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Ulrich Grillo : Mann mit Energie

Gertenschlank und stets makellos gestylt: Der 53 Jahre alte Grillo wird sein neues Amt offiziell Anfang Januar antreten Bild: dapd

Mit Ulrich Grillo rückt wieder ein Familienunternehmer an die Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die von ihm geleiteten Grillo-Werke gelten als der größte Zinkverarbeiter der Welt.

          Familienunternehmer stehen nach wie vor zum Standort Deutschland. Damit das auch weiterhin so bleibt, muss die Energiewende unbedingt wirtschaftlicher gestaltet werden als bisher geschehen. Außerdem muss das Vertrauen hinsichtlich der Zukunft der Eurozone dringend wieder hergestellt werden.“ Diese Aussagen stammen zwar nicht von Ulrich Grillo. Vielmehr hat sie Arndt Kirchhoff, der Vorsitzende des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses vor wenigen Tagen in einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) über Deutschlands große Familienunternehmen fixiert. Sie hätten aber durchaus aus der Feder des am Montag in Berlin gewählten neuen Präsidenten der wichtigsten Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft stammen können. Grillo ist nämlich Familienunternehmer par excellence.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Der 53 Jahre alte Grillo wird sein neues Amt offiziell Anfang Januar antreten. Die zweite Amtsperiode des noch amtierende BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel läuft zum Jahresende turnusgemäß ab. Keitel persönlich hatte seinen bisherigen Stellvertreter zur Wahl vorschlagen. Grillo habe sein volles Vertrauen, seine volle Sympathie, hatte Keitel im Juni anlässlich der Nominierung betont. Mit Grillo, dem Nachfahren einer alten Ruhr-Dynastie, rückt wieder der Repräsentant eines inhabergeführten mittelständischen Familienunternehmens an die Spitze des Verbands. Keitel stand als langjähriger Hochtief-Chef in den Diensten eines börsennotierten Konzerns.

          Manschettenknöpfe mit Grillen als Erkennungszeichen

          Dass die im BDI organisierten rund 100.000 Unternehmen in den kommenden beiden Jahren Grillo als ihren ersten Repräsentanten und ihr Aushängeschild sehen wollen, hängt stark damit zusammen, dass er aus seiner unternehmerischen Erfahrung die großen Zukunftsthemen Energieeffizienz, Rohstoffe und Ressourcenknappheit ideal besetzen kann. Eine seiner vordringlichsten Aufgaben wird sein, eine einheitliche Positionierung des Verbandes und seiner vielschichtig betroffenen Mitglieder zur Energiewende hinzubekommen. Zwei bis maximal drei Tage in der Woche will er künftig in Berlin sein, hat er kürzlich angekündigt. Den Blackberry immer am Mann.

          Die Entscheidung, überhaupt zur Wahl anzutreten, hat er sich nicht leicht gemacht, sondern sich einige Wochen Bedenkzeit genommen. Er weiß, was auf ihn zukommt, das verbandspolitische Parkett ist ihm seit Jahren bestens vertraut. So ist der parteilose Unternehmer seit dem vergangenen Jahr BDI-Vizepräsident. Den Ausschuss für Rohstoffpolitik leitet er seit 2007. Überdies ist er seit 2006 Präsident der Wirtschaftsvereinigung Metalle.

          Geschäftspartner beschreiben den gertenschlanken, stets makellos gestylten Unternehmer - auffälliges Einstecktuch und Manschettenknöpfe mit Grillen sind seine Erkennungszeichen - als durchaus bodenständig. Als einen Mann, der sehr locker reden kann, sobald er das Manuskript aus der Hand legt. Seine Vorfahren stammen aus dem Veltlin im Norden Italiens. Sie flüchteten vor mehr als 400 Jahren aus religiösen Gründen über die Schweiz nach Deutschland ins Ruhrgebiet. Der Name der Grillos hatte zu Zeiten der Industrialisierung einen vergleichbaren Klang wie der der großen Ruhrbarone Haniel, Klöckner oder Krupp.

          Der Vollblut-Unternehmer kann nicht nur Mittelstand

          Die Grillo-Werke, die der neue BDI-Präsident in fünfter Generation gemeinsam mit seiner Cousine, der mit vielen Medaillen dekorierten ehemaligen Dressurreiterin Gabriela Grillo, leitet, gelten als der größte Zinkverarbeiter der Welt. Das in Duisburg-Marxloh ansässige, stark energieabhängige Unternehmen beschäftigt rund 1600 Mitarbeiter und hat zuletzt rund 600 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Seit fast 170 Jahren ist die Gruppe ein Familienunternehmen, nur zwischen 1988 und 1994 war die damalige Metallgesellschaft als Mehrheitseigner an Bord.

          Seine Gene hätten industriellen Charakter, hat Grillo einmal über sich selbst gesagt. Die Liste der sonstigen Mandate des Vaters zweier Töchter im Teenie-Alter ist lang. Er gehört unter anderem der Vollversammlung der niederrheinischen Industrie- und Handelskammer und dem Beirat der Mercator School of Management an der Universität Duisburg-Essen an. Er sitzt in den Aufsichtsräten des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co, der Mateco AG in Stuttgart, der Praktiker-Gruppe und der Mittelstandsbank IKB. Nach einer Banklehre bei der Deutschen Bank in Duisburg hat der gebürtige Kölner Betriebswirtschaftslehre in Münster studiert.

          Vor seinem Eintritt in die Grillo-Werke im Jahr 2001 hat er berufliche Erfahrungen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, der Beratungsgruppe A.T. Kearney und der Düsseldorfer Rheinmetall-Gruppe gesammelt. Der Vollblut-Unternehmer kann also nicht nur Mittelstand.

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