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Messen : Cebit 2002: Die Branche hoffte vergebens

  • -Aktualisiert am

Weniger Besucher auf der Cebit Bild: AP

Die Bilanz der diesjährigen Cebit fällt ernüchternd aus: weniger Aussteller und Besucher; von einem „Aufbruch“ kann keine Rede sein. Ein Messe-Fazit.

          Nicht nur das Wetter war während der Cebit-Tage trüb. „Es hat sicherlich viele positive Signale für einen kommenden Aufschwung gegeben. Allerdings ist dieser erst im Herbst zu erwarten“, resümiert Ernst Raue, Vorstand der Deutsche Messe AG. Große Abschlüsse seien nicht direkt getätigt worden. Eine Tatsache, die die Messeleitung bei der Bekanntgabe der Cebit-Bilanz in Erklärungsnöte brachte.

          Neben einem Ausstellerrückgang musste die Messeleitung auch einen herben Einbruch der Besucherzahlen hinnehmen. Mit rund 700.000 Besuchern kamen 150.000 Besucher weniger auf das Hannoveraner Messegelände als noch im Vorjahr. Natürlich versucht die Messeleitung, diese ernüchternde Bilanz schön zu färben: Sie lobte insbesondere den um 1,3 Prozent gestiegenen Anteil der Fachbesucher aus dem Ausland. Neben Amerika habe sich mittlerweile besonders Asien als wichtiger Cebit-Partner etablieren können. Auch wenn die 527 taiwanesischen Aussteller ihre Verträge wohl großteils untereinander aushandelten - die meisten wollen sich auch im kommenden Jahr wieder den weiten Weg nach Europa machen.

          Die Konjunktur ist Schuld

          Ein Sündenbock für die gesunkenen Besucherzahlen war schnell gefunden: Das kostenbewusste Verhalten der Unternehmen und die konjunkturell allgemein schlechte Lage. Anstatt wie früher aus jeder Etage fröhliche Mitarbeiter-Grüppchen auf die Cebit zu schicken, seien in diesem Jahr ausschließlich die „richtigen“ Entscheider aus der Management-Ebene nach Hannover gereist, urteilt Willy Berchtold, Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom. Dennoch: Die Cebit wird die Konjunktur wohl nicht im erhofften Umfang ankurbeln.

          Science Fiction anstatt fertiger Produkte

          Die Schwerpunktthemen der diesjährigen Cebit trafen allgemein auf großes Interesse. Ob i-Mode, UMTS oder der Start des neuen Multimedia Messaging Services - die neuen Handydienste und Endgeräte standen genauso im Mittelpunkt des Interesses wie neue Handheldlösungen. Seit dieser Cebit heißen die vielen neuen Kombinationen aus Telefon und Organizer nun „Handset“.

          Ebenfalls gut besucht waren die Veranstaltungen zum Thema IT-Sicherheit: Dort drehte sich in diesem Jahr mal wieder alles um die Digitale Signatur sowie neue biometrische Verfahren, die eine eindeutige Authentifizierung des Nutzers in der virtuellen und realen Welt ermöglichen sollen. Hier gab es zwar viele innovative Konzepte, aber fertige Produkte, die man hier und heute kaufen und einsetzen kann, waren Mangelware.

          Prominenz als Geheimwaffe

          Musik in den Ohren der Messeleitung waren insbesondere die Reaktionen auf den „Future-Parc“ in Halle 11. Dort sei man mehr als zufrieden gewesen mit dem Messeverlauf. Was vielleicht daran lag, dass Prominente wie der britische Prinz Andrew, Bundeskanzler Gerhard Schröder oder -Anwärter Edmund Stoiber als Publikumsmagneten fungierten.

          An den ersten Messetagen hoffte man noch, dass sich die ausbleibenden Besucher einfach nur auf die nun acht anstatt sieben Tage der Cebit verteilen würden - doch das ist nicht passiert. Kein Grund jedoch für die Messeleitung, wieder über eine Verkürzung des „Centrums für Büro- und Informationstechnik“ nachzudenken. Denn spätestens ab Herbst ginge es ja wieder aufwärts. Und falls doch nicht: Zumindest der Besucher freut sich, wenn es in den Gängen zwischen den Ständen nicht zu gedrängt zugeht.

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