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Zum Sampling-Urteil : Alles nur geklaut

Madonna darf ihren Hit „Frozen“ nicht in Belgien verkaufen. Bild: AFP

Madonna hat es gemacht, George Harrison, die Beach Boys und viele mehr: Hier kommt eine kleine Geschichte zu Plagiaten in der Musik.

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          Die Digitalisierung von Musik macht künstlerische Werke nicht nur jederzeit verfügbar und abspielbar, sondern auch viel leichter zu kopieren. Streitigkeiten um Plagiate kommen allerdings in fast allen Musikrichtungen vor und das schon seit vielen Jahren.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Während sich in Deutschland der Rapper Moses Pelham mit der Gruppe Kraftwerk vor Gericht streitet, sind in Amerika zwei derzeit gefeierte Popstars gehörig unter Druck: Der DJ Skrillex und Sänger Justin Bieber sollen in ihrem Lied „Sorry“ acht Sekunden eines anderen Liedes geklaut haben – sie bestreiten das und zeichnen in einem kurzen Video nach, wie der betreffende Ausschnitt zustande gekommen sein soll.

          Der vermeintliche Beweis der Unschuld soll sie offenbar vor einem Gang vor Gericht bewahren – denn dort ist es in der Vergangenheit schon häufiger teuer geworden für Künstler, die sich bei anderen bedient haben. So darf der Hit „Frozen“ von Madonna nicht in Belgien verkauft werden und das Video ist dort nicht zu sehen, weil der Musiker Salvatore Acquaviva mit einer Urheberrechtsklage Erfolg hatte. Madonna habe die ersten vier Takte ihres Liedes aus seinem Stück „Ma vie fout le camp“ entnommen, klagte er und bekam nicht nur Recht, sondern auch 125.000 Euro zugesprochen.

          Noch teurer wurde es für Oasis, die 500.000 Dollar zahlen mussten, weil sie einen ganzen Refrain abkupferten. Ein sehr teures Plagiat leistete sich ausgerechnet einer der Beatles. George Harrison zahlte 1.599.987 Dollar dafür, dass er sich bei der Melodie für „My Sweet Lord“ zu sehr inspirieren ließ. Das vielleicht teuerste Plagiat kam durch „Blurred Lines“ von Robin Thicke und Pharrell Williams zustande: Umgerechnet fast sieben Millionen Euro mussten sie an die Erben von Marvin Gaye zahlen, die Entscheidung ist umstritten.

          Manche Klagen werden allerdings auch abgelehnt: Der Gitarrist Joe Satriani musste sich mit der Popband Coldplay außergerichtlich darüber einigen, ob das Lied „Viva la vida“ nun zufällig einem seiner Stücke glich. Andere Streitigkeiten zogen sich über Jahre hin: So gaben die Beach Boys zuerst alle Rechte an „Surfin USA“ ab, als sich die Anwälte von Chuck Berry bei ihnen meldeten, nur um mehr als 20 Jahre später doch noch vor Gericht eine Mitautorenschaft zu erstreiten.

          Dass beim aktuellen Fall um Moses Pelham auch der Rapper Bushido mitmischte, ist übrigens nicht ganz zufällig: Er selbst bekam vor einigen Jahren eine Strafe von 63.000 Euro aufgebrummt, weil der Rapper in insgesamt 13 Liedern Liedfragmente der Gothic-Band Dark Sanctuary ohne Erlaubnis verwendet hatte und daraus sogenannte Loops, also Musikschleifen gebastelt hatte.

          Im Hip-Hop ist das sogenannte Sampling weit verbreitet, vor allem aus alten Funk- und Soul-Stücken entstehen regelmäßig neue Lieder. Wer einer drohenden Strafe wegen Urheberrechtsverletzungen entgehen will, bedient sich also lieber an alten Werken, deren Schutzfrist abgelaufen ist. So wird etwa die Akkordfolge des „Kanon in D-Dur“ von Johann Pachelbel alleine in 41 Stücken verwertet, wie auf der Fachseite whosampled.com ersichtlich wird.

          Vor Plagiaten in der Klassik waren allerdings selbst die Klassiker nicht geschützt: Richard Strauss etwa soll im Finalsatz von „Aus Italien“ eine Melodie eines italienischen Komponisten verwendet haben, der ihn daraufhin verklagte. Dabei war die digitale Vervielfältigung im 19. Jahrhundert noch nicht sehr verbreitet.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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