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Wenn Affären der Karriere schaden : Verhängnisvolle Weibergeschichten

  • -Aktualisiert am

Liebe im Kino: „Banker” Robert Hunger-Bühler und Nicolette Krebitz in „Unter dir die Stadt” Bild: dapd

Top-Manager sind auch nur Männer. Doch mit Affären riskieren sie die Karriere. Denn ihre Gegner nutzen den Fehltritt als Waffe im Machtkampf. Der Spruch „privat ist privat“ gilt längst nicht immer.

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          So was gibt es nur im Film: Top-Manager, frisch gekürt zum „Banker des Jahres“, verglüht für eine junge Frau, noch dazu die Gattin eines Untergebenen: „Wollen Sie mit mir schlafen?“ Es folgt eine heiße Affäre. Als sie ruchbar wird, bedrängen die Vorstandskollegen in den Frankfurter Bankentürmen den Mann zurück zu treten.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles nur gespielt? Alles nur Kino? Natürlich nicht, auch im wahren Leben verheddern sich Manager in ihren Gefühlen. Es gibt keinen Grund zur Annahme, die Lenker der Konzerne seien treuer als andere Menschen. Das braucht auch niemand zu stören. Brisant wird es, wenn Sex zum öffentlichen Thema wird. „Wird eine Affäre zur Schlagzeile, kann sich der Manager erschießen, dann ist’s aus mit der Karriere“, sagt Dieter Rickert, ein Altmeister unter den Headhuntern: „Ein Manager, der seinen Trieb nicht unter Kontrolle hat, kriegt früher oder später ein Problem.“

          Gewiss, die Vorstellungen über Anstand und Moral sind heute andere als in den 50er oder 60er Jahren. Trotzdem fördert ein wenig heile Welt oder zumindest der Anschein die Karriere. Nicht wegen überholter Konventionen, sondern wegen der harten beruflichen Anforderungen, sagt ein weiterer Top-Headhunter, Christoph Zeiss, Chef der Agentur „heads“. Der Manager habe es im Job strapaziös genug, „da hilft ein geordnetes Privatleben.“

          Ist privat wirklich privat?

          Was unter geordnet zu verstehen ist, das halten manche Konzerne in einer Benimmfibel - neudeutsch „code of conduct“ - fest: Verboten wird selbstredend alles, was gegen ein Gesetz verstößt, sexuelle Nötigung etwa (ein Vorwurf, der in Amerika reihenweise Manager aus der Bahn wirft). Anstößig ist zudem ein Verhältnis mit Untergebenen, mancherorts sogar jeder heimliche Kuss unter Kollegen.

          So verlor der weltgrößte Chemiekonzern BASF vor drei Jahren einen Aspiranten auf den Vorstandsvorsitz: Der Aufstieg des Mannes in den Vorstand war bereits beschlossen, sogar öffentlich verkündet, als die Liaison mit einer BASF-Angestellten aufflog: Sofort wurde die Beförderung rückgängig gemacht, von einem Tag auf den anderen verließ der Manager den Konzern, offiziell „aus persönlichen Gründen.“ Heute findet der Mann sein Auskommen in Ungarn, als Chef einer kleineren Chemiefirma, die jüngst von Chinesen übernommen wurde. Zum Trost sitzt er im Aufsichtsrat des Darmstädter Dax-Konzerns Merck KGaA.

          Privat ist privat, sagen Unternehmen gerne. Was ein Manager nach Feierabend treibe, gehe niemanden etwas an. Ein bisschen aber doch, gerade konservativere Adressen bestehen darauf, dass ein Top-Manager auch Vorbild sein müsse: „Rasch wechselnde Gespielinnen disqualifizieren ihn dafür ebenso wie der regelmäßige Besuch der Spielbank“, berichtet ein Dax-Manager.

          Früher wurden Vorstandsanwärter mit Gattin zu einer Art Ehetest eingeladen

          Lange war es üblich, dass ein Anwärter auf höhere Weihen samt Gattin vom Aufsichtsratsvorsitzenden zum Abendessen eingeladen wurde, zu einer Art Ehetest: Hält die Gattin dem künftigen Vorstand den Rücken frei? Entspricht ihr Auftritt den Usancen im Unternehmen? Oder blamiert sie womöglich die Firma?

          Diese Praxis habe sich in börsennotierten Gesellschaften ziemlich überlebt, berichtet Personalberaterin Christine Stimpel, Deutschland-Chefin von Heidrick & Struggles. „Die Gattin des Vorstandskandidaten wird heute seltener geprüft.“ Am ehesten geschieht dies noch in Familieunternehmen und bei Mittelständlern. Denn irgendwie muss auch die Ehefrau zur Firma passen: Das platinblonde, shoppingfixierte Klischee verträgt sich eher nicht mit dem Kolbenhersteller in der Provinz. Und wenn in Konzernen wie Daimler Posten besetzt werden, so ist es nicht unerheblich, wie sich die Frau des Managers im Gattinnen-Netzwerk schlägt: „Die duzen sich da alle“, berichtet ein Aufsichtsrat.

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