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Metall- und Elektroindustrie : Friedenssignale im Tarifkampf

Ein IG-Metaller demonstriert im Autokorso in Mainz. Bild: dpa

In die stockenden Verhandlungen für Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie kommt Bewegung. Statt einer Nullrunde bieten die Arbeitgeber nun eine „substantielle Einmalzahlung“. Reicht das für eine Einigung?

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          Die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie mit 3,8 Millionen Beschäftigten ist bisher zäh verlaufen. Trotz Corona-Krise ruft die IG Metall seit gut zwei Wochen in vielen Unternehmen zu Warnstreiks auf. Nun aber kommt Bewegung in den Konflikt: Die Arbeitgeber rücken von ihrer umstrittenen Forderung nach einer weiteren Nullrunde für die Metaller ab. Mit einem neuen Lösungsvorschlag wollen sie im großen Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen den Weg zu einer Einigung noch vor Ostern ebnen. Ihr Vorschlag sieht differenzierbare Einkommenszuwächse für 2021 vor sowie eine allgemeine Tariferhöhung im Jahr 2022.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Wir werden der IG Metall in der kommenden Woche vorschlagen, für dieses Jahr eine substantielle Einmalzahlung an die Beschäftigten tarifvertraglich zu vereinbaren“, kündigte der nordrhein-westfälische Metallarbeitgeber-Präsident Arndt Kirchhoff im Gespräch mit der F.A.Z. an. Allerdings müsse es „verlässliche Ausnahmeregeln“ für Betriebe geben, die in ernsten Schwierigkeiten stecken. Er gehe davon aus, dass dies derzeit unmittelbar etwa 25 bis 30 Prozent der Betriebe betreffe. „Auch sie müssen durch die Corona-Krise kommen und wieder festen Boden erreichen, bevor sie mit höheren Kosten belastet werden“, sagte der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Metall NRW. Kirchhoff ist auch Mitinhaber des gleichnamigen, familiengeführten Autozulieferers mit Sitz in Iserlohn.

          Mit ihrer Ankündigung gehen die Arbeitgeber vor der für kommenden Donnerstag geplanten neuen Verhandlungsrunde in Nordrhein-Westfalen einen wichtigen Schritt auf die Gewerkschaft zu. Denn bisher hatten sie die Position vertreten, dass ein Tarifabschluss den Unternehmen in diesem Jahr angesichts der historischen Krise gar keine Mehrkosten aufbürden dürfe. Die IG Metall hatte hingegen eine Nullrunde für das Jahr 2021 ausgeschlossen. Daher war die Tarifrunde, in der es auch um Beschäftigungssicherung und Transformation geht, in diesem zentralen Punkt faktisch blockiert.

          In einer ersten Einschätzung reagierte die Gewerkschaft zumindest vorsichtig aufgeschlossen auf den neuen Vorstoß der Arbeitgeber. „Es ist gut, dass unsere Warnstreiks für Bewegung sorgen“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, dazu. Angebote gehörten allerdings auf den Verhandlungstisch: „Dort werden wir am nächsten Donnerstag bewerten, ob sich der nach Herrn Kirchhoff substantielle Vorschlag der Arbeitgeber mit dem deckt, was wir unter substantiell verstehen“, sagte Giesler. Bis dahin würden die Metaller ihre Warnstreiks fortsetzen.

          Rückkehr zur Normalität

          Genaue Angaben zur Höhe des geplanten Lohnangebots machte Kirchhoff noch nicht. Allerdings werde es bei der Einmalzahlung „sicherlich um mehr als 100 Euro gehen“, sagte er. „Außerdem sind wir bereit, für das Jahr 2022 eine reguläre Tariferhöhung zu vereinbaren.“ Auch die Arbeitgeber setzten auf eine Rückkehr zur wirtschaftlichen und tarifpolitischen Normalität im kommenden Jahr – was dann eine prozentuale Erhöhung der tariflichen Monatslöhne für alle Beschäftigten ermögliche. Ausschlaggebend für deren genaue Höhe werde am Ende vor allem die Gesamtlaufzeit des Tarifabschlusses sein, um den man sich mit der IG Metall bemühe. Zugleich gab er sich zuversichtlich, dass den Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen auch eine Verständigung auf ein Paket mit neuen Möglichkeiten zur Beschäftigungssicherung gelingen könne.

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