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Reichster Chinese Wang Jianlin : Milliardär Nr. 1

Wang Jianlin im Januar in Peking. Bild: Reuters

Sein Vater kämpfte an der Seite Maos. Er selbst träumt von einem Imperium wie Disney. Wang Jianlins Aufstieg zum reichsten Mann seines Landes schreibt eine Geschichte, wie es sie nur in China gibt.

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          Mag sein Vater im chinesischen Bürgerkriege mit Mao im Schützengraben gelegen haben, dem Führer der Kommunistischen Partei und späteren Gründer eines Landes, das den Marxismus bis heute als Staatsideologie preist: Der Selfmade-Unternehmer Wang Jianlin, in der kommenden Woche 61 Jahre alt, ist kein Mann, der mit seinen materiellen Erfolgen hinterm Berg hält. „Reichster Chinese“ – so steht es in Wangs offizieller Biographie im Internetauftritt der Dalian Wanda Gruppe aus Peking. „Erster Milliardär unter Gleichen“ ist die andere Selbstbeschreibung, die Wang wählt.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Auf 34 Milliarden Dollar Vermögen taxiert die am Donnerstag veröffentlichte „Hurun“-Reichenliste, das chinesische Äquivalent der amerikanischen „Forbes“- Liste, den Gründer eines Konzerns, von dem die meisten in der westlichen Welt noch nie gehört haben. Doch Wangs Vermögen vergrößert haben schon viele Völker außerhalb Chinas. Die Amerikaner, wenn sie Eintrittskarte und Popcorn in einem der 350 „AMC“-Kinos kaufen, die Wanda gehören. Die Deutschen, wenn ARD und ZDF den Rundfunkzwangsbeitrag vom Konto abbuchen. Ein Teil der Summe landet beim Deutschen Fußballbund – und ein Teil beim Makler der Übertragungsrechte, dem Schweizer Verwerter Infront. Seit Februar gehört dieser zum Wanda-Reich.

          Mit einem „roten Löffel“ im Mund

          Vor allem aber verdankt Wang seine zwei Learjets sowie die Finanzierung von rauschenden Partys mit langbeinigen Models dem Geschäft in China. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es heute so viele Milliardäre. 596 Festland-Chinesen mit mindestens eine Milliarde Dollar Vermögen zählt der Reichenreport, was einer Steigerung um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist. Erstmals leben in China mehr Milliardäre als in Amerika.

          In einem volatilen chinesischen Börsenjahr, in dem die Aktienkurse zwar seit Juni um ein Drittel abgestürzt sind, zuvor aber zwölf Monate lang von Heerscharen zockender Kleinanlegern um 150 Prozent empor getrieben worden waren, hat China die meisten seiner superreichen Unternehmer noch reicher gemacht. An der Spitze der Kapitalisten steht nun nicht mehr der Internetunternehmer Jack Ma, dessen in New York gelistete E-Commerce-Plattform Alibaba seit dem Börsengang hohen Wertverlust verzeichnet. Wanda-Gründer Wang hat seinen Reichtum durch die Hausse trotz des Rückschlags stark gesteigert.

          Die chinesische Heimat meint es gut mit Wang. Mit einem „roten Löffel“ im Mund sei dieser einst in der Provinz Sichuan zur Welt gekommen, ist geschrieben worden. In der Tat verschaffte die Freundschaft des Vaters mit Mao dem Sohn das Glück, in jungen Jahren in die Volksbefreiungsarmee aufgenommen zu werden und so dem Terror der Kulturrevolution zu entkommen. In 17 Jahren Dienstzeit stieg Wang vom einfachen Grenzsoldaten zum Regimentskommandeur auf. Und fand sich nach Truppenkürzungen in den 80er Jahren trotzdem ohne Arbeit wieder. Also wurde der Revolutionssohn in der Hafenstadt Dalian zum Unternehmer und baute mit militärischer Strenge ein Imperium. Wer sich nicht an die pingeligen Kleidervorschriften halte, bekomme als Angestellter Wangs Probleme, heißt es.

          Sechs Dutzend Einkaufzentren betreibt Wanda in China und lässt von westlichen Ketten wie Sofitel die 30 Luxushotels im Portfolio führen. Wanda ist der größte chinesische Immobilienentwickler und besitzt ein Fünftel der Anteile des spanischen Fußballklubs Atlético Madrid. Mit dem Hollywood-Filmstudio Lionsgate soll Wang im Gespräch sein. Das Ziel des reichsten Chinesen: einen Unterhaltungskonzern zu schaffen, der auf dem amerikanischen Disney-Imperium das Wasser reichen kann.

          Der am besten vernetzte Unternehmer Chinas

          Spricht Wang über sein Erfolgsgeheimnis, singt er das Lied von Disziplin und Sparsamkeit: „Erstens: wir halten unsere Versprechen.“ Nicht ein einziges der Einkaufszentren, Luxushotels und keine der 7000 Leinwände, die weltweit in den Kinos des Wanda-Konzerns hängen, habe er auch nur einen Tag später fertig gestellt als geplant, brüstet er sich. Zweitens: Auch noch beim entlegensten Bauprojekt, sei der Kauf des Bodens von der Regierung noch so schwierig gewesen, habe Wang die Kosten gedrückt: „Sämtliche unserer über 100 Projekte in den vergangenen zehn Jahren waren preiswerter und profitabler als geplant.“

          Wanda soll ein so erfolgreicher Unterhaltungskonzern werden wie Disney.

          Angesichts der Tatsache, dass in China bei Bauvorhaben die Korruption grassiert, weil der Boden des Landes bis auf den letzten Quadratmeter vollständig in Staatseigentum ist, werfen Geschäftspartner von Wang mitunter nicht nur aus moralischen, sondern geschäftlichen Gründen die Frage auf, wie weit der Aufsteiger seine legendären Kontakte in die Politik zum eigenen Vorteil genutzt habe. Wang Jianlin gilt als der am besten vernetzte Unternehmer Chinas.

          Doch das muss nicht immer gut sein in einem Land, dessen Führung in der Geschichte die eigenen Reihen schon des Öfteren „gesäubert“ hat. Seine frühere Nähe zum heute inhaftierten ehemaligen Star-Politiker Bo Xilai, angeblich ein Gegner von Präsident Xi Jinping, könnte für Wang gefährlicher sein als fehlende Kunden in den Hunderten leeren Einkaufszentren in dem Land, in dem neuerdings das Wirtschaftswachstum lahmt.

          Chinas Führer akzeptierten, dass Unternehmer wie Wang den Wandel vorantrieben, schreibt der Hongkonger Unternehmensberater Edward Tse im Buch „Chinese Disruptors“. Allerdings sei Peking überzeugt, dass der Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaft vor allem dem Festhalten an sozialer und politischer Stabilität zu verdanken sei – was im Umkehrschluss „null Toleranz“ gegenüber jenen erfordere, die diese Stabilität durch zu großen Reichtum oder politische Opposition infrage stellten. Chinas reichster Bürger Wang Jianlin hat das begriffen. Seine Überlebensformel: „Sei nah an der Regierung, aber weit weg von der Politik.“

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