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Vorwurf von Friedrich Merz : Ist Olaf Scholz schuld an der hohen Inflation?

Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung in Lübeck Bild: dpa

Friedrich Merz sieht die Verantwortung für die gestiegene Inflation beim Bundesfinanzminister. Das sorgt für Debatten unter Ökonomen. Ist der Vorwurf völlig absurd?

          2 Min.

          Schon mehrfach hat der CDU-Politiker Friedrich Merz im Wahlkampf jetzt behauptet, die Inflation gehe dieses Jahr in Richtung 4 Prozent, im nächsten Jahr könnten es 5 Prozent sein. Jetzt hat er in einem Interview zudem geäußert: „Und diese Entwertung trägt einen Namen: Olaf Scholz.“ Das hat für Diskussionen unter Ökonomen auch auf dem Nachrichtendienst Twitter gesorgt. Die von Merz genannten Zahlen sind nicht durch die Prognosen der Bundesbank oder der Bundesregierung für die Jahresinflation 2020 und 2021 gedeckt. Interessanter aber noch ist die andere Frage: Ist Olaf Scholz schuld an der höheren Inflation?

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein erster Reflex könnte sein: Für die Preisstabilität ist in der Eurozone die Europäische Zentralbank verantwortlich – sollte die Inflation aus dem Ruder laufen, wäre sie dafür zuständig, nicht der Finanzminister. Zwar gibt es bei den zuletzt gestiegenen Inflationsraten einen Effekt, an dem der Finanzminister zumindest nicht ganz unbeteiligt war, wie der Ökonom Benjamin Born schreibt, auch wenn Scholz die entsprechenden Entscheidungen nicht allein getroffen hat, wie der Ökonom Sebastian Dullien hervorhebt: Durch die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer werden seit Juli Preise aus diesem Jahr mit höherer Steuer mit solchen aus dem vorigen Jahr mit dem niedrigeren Steuersatz verglichen. Das treibt die Inflation vorübergehend rein technisch – aber das dürfte Merz nicht gemeint haben. Wenn, wäre das also auch höchstens eine CDU-Scholz-Inflation.

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