https://www.faz.net/-gqe-rzxr

Merck : Keimzelle Engel-Apotheke

Verschiedene Substanzen aus der Gründerzeit von Merck Bild: AP

Auf eine stolze 338jährige Vergangenheit können neben Merck nur wenige Firmen zurückblicken. Noch heute ist das Darmstädter Unternehmen mehrheitlich in Familienbesitz.

          2 Min.

          Der Besuchereingang des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck könnte futuristischer nicht sein. Wer auf das Firmengelände will, muß erst durch eine blaue, komplett verglaste Pyramide. Dort findet sich nicht die Grabkammer des Gründers Friedrich Jacob Merck, sondern eine luxuriös designte Empfangslobby. Nachts leuchtet das Gebäude, als sei es nicht von dieser Welt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die blaue High-Tech-Pyramide harmoniert auf den ersten Blick kaum mit dem übrigen Firmengelände aus der Jugendstilzeit. Der moderne Eingang soll jedoch architektonisch andeuten, daß bei Merck Neuzeit und Geschichte untrennbar verbunden sind.

          Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück

          Die Firma mit weltweit 29.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 5,9 Milliarden Euro (2005) gilt als ältestes pharmazeutisch-chemisches Unternehmen der Welt - und ist mächtig stolz darauf. Die Darmstädter verfügen über ein Firmenarchiv, das seinesgleichen sucht. Die 1905 eingerichtete Sammlung umfaßt heute rund 1,2 Kilometer Akten, 50.000 Fotos und eine umfangreiche Bibliothek.

          Neuzeit und Geschichte vereinen sich bei Merck

          Bei Merck spricht man gerne von der 338jährigen Vergangenheit der Firma. Tatsächlich reichen die Wurzeln bis in das 17. Jahrhundert zurück. 1668 kaufte der aus Schweinfurt stammende Apotheker Friedrich Jacob Merck die spätere Engel-Apotheke in Darmstadt. Dieses Geschäft existiert noch heute und befindet sich nach wie vor in Familienhand.

          Merck wuchs rasch

          Das Fundament zum Industriekonzern Merck legte ein anderer, rund eineinhalb Jahrhunderte später. Heinrich Emanuel Merck (1794 - 1855) übernahm die Engel-Apotheke 1816. Sein Erfolgsgeheimnis: Ihm gelang es, im Labor Alkaloide zu isolieren - eine Klasse von Pflanzeninhaltsstoffen, denen die Wissenschaft wegen ihrer medizinischen Wirkung besondere Aufmerksamkeit widmete. Auch Koffein, Kokain, Morphin und Nikotin gehören dazu. Merck bot die Alkaloide Apothekerkollegen, Chemikern und Ärzten an. Aus dieser Produktion entwickelte sich eine pharmazeutisch-chemische Fabrik.

          Das Unternehmen wuchs rasch. 1860 stellte Merck mehr als 800 Artikel her, um die Jahrhundertwende waren es schon 10.000. Man expandierte ins Ausland, gründete größere Niederlassungen in London, New York und Moskau.

          Merck & Co. gehört nicht mehr zum Konzern

          Aus dieser Zeit rührt eine Entwicklung, die noch heute für Verwirrung sorgt. In Amerika existiert die im Dow-Jones-Index vertretene Firma Merck & Co - und in Darmstadt wird man nicht müde zu versichern, daß dieses Unternehmen nichts mit der deutschen Gruppe zu tun habe.

          "Nichts mehr" wäre korrekter. Denn Merck & Co hieß einst die von Heinrichs Enkel Georg 1889 gegründete amerikanische Niederlassung. Diese Tochterfirma wurde 1917 - der Erste Weltkrieg tobte noch - enteignet. Seitdem ist sie unabhängig und hat die Darmstädter in der Größe (Umsatz 2005: 22Milliarden Dollar) um Längen überrundet.

          Merck ist nur im M-Dax

          Die deutsche Merck dagegen ist nicht einmal im Dax vertreten (sondern nur Mitglied im Mittelwerteindex M-Dax). Das hat auch mit der geringen Quote "freier" Aktionäre zu tun. Bislang besitzen mehr als 100 Familieneigner knapp drei Viertel des Unternehmens, das sich überhaupt erst 1995 der Börse öffnete. Mit der Schering-Übernahme dürfte der Anteil der Familien weiter sinken, aber voraussichtlich noch immer bei 60 Prozent liegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der indischen Stadt Ahmedabad nimmt ein Arzt einen Abstrich von einem möglicherweise erkrankten Patienten.

          Indien : Die Apotheke der Welt öffnet ihre Tür

          Nach den Drohungen des amerikanischen Präsidenten exportiert Indien nun doch wichtige Corona-Medikamente an bedürftige Länder. Die Tür zur Apotheke der Welt ist aber nur einen Spalt breit geöffnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.