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Wirtschaftsministerium : Wann ist ein Chef ein Chef?

  • -Aktualisiert am

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Bild: Dominik Butzmann/laif

Vizekanzler Gabriel leistet sich eine Personalposse in seinem Ministerium. Er hat klammheimlich den Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur in sein Haus geholt. Was passiert da?

          Der Chef ist der Chef ist der Chef. Was aber, wenn der Geschäftsführer von der Homepage seiner Firma getilgt wird? Dann ist er wohl nicht mehr der Chef, folgert der gesunde Menschenverstand messerscharf. In Sigmar Gabriels Hinterhof aber hat die Logik Hitzefrei: Zwischen seinem Ministerium und der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur (Dena) spielt sich eine Personalposse ab.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwei Geschäftsführer taten dort bis vor kurzem ihren Dienst: Stephan Kohler, ein Öko-Funktionär mit besten Verbindungen in höchste SPD-Kreise, und Andreas Jung, ein Jurist aus dem Schwäbischen. Dieser Herr Jung ist weg. Nein, nicht verschwunden, nur woanders.

          Auf der Dena-Homepage sind seine Spuren gelöscht; keine Rede, kein Foto ist dort mehr von ihm zu finden. Stattdessen taucht er unscheinbar bei Sigmar Gabriel auf: In aller Stille hat er dort einen Platz im Organigramm gefunden. Was ist passiert? Ist der Mann gewechselt? Nein, protestiert seine Firma: „Herr Andreas Jung ist Geschäftsführer der Dena.“ Im Dena-Aufsichtsrat ist der Eindruck ein anderer: Der Chef ist weg, heißt es unter der Hand, er habe sein Mandat niedergelegt.

          Was also treibt Herr Jung nun wirklich, Herr Gabriel? Die Dena lügt, so muss die offizielle Antwort aus dessen Haus wohl verstanden werden: „Herr Jung ist im Bundesministerium für Wirtschaft, nicht mehr bei der Dena, beschäftigt.“

          Soll die Dena auf Linie gebracht werden?

          In der Abteilung II (Energiepolitik Wärme und Effizienz) verantwortet er demnach das Kästchen II C 2, „Rechtsfragen Wärme und Effizienz in Gebäuden“. Sicher ist jedenfalls: Ein neuer Dena-Chef muss her, ein Geschäftsführer wird gesucht.

          Nun wäre die Personalie unter Jux und Tollerei abzubuchen, offenbarte sich damit nicht ein tiefer liegendes Problem: Was genau hat die Regierung mit dieser komischen Institution namens „Deutsche Energieagentur“ vor? Wie viel Eigenständigkeit und Geld gönnt sie der Dena? Und wie beherzt darf die den Murks in der Energiepolitik, also Gabriels Tagwerk, angreifen?

          Nun ist die Dena keine Behörde (anders als die Bundesnetzagentur), hängt aber trotzdem am Tropf des Steuerzahlers. Sie hat die Finanzindustrie als hälftigen Eigner mit an Bord (Allianz, Deutsche Bank, DZ-Bank) und einen schwammigen Auftrag: Für die Energiewende soll sie trommeln und sich mindestens zur Hälfte von der Wirtschaft bezahlen lassen. Dass sie dabei als verkappte Lobbytruppe der Dämmstoffindustrie auftritt, schreckt die Bundesregierung nicht, Profilierung auf Kosten der Politik schon.

          Und so mutmaßen sie in der Berliner Szene, dass Sigmar Gabriel und mehr noch sein grüner Staatssekretär, Rainer Baake, den Chefwechsel nutzen, um die Dena auf Linie zu bringen. Jürgen Resch

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