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Ehrendoktorwürde für Merkel : „Verachtet mir den Kompromiss nicht!“

Die künftige EZB-Präsidentin Christine Lagarde hielt die Laudatio auf Kanzlerin Angela Merkel. Bild: AP

Angela Merkel hat ihren einzigen Auftritt in der Zeit des Wahlkampfs in Sachsen wahrgenommen. Es war allerdings kein Wahlkampfauftritt.

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          Es war Angela Merkels erster und einziger Auftritt in der Zeit des Wahlkampfs in Sachsen, aber es war kein Wahlkampfauftritt. Als die Bundeskanzlerin am Samstagvormittag vor der Oper in Leipzig vorfuhr, hatte die sächsische CDU ihren Wahlkampf bereits abgeschlossen. Etwa 1000 Menschen hatten zuvor am Freitagabend auf dem Nikolaikirchhof im Zentrum der CDU-Vorsitzenden Annegret-Kramp-Karrenbauer, dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zugehört, wie sie die Union auf die Zielgerade vor der Landtagswahl an diesem Sonntag schickten. Angela Merkel spielte dabei keine Rolle mehr, wie auch sie am Tag danach keine Bemerkung über die Wahl verlor.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der Anlass ihres Auftritts in Leipzig war ohnehin ein länger geplanter und völlig anderer: Die Handelshochschule Leipzig (HHL) verlieh anlässlich ihrer Graduiertenfeier der Bundeskanzlerin die Ehrendoktorwürde für ihre politische Führung. Die Führung Angela Merkels verkörpere in vielerlei Hinsicht die Grundwerte des an der Leipziger Hochschule entwickelten Führungsmodells, begründete Rektor Stephan Stubner die Entscheidung. „Eine Art der Führung, die einen klaren Sinn hat, verantwortlich, werteorientiert und stets an den Erfordernissen der Situation orientiert ist.“ Merkel habe einen neue Führungsstil definiert, der ein humanistisches Weltbild, pragmatisch-systemisches Denken und Handeln am Machbaren, die Orientierung am Gemeinwohl und einen glaubwürdig bescheiden-authentischen Auftritt vereine. Besonders stilprägend sei dabei ihre Selbstdisziplin, den eigenen Gestaltungsspielraum nicht für Selbstverwirklichungsgesten zu nutzen.

          Dass das keinesfalls nur ehrend gemeint, sondern sehr realitätsnah war, zeigte Merkel gleich zu Beginn ihrer Dankesrede. Sie werde sich jetzt nicht niedersetzen und ständig an die Ehre denken, sondern weiter arbeiten, sagte sie, nachdem sie der Hochschule für die Verleihung und für die „bewegenden Worte“ ihrer „lieben Freundin“ Christine Lagarde gedankt hatte. Für die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) war die Laudatio für die Bundeskanzlerin ihr erster Auftritt als designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank in Deutschland. Erst im Juli hatten sie die EU-Finanzminister als Nachfolgerin des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi nominiert, endgültig ernannt werden soll sie dann auf dem EU-Gipfel im Oktober. Wer jetzt allerdings auf ein wirtschaftspolitisches Konzept oder Leitlinien ihrer künftigen Arbeit gehofft hatte, wurde enttäuscht; Lagarde bezog sich in ihrer Rede ausschließlich auf die Würdigung Angela Merkels, die sie eine „der einflussreichsten und weithin anerkannten Führungspersönlichkeiten unserer Zeit“ sowie „eine Ausnahmepersönlichkeit“ nannte.

          „Verachtet mir den Kompromiss nicht!“

          Merkel sei in vielfacher Hinsicht eine „Erste“, sagte Lagarde: Sie ist die erste Bundeskanzlerin, die bisher jüngste Amtsinhaberin, die erste, die nach dem Krieg geboren wurde sowie die erste Naturwissenschaftlerin in dieser Position. Ihr Führungsstil sei „ausgewogen, methodisch und wohltemperiert“, ihre Arbeit durch Diplomatie, Sorgfalt, Entschlossenheit und Pflicht gekennzeichnet. Sie suche stets und vor allem auch auf der Weltbühne Kooperation statt Konfrontation, sei immer die am besten vorbereitete Person im Raum und könne Probleme so in Einzelteile zerlegen, dass Schritt-für-Schritt-Lösungen möglich würden – wenn nötig auch mit sehr langem Durchhaltevermögen. So gelinge es ihr etwa, Menschen für sich zu gewinnen, die ihren logischen Ansatz nicht teilten und die nicht Teil ihres Orchesters sein wollten. Besonders betonte Lagarde Merkels „unerschütterliche Entschlossenheit“ während der internationalen Finanzkrise für den Zusammenhalt der Länder gekämpft und neuen Institutionen wie dem Europäischen Stabilitätsmechanismus zur Verwirklichung verholfen zu haben.

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