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Xavier Giocanti : Lebensgefährte der IWF-Chefin soll Olympique Marseille retten

Xavier Giocanti mit seiner Lebensgefährtin Christine Lagarde Bild: Picture-Alliance

Der französische Fußballklub Olympique Marseille steckt in der Krise. Der Geschäftsmann Xavier Giocanti gilt als möglicher Retter.

          2 Min.

          Nicht selten ist er der einzige Mann im „Partnerprogramm“ der Weltwirtschaftsgipfel. Xavier Giocanti begleitet seine Lebensgefährtin, die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, gerne auf ihren Reisen. Dennoch stand der 61 Jahre alte Franzose ähnlich wie Joachim Sauer, der Ehegatte von Bundeskanzlerin Merkel, bisher im Schatten seiner Partnerin.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das hat sich nun geändert: Denn der Lebensgefährte der IWF-Chefin soll den Fußballklub Olympique de Marseille (OM) retten. Giocanti gilt neuerdings als möglicher Retter des krisengeplagten Fußballklubs. Er könnte den Präsidenten Vincent Labrune ablösen, spekulierte am Dienstag die französische Sportzeitung „L’Equipe“. Die Klubbesitzerin Margarita Louis-Dreyfus dementierte die Meldung so wie Giocanti zwar noch am gleichen Tag, doch es gilt als sicher, dass der Mann zumindest im Hintergrund am Überleben des Vereins mitarbeitet. Als „Berater“ von Louis-Dreyfus sei er durchaus aktiv, räumt er ein. Schon suche er Mitarbeiter und stehe in Kontakt mit einem Spielervermittler, berichtet „L’Equipe“. Wer ist Giocanti? Ein 61 Jahre alter Geschäftsmann mit korsischen Ursprüngen, der es im komplizierten Stadtleben von Marseille wie kaum ein anderer zu navigieren versteht.

          Gut verdrahtet mit allen wichtigen Leuten, ist er im Immobiliengeschäft als Mitgründer einer Gruppe namens Résiliance tätig. Zudem arbeitet er als Berater in Vermögens- und Steuerfragen. Eine Verbindung zu den Steuerpraktiken von Robert Louis-Dreyfus, dem verstorbenen Mann von Margarita, ist nicht bekannt. Die Panama-Papiere brachten kürzlich zutage, dass Robert Louis-Dreyfus Briefkastenfirmen in Panama und auf den Britischen Jungferninseln hielt, die inzwischen geschlossen sind.

          Giocanti soll sich dagegen erst in den vergangenen zwei Jahren mit der Witwe Margarita und ihrem Schweizer Lebensgefährten, dem Blackrock-Manager Philipp Hildebrand, angefreundet haben. Margarita Louis-Dreyfus will den Klub verkaufen, wie sie in der vergangenen Woche bekanntgab, denn er liegt in der ersten französischen Liga am Rande der Kellerränge, und seine Eigentümerin will ihr Milliardenerbe aus dem Rohstoffhandelskonzern Louis-Dreyfus nicht für den Verein riskieren.

          OM ist seit Jahrzehnten von Affären gezeichnet; einer der früheren Eigentümer war ausgerechnet der schillernde Geschäftsmann Bernard Tapie. Weil er Hunderte von Millionen Euro aus der Staatskasse infolge eines angeblichen Betrugs beim Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas erhielt, ist Lagarde in juristische Schwierigkeiten geraten. Denn sie gab das Geld in ihrer Zeit als französische Finanzministerin frei. Doch all das habe nichts mit der neuen Rolle ihres Lebensgefährten bei OM zu tun, heißt es heute in ihrem Umfeld. Lagarde und Giocanti kennen sich seit langem, standen sich bereits beim Jurastudium an der Uni von Nanterre Anfang der achtziger Jahre nahe. Erst als Lagarde zwischen 2005 und 2007 Außenhandelsministerin war, kreuzten sich ihre Wege wieder, und nach Aussage von beiden schlug der Blitz ein. „Ich kümmere mich um sein BIP, sein ,Brutto-Inlands-Pläsier‘“, sagte sie einmal.

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