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Mercedes : Ein Pick-up auch für Premium-Ansprüche

Einsatzgebiet der neuen X-Klasse: weltweit, immer den Berg rauf Bild: Hersteller

Mercedes geht auf die Pirsch nach neuen Kunden in einem neuen Segment. In Südafrika stellt das Unternehmen einen Pick-up vor. Derweil muss die neue S-Klasse mit inneren Werten überzeugen.

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          War da was? Dieselskandal? Fahrverbote? Das Ende des Verbrennungsmotors? Die öffentliche Diskussion hierzulande ist weit entfernt von der aktuellen Realität vieler Autobauer. Mercedes meldet einen Absatzrekord nach dem anderen und stellt den Motorjournalisten rund um den Globus neue Automodelle vor. Weltpremiere hatte am Dienstag in Südafrika die X-Klasse, mit der das Konzept des Pick-ups in die Welt der Premium-Fahrzeuge katapultiert werden soll. Und in der Schweiz und in Süddeutschland durften die ersten S-Klasse-Autos getestet werden, die in den nächsten Wochen runderneuert auf den Markt kommen.

          Der Pick-up schafft es auch über so manche Bordsteinkante.
          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Äußerlich ist die neue S-Klasse kaum von der alten zu unterscheiden. Einzig die drei Lichtbänder aus LED-Leuchten, im Mercedes-Jargon „Fackeln“ genannt, machen die S-Klasse als neues Modell erkennbar, und auch noch ein paar Glitzerteilchen in den Rückleuchten. In der zaghaften optischen Veränderung zeigt sich ein Dilemma jedes Modellwechsels: die bisherige S-Klasse soll keineswegs als „alt“ identifiziert werden können, das würde auf die Restwerte drücken und damit auf die Laune der S-Klasse-Kunden, die für Daimler wichtig sind. Immerhin sind seit der Markteinführung der aktuellen Generation mehr als 300 000 dieser margenträchtigen Autos verkauft worden. Im vergangenen Jahr war die S-Klasse die meistverkaufte Luxuslimousine der Welt. Mit diesen Absatzzahlen hat Mercedes die Konkurrenz von BMW und Audi weit hinter sich gelassen. Der neue Audi A8 könnte zwar den Abstand verringern, schließlich wird das Auto für den aktuell fortschrittlichsten Einsatz künstlicher Intelligenz gefeiert: es kann bis zu Tempo 60 weitgehend autonom fahren, wo es gesetzlich erlaubt ist. Doch bei Daimler ist man selbstbewusst. Auch die neue S-Klasse nimmt dem Fahrer immer mehr ab, passt die Geschwindigkeit in Kurven oder vor Kreuzungen an, hält im Stau den Abstand und kann auch lenken. Das autonome Fahren übt die S-Klasse derweil im Werk Sindelfingen, wo die Luxuslimousine montiert wird. Zum Start der Produktion fuhr ein Auto ganz ohne Fahrer am Lenkrad in der Endmontage vom Band und steuerte anschließend den Verladeparkplatz an, der rund 1,5 Kilometer entfernt liegt. Ein Pilotversuch soll zeigen, ob dieser Arbeitsschritt künftig von den Autos tatsächlich serienmäßig allein bewältigt werden kann und welche Vorteile das bringt.

          Für die Käufer von Mercedes zählen ohnehin auch noch ganz andere Werte, ist man sich in Stuttgart sicher. Gerade in China, wo zuletzt jede dritte S-Klasse verkauft wurde, schätzt man erkennbaren Luxus im Innenraum. Aus 64 Farben kann die Beleuchtung gewählt werden, je nach Stimmung. Das Auto selbst kann dann passend dazu die Beschallung und sogar den Duft anpassen.

          Der Markt für Pick-ups wird stark wachsen

          Eine ganz andere Klientel hat Mercedes mit der X-Klasse im Blick, einem ganz neuen mittelgroßen Pick-up. In den nächsten zehn Jahren werde der Markt für solche Pick-ups um 43 Prozent auf 3,2 Millionen Fahrzeuge wachsen. Privatleute, die entsprechende Ansprüche an den Komfort haben, werden das Wachstum treiben, lautet die Prognose von Daimler. „Mit der X-Klasse werden wir dieses Segment für neue Kundengruppen öffnen, so wie wir vor über 20 Jahren mit der M-Klasse das Offroad-Segment neu definiert haben“, so die Einschätzung von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Kein anderer Pick-up habe bisher Pkw-Qualitäten, bekräftigt Volker Mornhinweg, Leiter der Mercedes-Transporter-Sparte, deren Strategie es ausdrücklich ist, in neuen Segmenten zu wachsen. Gefertigt wird die Baureihe, in deren Entwicklung Daimler einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ investiert, in einer Produktionsgemeinschaft mit Renault-Nissan. Für die Märkte in Europa, Südafrika und Australien wird die X-Klasse im Nissan-Werk Barcelona hergestellt. Im Jahr 2019 beginnt die Produktion in Argentinien, im Renault-Werk Córdoba, für Käufer in Lateinamerika.

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