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Messe-Rundgang : Asimo und Schneewittchen

Wenn sich nackte Haut um Blech räkelt... Bild: AP

In diesem Jahr ist die IAA etwas leiser. Keine Hupfdohlen, keine schrillen Shows. Stattdessen Konzentration aufs Wesentliche: die neuen Modelle, deren Auftritt damit umso glanzvoller wird. Ein Rundgang über die Messe.

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          Die IAA ist eine Automesse. Wer ob dieser vermeintlich öden Nachricht müde lächelt, steht nicht bei Honda. Denn dort beherrscht Asimo die Bühne. Er winkt, läuft die Treppe hinunter, schüttelt Hände, genießt das Rampenlicht. Das tun alle Vorstandsmitglieder, mag man einwenden. Doch so weit ist Asimo noch nicht. Asimo ist ein Roboter, erstaunlich beweglich, erschreckend menschlich. Er ist der Star am Stand, die geballte technische Kompetenz des japanischen Herstellers.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der verblüffte Zuschauer wäre nicht einmal verwundert, wenn Asimo am Ende seines Auftritts in das riesige Powerboat einstiege und davonbrauste. Doch das Boot hängt fest verankert an der Wand, Asimo verschwindet in den Katakomben, der Besucher dreht sich um und erwacht. Willkommen in der Realität. Nüchterner als Karmann kann man das Thema Auto kaum präsentieren. Der professionelle Aufschneider aus Osnabrück übt Understatement und läßt die ausgestellten Cabriolets von VW, Mercedes, Audi und Renault für sich sprechen. "Seht her, all diese Traumwagen machen wir."

          Gegenüber feiert Alfa-Romeo eine Premiere in Rot, mit ziemlich schönen Autos und - ziemlich hübschen Hostessen. Nur Lancia und Peugeot beweisen eine ähnlich geschmackvolle Auswahl. Die Autowelt ist ja angeblich eine Männerwelt, und so gehören zu jeder Messe sich um das Blech räkelnde Damen. Doch Frankfurt 2003 ist eine eher ruhige Ausstellung. Hupfdohlen und schrille Shows sind in diesem Jahr nicht angesagt. Die angespannte Lage der Branche schlägt sich nieder und fordert zur Konzentration aufs Wesentliche.

          Bild: IAA

          Supersportwagen für Superreiche

          Größere Menschenansammlungen sind also untrügliches Zeichen für automobile Sensationen. Trauben bilden sich um den Aston Martin DB 9, den Einstieg der Engländer ins Billigsegment. 150000 Euro muß man für den traumhaft gezeichneten Sportwagen hinlegen, was angesichts der sonst bei Aston Martin üblichen Preise geradezu ein Sonderangebot ist. Porsche soll sich vor dem DB 9 fürchten, doch die haben auf der IAA anderes im Sinn. 612 PS, 330 Stundenkilometer, unglaublich schön und teuer - in einem Wort: GT (Grand Tourisme). Das Segment der Supersportwagen für Superreiche gehört freilich nicht Porsche allein. Ferrari hat traditionell eine Lizenz zum Träumen, jetzt mischt auch Mercedes-Benz mit. Dem mit der Formel-1-Schmiede Mc Laren entwickelten SLR sollte Mercedes Beruhigungspillen ins Handschuhfach legen.

          Statt sich fortan der Drängelei auf der Rolltreppe des Daimler-Stands auszusetzen, empfiehlt sich der Besuch nebenan bei Audi. Der Le Mans ist ein vor Selbstbewußtsein strotzender Blick in die Zukunft. Märchenhaftes für den Alltag verspricht Smart. Schneewittchen und vier Zwerge sollen in den Forfour passen, und man darf wohl annehmen, daß der große Smart den VW Polos und Opel Corsas einheizen wird.

          Eine Klasse höher spielt sich das wichtigste Duell der IAA ab. Opel hat ein Kino mit sich bewegenden Sitzen hingestellt und bietet eine virtuelle Fahrt im neuen Astra. Hoffentlich ist das Auto besser als das Kino: "Da ist jede Kirmesbude in Gelsenkirchen Nord aufregender", sagt ein enttäuschter Besucher. VW verzichtet auf derlei Animation und beugt auch jeglichem Gedrängel vor. Neuneinhalb neue Golf stehen im Kreis. Die wahre Zukunft spielt sich aber im ersten Stock ab. Etwas versteckt auf der Empore dreht sich an einem schnittigen Zweisitzer das künftige Gesicht der Marke. Man glaubt es kaum. Adieu Tristesse. Applaus. Und: Vorhang auf zu neun Tagen Faszination Auto.

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