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Wegen der robusten Wirtschaft : Immer weniger Pleiten in Deutschland

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Firmenpleiten und Privatinsolvenzen sind viel seltener geworden in Deutschland. Bild: dpa

Dieses Jahr sind so wenige Firmen und Privatleute Pleite gegangen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Doch Experten warnen.

          3 Min.

          Deutschlands Insolvenzverwalter hatten schon mehr zu tun. Dank hoher Beschäftigung, stabiler Konjunktur und niedriger Zinsen ist die Zahl der Pleiten so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei mussten 23.230 Unternehmen nach Angaben der Wirtschafts-Auskunftei Creditreform den Gang zum Amtsgericht antreten. Das waren 3,3 Prozent weniger als 2014 und sogar so wenige wie nie seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999.

          Trotzdem müssen Tausende Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz und Zehntausende Gläubiger um ihr Geld bangen. Und: Die Talfahrt der Pleiten dürfte im kommenden Jahr 2016 an Tempo verlieren, sagt der leitende Wirtschaftsforscher von Creditreform, Michael Bretz, voraus. Er rechnet im nächsten Jahr mit ähnlich vielen Unternehmensinsolvenzen wie in diesem Jahr.

          Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht warnt: Schon kleine Änderungen beispielsweise des Zinsniveaus könnten die Lage verschärfen. Denn Hunderttausende Unternehmen seien finanziell schmal aufgestellt - und Millionen Menschen überschuldet.

          Ulbricht schätzt die Bonität von fast 311.000 Unternehmen als schwach ein. „Das ist eine bedenkliche Größe. Bezogen auf rund 3,3 Millionen wirtschaftsaktive deutsche Unternehmen sind dies 9,4 Prozent - bei 0,7 Prozent Insolvenzen.“ Sollte die Konjunktur schwächeln oder die Finanzierung etwa von Investitionen erschwert werden, drohten schnell deutlich mehr Firmenpleiten.

          Der gute Arbeitsmarkt hilft

          Auch die Wirtschafts-Auskunftei Bürgel warnte kürzlich: „Immer mehr Firmen in Deutschland haben finanzielle Probleme.“ Das gelte vor allem für Betriebe aus dem Gastgewerbe und der Logistik. Jedoch sind Zinserhöhungen vorerst nicht in Sicht.

          Für die 6,7 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die ihre Rechnungen schon heute nicht begleichen können, gilt ebenfalls: Wer seinen Job verliert, rutscht oft schnell in die Privatinsolvenz. 2015 ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen allerdings deutlich um 8,6 Prozent auf 79.030 und damit auf den niedrigsten Stand seit 2005 zurück.

          Weil am Arbeitsmarkt 2016 noch keine Rückschläge zu erwarten sind, rechnet Bretz vorerst mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherinsolvenzen auf etwa 76.500. Tatsächlich sind die Aussichten am Arbeitsmarkt gut, wie etwa die Deutsche Bundesbank in ihrem Konjunkturausblick betont.

          Der BER-Pannenflughafen merkt es

          Insgesamt dominieren unter den Firmenpleiten in Deutschland Kleinstinsolvenzen. Vier von fünf Unternehmen, die 2015 Insolvenz angemeldet haben, hatten höchstens fünf Mitarbeiter. So sank der mögliche Schaden aus Firmenzusammenbrüchen für die Gläubiger von 26,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 19,6 Milliarden Euro. Mit 225.000 Arbeitnehmern müssen auch deutlich weniger (minus 14,8 Prozent) wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers einen Jobverlust fürchten.

          Die größte Firmenpleite des Jahres trieb ausgerechnet dem Management des Berliner Pannenflughafens einmal mehr den Schweiß auf die Stirn: Der Gebäudeausrüster Imtech - am Hauptstadtflughafen BER zuständig unter anderem für Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten - meldete Anfang August Insolvenz an. 3500 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

          Das Hamburger Unternehmen war schon im Jahr 2012 durch Missmanagement in Turbulenzen geraten und wird mit Korruption, überhöhten Forderungen, unerlaubten Absprachen und undurchsichtigen Transaktionen in Verbindung gebracht. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln.

          Die Imtech-Pleite ließ die BER-Planer einmal mehr bangen: Ist die auf 2017 verschobene Eröffnung des Airports zu halten? Im November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Kerngeschäft, zu dem auch die Arbeiten am Hauptstadtflughafen gehören, soll weitergeführt werden.

          Fleischmann und Kettler

          Auch manches Traditionsunternehmen geriet in die Krise. Der Kettcar-Hersteller Kettler aus dem Sauerland musste ebenso die Notbremse ziehen wie die Modellbahn-Firma Fleischmann mit Sitz im fränkischen Heilsbronn. Für Millionen Deutsche gehört des Tretauto Kettcar ebenso zur Kindheitserinnerung wie die Miniatureisenbahn im Keller. Doch von der ruhmreichen Vergangenheit allein lässt sich nur schwer leben - das mussten in den vergangenen Jahren zum Beispiel auch schon Märklin oder der Hersteller der Carrera-Autorennbahnen bitter erfahren, die ebenfalls turbulente Zeiten durchmachten.

          Auf Investoren hofft der angeschlagene Elektronik-Hersteller Blaupunkt aus Hildesheim. Lange war Blaupunkt etwa mit Autoradios eine weltweit bekannte Marke. Doch zuletzt ging es bergab mit der früheren Bosch-Tochtergesellschaft.

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