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Verleger : Alfred Neven DuMont gestorben

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Alfred Neven DuMont 1927 - 2015 Bild: dpa

Alfred Neven DuMont war vielleicht der letzte große Verleger der Nachkriegszeit. Überregional kannte man ihn zwar nicht so wie Springer oder Augstein. Aber am Stammsitz Köln war er mehr als 60 Jahre lang der große Patriarch.

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          Wenn die Kölner mal wieder ein Popkonzert gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Beine stellten, dann verstand es sich von selbst, dass da auch „der Alte“ reden musste. „Der Alte“, das war der Verleger Alfred Neven DuMont. Und reden konnte er. Jeder auf dem Platz hörte zu.

          Die knarzende Stimme mit dem Kölschen Idiom, dazu der typisch Kölsche Schnäuzer - alles unverkennbar, alles eine Marke. Mehr als 50 Jahre gehörte „Sir Alfred“ zum festen Inventar der Stadt, fast vergleichbar mit dem Volksschauspieler Willy Millowitsch oder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Die einen haben ihn bewundert, die anderen gefürchtet. Respektiert haben ihn wohl alle.

          Neben diesem volkstümlichen Zug, der es ihm erlaubte, als Redner bei Popkonzerten den richtigen Ton zu treffen, hatte Alfred Neven DuMont aber auch etwas Aristokratisches an sich. Er gehörte zum Kölner Patriziat, ähnlich wie die Adenauers oder die Bankiersfamilie Oppenheim. Der Name Neven DuMont kommt seit mindestens 300 Jahren ununterbrochen im Kölner Geschichtsbuch vor. Viele schillernde Gestalten hat die Verleger-Dynastie hervorgebracht - und Alfred Neven DuMont war vielleicht die schillerndste.

          Ein Kölner Patriarch

          So wollte der 1927 Geborene ursprünglich Schriftsteller, Regisseur oder Schauspieler werden. Als junger Mann stand er auch tatsächlich mal auf der Bühne der Münchner Kammerspiele - eine Erfahrung, die ihm später zugutegekommen sein dürfte, denn er konnte zeitlebens die unterschiedlichsten Rollen ausfüllen: Mal gab er den Charmeur und Unterhalter, dann wieder den knallharten Chef. Er war Kunstmäzen und Karnevalsprinz, Präsident der Industrie- und Handelskammer und natürlich Ehrenbürger. Wohin man in Köln auch kam: „Sir Alfred“ war schon da.

          Und er war Familienvater. 1966 heiratete er Hedwig von Auersperg. Ihr ältester Sohn Markus, ein Künstler, starb 1995. Die jüngeren Kinder sind Isabella (47) und Konstantin (45).

          Das Verlagshaus DuMont Schauberg („Kölner Stadt-Anzeiger“, später auch „Kölnische Rundschau“) führte er seit den 50er Jahren nach Patriarchenart. Einerseits setzte er sich für seine Mitarbeiter ein, war zum Beispiel immer stolz, wenn einer seiner Reporter einen Journalistenpreis gewann. Doch andererseits schreckte er nicht davor zurück, Journalisten zu maßregeln, wenn er sich über einen Artikel geärgert hatte. Sich als Verleger ganz aus dem redaktionellen Bereich herauszuhalten, war für ihn undenkbar. Dafür fühlte er sich wohl auch viel zu sehr als Journalist. „Ich liebe Zeitung“, sagte er oft.

          „Zeitungen sind keine normalen Unternehmen“

          Er war ein exzellenter Schreiber - im Alter verfasste er mehrere Romane - und ein geradezu besessener Leser. Wenn man ihn traf und von ihm als Gesprächspartner ernst genommen wurde - was man sich erstmal verdienen musste - dann begann er meist damit, die aktuelle Politik zu diskutieren. Das musste einfach sein. Dabei sprach er mit einer gewissen Autorität: Alle führenden Politiker der Bundesrepublik, angefangen bei Adenauer, hatte er persönlich gekannt. Selbst sah er sich als einen der Wegbereiter der sozialliberalen Koalition von Willy Brandt.

          Gerade aufgrund seiner journalistischen Kenntnisse bewies Neven DuMont als Verleger oft das richtige Gespür: So stampfte er 1964 binnen weniger Wochen die Boulevardzeitung „Express“ aus dem Boden und etablierte sie als erfolgreichen regionalen Konkurrenten der „Bild“-Zeitung. Sein Duzfreund Axel Springer nahm’s gelassen.

          Wesentlicher Bestandteil des DuMont-Imperiums ist auch der gleichnamige Buchverlag. Angela Merkel erzählte ihm einmal, zu ihren ersten Begegnungen mit DuMont-Publikationen habe ein Kunstbuch über Paul Klee gehört, das sie als DDR-Bürgerin noch mit geschmuggelter D-Mark in Budapest erstanden habe.

          Im Alter hatte er mit seinen Zukäufen mitunter eine weniger glückliche Hand: So musste er die „Frankfurter Rundschau“ nach wenigen Jahren wieder aufgeben. Kritiker meinen, seine Zeitungsliebe habe ihm den Blick auf die unternehmerischen Risiken verstellt - was man in gewisser Weise auch als Kompliment auffassen kann. Immer wieder warnte er davor, Qualitätsblätter dürften nicht irgendwelchen Managern überlassen werden: „Zeitungen sind keine normalen Unternehmen“, war seine Überzeugung. „Das ist etwas ganz, ganz anderes.“

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