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Suchanfragen-Ranking : Uli Hoeneß ist Google-König des Jahres 2014

Uli Hoeneß: Bei Google Nummer eins Bild: dpa

Kein Manager-Name wurde häufiger bei Google eingetippt als der von Uli Hoeneß. Auf Platz zwei folgt ihm der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff – die zwei unterhaltsamsten Manager-Schicksale des Jahres.

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          Am Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen – auch beim Internetkonzern Google, der über die Suchanfragen seiner Nutzer alles darüber weiß, was die Welt gerade bewegt. Wie viel Geld sich mit diesem Datenschatz heute und noch sehr viel mehr in der Zukunft verdienen lässt, ist das eine. Unter der Internetadresse google.de/trends ist aber jedermann und jederzeit möglich, zu analysieren, was gerade das meiste Interesse auf sich zieht.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Und zum Jahresende legt Google auch selbst seine traditionelle „Zeitgeist“-Studie vor – multimedial aufbereitet, samt Jahresrückblicksvideo. Man darf davon ausgehen, dass niemand anders auf der Welt über eine derartig valide Datenbasis für sein Rückblicksvideo verfügt als Google. Schließlich handelt es sich um Billionen Suchanfragen.

          Für die F.A.Z. hat Google im Vorgriff auf die Veröffentlichung des „Zeitgeist“ nachgesehen, welche deutschen Manager in diesem Jahr das größte (Such-)Interesse auf sich gezogen haben. Die Ergebnisse sind für 2014 allerdings so eindeutig, dass man auf sie vermutlich auch ohne die großen Google-Rechenzentren gekommen wäre: Am ehemaligen Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, und am ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Bertelsmann und Arcandor/Karstadt, Thomas Middelhoff, führte in diesem Jahr kaum eine Manager-Internetsuche vorbei.

          Fehler der Manager – amüsant für die Sucher

          Nach beiden Managern ist jeweils mindestens doppelt so häufig wie im vergangenen Jahr gesucht worden. Und das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Menschen vor allem für das Leid anderer interessieren, vor allem, wenn diese es sich durch erhebliches Fehlverhalten selbst eingebrockt haben.

          Nach nur vier Verhandlungstagen wurde Hoeneß im Sommer zu dreieinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt. Die zuständige Strafkammer bezifferte die Steuerschuld auf 28,5 Millionen Euro. Das Essener Landgericht wiederum hat Middelhoff im November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft (immerhin ein halbes Jahr weniger als Hoeneß) verurteilt.

          Das Urteil gegen Middelhoff, der die Vorwürfe stets bestritt, ist auch noch nicht rechtskräftig. Dennoch erließ das Gericht wegen Fluchtgefahr einen Haftbefehl gegen den Manager. Im Gefängnis können beide nun von der Hektik ihres vormaligen Alltags Abstand nehmen, wären draußen die Computer angeworfen wurden, um alles über die Verfehlungen der beiden herauszufinden. Bei Middelhoff war das im Laufe des Jahres sehr unterhaltsam, sprang er doch einmal auf der Flucht vor den Journalisten sogar aus dem Fenster des Gerichtsgebäudes.

          Oliver Samwer auf Platz 4

          Interessiert sind die Menschen aber auch an echten Erfolgsgeschichten, zumal dann, wenn diejenigen, die diese Geschichten schreiben, ein wenig schillernd sind. Dafür steht Oliver Samwer, Milliardär und noch nicht viel mehr als 40 Jahre alt. Samwer hat zwei seiner Unternehmen an die Börse gebracht, den Internet-Schuhversender Zalando und die Internet-Beteiligungsholding Rocket Internet.

          Lonely at the Top: Uli Hoeneß wurde bei Google mit deutlichem Abstand am häufigsten gesucht.

          Jetzt sind Samwer und seine Brüder, die ohnehin schon aus gutem Hause stammen, steinreich. Kein Wunder also, dass sich die Suchanfragen nach Oliver Samwer in den vergangenen zwölf Monaten beinahe vervierfacht haben. In einigen Frankfurter Bankentürmen hingegen werden sich die Manager zurücklehnen und sich darüber freuen, dass das Interesse an ihnen doch stark nachgelassen hat.

          Finanzmanager in diesem Jahr weniger gesucht

          Das Jahr 2014 war jedenfalls einmal keines, das für wieder neue Aufregung in der Finanzwelt gesorgt hätte. Sowohl nach Jürgen Fitschen und Anshu Jain von der Deutschen Bank als auch nach Martin Blessing von der Commerzbank ist in diesem Jahr deutlich seltener gesucht worden als noch im Jahr zuvor. Und auch die Autowelt hat im vergangenen Jahr mehr Interesse auf sich gezogen als 2014: Nach den meisten einschlägigen Vorstandsvorsitzenden von Autokonzernen wie zum Beispiel Dieter Zetsche von Daimler oder Martin Winterkorn ist jedenfalls spürbar weniger im Netz gefahndet worden.

          Carsten Spohr von der Lufthansa hingegen war im vergangenen Jahr noch gar nicht Chef der Fluggesellschaft und hatte zudem mit einigen Streiks zu kämpfen, entsprechend folgt ein Sprung nach oben in den Suchanfragen. Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer wiederum dürfte in seiner Suchbekanntheit nicht nur von der Fußball-Weltmeisterschaft profitiert haben, sondern auch von dem für ihn unbequemen Gerücht, dass sein Unternehmen derzeit von sogenannten aktivistischen Aktionären angegriffen wird, die dem Management danach die Hölle heiß machen. Ob daraus wirklich etwas geworden ist, könnte man dann im kommenden Jahr einmal googeln.

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