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Zuwanderung : Das Geschäft mit den Flüchtlingen boomt

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In Taufkirchen bei München wird eine Traglufthalle als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Bild: dpa

Unterkunft, Lebensmittel oder Kleidung: Die vielen Flüchtlinge wollen versorgt werden. Die Auftragsbücher von deutschen Unternehmen sind voll.

          800.000 Asylbewerber erwartet die Bundesregierung für dieses Jahr. Die Ankömmlinge wollen wetterfest untergebracht werden, müssen mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt werden. Für die Versorgung der Flüchtlinge geben Bund und Länder in diesem Jahr und wohl auch in den kommenden Jahren Milliarden aus. Nicht nur bei Baufirmen lassen diese Aufträge die Kassen klingeln.

          Der Wohnraum in den Kommunen ist knapp. Viele Städte sind auf der Suche nach Einrichtungen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden können. Neulich vermeldeten auch die Container-Hersteller Engpässe bei der Lieferung von Unterkünften. Die Preise schnellten in die Höhe, mehrere Gemeinden sattelten auf Alternativen wie flexible Holzbauten um. Auch Traglufthallen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Über einer festen Bodenplatte wird hierbei eine elastische, luftdichte Hülle aufgeblasen. Betreten wird eine solche Halle über eine Druckschleuse.

          Flexible Unterkünfte bei Kommunen beliebt

          Das Unternehmen Paranet gehört zu den Profiteuren von der Flüchtlingskrise. Während es früher vor allem Schwimmbäder oder Sportplätze mit Traglufthallen belieferte, kommen nun mehrere Aufträge für die Unterbringung von Flüchtlingen hinzu. Zehn Hallen, in denen mehrere Hundert Menschen untergebracht werden können, hat Paranet bereits in Deutschland errichtet, mehrere davon im Raum München. „Weitere 15 werden die nächsten drei Monate noch folgen“, sagt Geschäftsführerin Erika Wowra. Produktionsstandort für die Traglufthallen ist in Augsburg. Seit rund zwei Jahren hat sich Paranet nach Worten von Wowra auf die Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet und sein Modell „Care Dome“ bei Regierungsvertretern vorgestellt. Die große Nachfrage könne das Unternehmen daher bewältigen: „Wir haben unsere Standardhallen für Flüchtlinge in Teilen bereits vorproduziert.“

          Auch beim Zelt-Hersteller Tartler auf dem hessischen Lützelbach gehen normalerweise andere Aufträge ein: Bierfeste, Firmenfeiern, Sportveranstaltungen. Inzwischen interessieren sich viele Kunden für die Zelte als Flüchtlingsunterkünfte. „Die Nachfrage ist schon deutlich spürbar gestiegen“, teilt das Unternehmen mit. Derzeit hat Tartler Zeltanlagen mit 5000 Quadratmetern Fläche in Hanau, Darmstadt und dem Odenwaldkreis vermietet. Trotz der großen Nachfrage will Tartler seine Zelte auch weiterhin nur in der Region aufstellen: „Wir sind bestrebt, nur für den regionalen Bedarf anzubieten und bei Beauftragung auch zu decken.“