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Für Corona-Impfstoff : Merck will Biontech schneller mit Rohstoffen beliefern

  • Aktualisiert am

Lipide sind auch Bestandteil ihrer Zellwand: Eine elektronenmikroskopische Aufnahme einer Mastzelle Bild: Heinz G. Beer

Es hängt alles an den Lipiden: Ohne sie kann der Corona-Impfstoff nicht produziert werden. Nun möchte Merck mehr von ihnen produzieren. Bis es so weit ist, dauert es aber noch.

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          Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck und der Corona-Impfstoffhersteller Biontech erweitern ihre Zusammenarbeit. Merck will die Lieferung der von Biontech dringend benötigten Lipide erheblich beschleunigen und die Liefermengen bis Jahresende steigern, wie das Dax-Unternehmen am Freitag in Darmstadt mitteilte. Vier verschiedene Lipide – darunter Cholesterin – kommen bei der Herstellung des Covid-19-Impfstoffes BNT162b2 zum Einsatz, den Biontech zusammen mit seinem amerikanischen Partner Pfizer unter dem Namen Comirnaty vertreibt. Dabei wird der Botenstoff des mRNA-Vakzins in eine Art Hülle verpackt, die aus Lipiden besteht. Diese fettartigen Moleküle sind wichtig, damit die Wirkstoffe des mRNA-Vakzins freigesetzt werden und die Impfung ihre Wirkung entfalten kann. Biontech will die Produktion weiterhin steigern, weswegen zahlreiche Hersteller und Partner sich bemühen, der Nachfrage Herr zu werden. Das Liefervolumen von 2 Milliarden Dosen seitens Biontech/Pfizer bleibt aber vorerst bestehen.

          Merck und Biontech hatten bereits vor der Corona-Pandemie zusammengearbeitet und diese Partnerschaft zuletzt intensiviert. In den vergangenen Wochen habe Merck daran gearbeitet, die bereits sehr hohe Produktionskapazität von Lipiden auszubauen, hieß es in der Mitteilung weiter. Biontech und die Darmstädter erarbeiten den Angaben zufolge zurzeit die genauen Anforderungen. Das Mainzer Biotechunternehmen bezieht die Lipide aber auch vom kanadischen Hersteller Acuitas.

          Die Impfkampagne in Deutschland war zuletzt wegen Lieferschwierigkeiten der Hersteller ins Stocken geraten. Wie nach dem Impfgipfel jüngst verlautete, liegt dies unter anderem bei mRNA-Vakzinen an der Belieferung mit Lipiden: „Wenn man von einem der zentralen Stoffe, den sogenannten Lipiden, etwas mehr hätte“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Impfgipfel am Montag, „dann könnte man sogar mehr Dosen produzieren.“ Das sei für sie neu gewesen. Nur wenige Unternehmen in Deutschland könnten diese herstellen, hieß es aus der Branche.

          Auch in der Europäischen Union ist die Einsicht nun eingetreten, dass bei der Beschaffung nicht alles richtig gelaufen ist. So sagte Ursula von der Leyen in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, dass man die Impfstoffherstellung unterschätzt habe: „Wir hätten früher wissen müssen, dass es bei diesen neuen Verfahren zu Beginn eine Achterbahnfahrt geben wird, bevor man einen stabilen Prozess erreicht. Dafür kann man uns kritisieren.“

          Die EU habe sich sehr stark auf die Frage fokussiert, ob es ein Vakzin geben werde, also die Entwicklung. „Rückblickend hätten wir stärker parallel über die Herausforderungen der Massenproduktion nachdenken müssen.“ Zudem hätte man besser kommunizieren können. Auf die Kritik, die EU habe Impfstoffe zu zögerlich bestellt, erwiderte von der Leyen, die EU sei mehr ein Tanker, während ein Land ein Schnellboot sein könne.

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