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Zwischen Familie und Karriere : Steckengeblieben

Für Frauen in Führungspositionen ist der Spagat zwischen Familie und Beruf oft sehr schwierig. Bild: Thomas Koehler/photothek.net

Junge, gut ausgebildete Frauen sollen Kinder bekommen und in Top-Positionen aufsteigen. Doch immer mehr zweifeln daran, dass beides möglich ist.

          Die Anwältin wollte immer beides: Kinder und Karriere. Nach einem ausgezeichneten Examen und einer Doktorarbeit fängt sie bei einer Großkanzlei in Berlin an zu arbeiten, und ihr wird bald signalisiert, dass sie gute Chancen hat, dort auch Partnerin zu werden. Drei Monate nach der Geburt des ersten Kindes sitzt sie wieder am Schreibtisch, nicht selten bis spät in die Nacht, häufig am Wochenende. Ihr Arbeitgeber unterstützt sie, übernimmt einen Großteil der Kosten für die teure private Kita mit den extralangen Öffnungszeiten, finanziert auch die Suche nach einem Kindermädchen. Doch nach der Geburt des zweiten Kindes siegen ihre Zweifel: „Ist die Karriere es wert, dass ich meine Familie so selten sehe?“ Sie kündigt, entscheidet sich für eine Laufbahn als Richterin – für weniger Geld, dafür aber geregelte Arbeitszeiten.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch der Managerin eines großen Luftfahrtunternehmens sicherte der Arbeitgeber vor der Geburt des ersten Kindes Unterstützung zu. Doch als sie mit einer 80-Prozent-Stelle aus der Elternzeit zurückkommt, findet sie eine andere Realität vor. Wichtige Meetings werden auf ihren freien Tag gelegt, die interessanten Projekte bekommen andere. Sie hat das Gefühl, als sei sie für ihren Chef, der sie früher immer gefördert hat, auf einmal unsichtbar geworden. „Am Anfang habe ich noch gekämpft, aber dann hatte ich irgendwann keine Kraft mehr“, sagt sie. Auf anstrengende Arbeitstage folgen durchwachte Nächte mit einem schlaflosen Kleinkind. Wenn man ihr eine vernünftige Abfindung anbietet, will sie gehen.

          Die Unternehmensberaterin hat gar nicht erst versucht, Kind und beruflichen Aufstieg zu vereinbaren. Als sie schwanger wird, kündigt sie und zieht zu ihrem Mann, mit dem sie bislang eine Distanzbeziehung geführt hat. „Ich habe meinen Job geliebt. Aber ich musste viel reisen, und mit einem Kind hätte das nicht funktioniert.“ Ihr Mann nimmt zwar zwei Monate Elternzeit, ist darüber hinaus aber nicht bereit, beruflich Abstriche zu machen. Nach einem Jahr macht sie sich als Beraterin selbständig und hofft, mit flexibleren Arbeitszeiten Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen.

          Drei Frauen, drei persönliche Entscheidungen

          Drei Frauen im Alter zwischen 30 und 40, drei Berufe, drei persönliche Entscheidungen: die Frauen eint, dass sie es nicht mehr an die Spitze schaffen werden. Trotz ausgezeichneter Voraussetzungen werden sie niemals die Top-Positionen besetzen, auf denen Politik und Wirtschaft sie gerne sähen. Trotz Ambitionen ist ihre Karriere auf dem Weg zu Vorstandsposten und Partnerrunde versandet.

          Noch nie waren Frauen in Deutschland so gut ausgebildet wie die Generation, die sich heute in der „Rushhour des Lebens“ befindet, dem Jahrzehnt vor dem 40. Geburtstag, wenn die großen Lebensziele Kinder und beruflicher Aufstieg parallel verwirklicht werden sollen. Sie haben bessere Abschlüsse gemacht als ihre Kommilitonen, ebenso wie ihre Brüder im Ausland studiert, und in ihrem Trainee-Programm fanden sich ebenso viele Absolventinnen wie Absolventen.

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