“, warnte Hesse.

          Ohnehin kauften Maschinenbauer in erster Linie solche Fähigkeiten über Werkverträge ein, die einfach nicht zur eigenen Kernkompetenz zählten. Werkverträge seien vor allem Ausdruck von Spezialisierung und Arbeitsteilung und seien damit ein maßgeblicher Faktor für wirtschaftliche Dynamik und Produktivität.

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