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Uli Hoeneß : Absturz in vier Tagen

Uli Hoeneß wird zum Straftäter Ulrich H. Bild: dpa

Das Gericht hat das Bild von Uli Hoeneß als moralische Instanz zurechtgerückt. Nun muss der Straftäter Ulrich H. seinen Schaden wiedergutmachen. Aber wie?

          Es war eine niederschmetternde Woche für Uli Hoeneß. In nur vier Tagen ist mit dem Idol einer Fußballgeneration, mit dem Vorbild für so manchen mittelständischen Unternehmer gnadenlos aufgeräumt worden. Hoeneß wurde der Öffentlichkeit vorgeführt als Börsenspekulant mit verbrecherischer Ader. Richter Rupert Heindl ahndete nicht nur Hoeneß’ Straftat, er rückte in seiner Urteilsbegründung mit wenigen Worten auch das Bild einer moralischen Instanz zurecht, zu der Hoeneß immer verklärt wurde: „Sie waren getrieben von der Angst vor Entdeckung. Sie hatten viele Jahre Zeit, Ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Sie haben es nicht getan, sondern, wie Sie selbst eingeräumt haben, auf Zeit gespielt.“

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Es ist beinahe so, als sei das erste Leben von Ulrich „Uli“ Hoeneß, geboren in Ulm als Sohn des Metzgers Erwin Hoeneß und dessen Frau Paula, seit Donnerstag beendet. Als beginne nun ein zweites, das des Straftäters Ulrich H., der Steuerhinterziehung angeklagt und verurteilt zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Am Freitag, einen Tag nach dem Urteilsspruch, trat Hoeneß als Präsident des FC Bayern München und als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Er verzichtete auch auf eine Revision. „Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung“, ließ er in einer persönlichen Erklärung mitteilen.

          Er reiht sich nun ein in die Reihe anderer prominenter Steuersünder. Boris Becker, der einstige Tennisstar, zog Anfang der neunziger Jahre zwar ins Steuerparadies Monaco, weilte aber zu oft in seiner Münchner Wahlheimat, weshalb er 3,1 Millionen Euro Steuern nachzahlen musste und eine Strafe von 500.000 Euro sowie zwei Jahre auf Bewährung kassierte. Oder Klaus Zumwinkel, der ehemalige Post-Chef, dem eine Steuer-CD zum Verhängnis wurde, und der zwei Jahre auf Bewährung und eine Geldbuße von 1 Million Euro erhielt. Und dann ist da noch Peter Graf, der Vater und langjährige Trainer von Tennislegende Steffi Graf, der 12,3 Millionen Mark hinterzogen hatte und vom Landgericht Mannheim sogar für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis geschickt wurde; Graf kam nach 25 Monaten frei.

          Hoeneß hat in seinem ersten Leben gut verdient

          Auf Hoeneß kommen abgesehen von der Gefängnisstrafe nun hohe Geldstrafen zu. Es geht um die Wiedergutmachung des Hinterziehungsbetrags, den Richter Heindl auf 28,5 Millionen Euro beziffert. Eine Summe, die ein Normalverdiener in seinem gesamten Berufsleben nie zusammenbekommen wird, hat Hoeneß dem Fiskus vorenthalten. Und trotzdem sagt er vor Gericht einen Satz, der in den Ohren vieler Sozialhilfeempfänger wie Hohn klingen muss: „Ich bin kein Sozialschmarotzer.“

          Hoeneß wird an die Staatskasse wohl bis zu 50 Millionen Euro zahlen müssen, denn zusätzlich zu seiner Steuerschuld addieren sich Verzugszinsen und ein Strafzuschlag. Bislang hat Hoeneß 10 Millionen Euro bezahlt und eine Kaution von mehreren Millionen Euro hinterlegt, damit ein Haftbefehl gegen ihn außer Vollzug gesetzt wurde. Aber wie kann Hoeneß die Restschuld begleichen, fragten sich noch am Donnerstag Prozessbeobachter im Münchner Justizpalast. „Das wird hart, aber es wird in den nächsten Wochen unter Aufbieten aller Kräfte passieren“, sagte Hoeneß’ Verteidiger Hanns W. Feigen.

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