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Arbeitsmarkt : Von wegen Überstunden-Skandal!

Pro Kopf geht die Zahl der unbezahlten Überstunden sogar zurück. Bild: dpa

1,8 Milliarden Überstunden haben die Deutschen geleistet im vergangenen Jahr. Die Linkspartei klagt über die Unternehmen. Zu Unrecht. Tatsächlich geht der Trend in die andere Richtung.

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          Gibt es eine alarmierende Entwicklung im Bereich der Überstunden in Deutschland? Die „Saarbrücker Zeitung“ berichtet, dass deutsche Arbeitnehmer im vergangenen Jahr etwa 1,8 Milliarden Überstunden  geleistet haben damit gut ein Prozent mehr als 2014. Dazu zitiert das Blatt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Für die Politikerin zeigen die Zahlen, wie eng die Personaldecke in den Unternehmen sei. Überstunden seien ein Spiegelbild von Arbeitsverdichtung und zunehmendem Stress. „Deutschland würde ein wahres Jobwunder erleben, wenn die Unternehmen, statt Überstunden zu verlangen, Stellen einrichten würden“, heißt es. Was ist dran an dieser These?

          Unternehmen schaffen Stellen

          Die Zahlen stammen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem wissenschaftlichen Arm der Bundesagentur für Arbeit und wurden schon Anfang Juni veröffentlicht. Für Aufregung sorgten sie bislang nicht – kein Wunder. Schließlich ist das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland dank der guten Wirtschaftsentwicklung in derselben Zeit um 1,2 Prozent und damit noch stärker als das Volumen der Überstunden gestiegen. „Es hat sich im Jahresvergleich nichts getan“, sagt Enzo Weber vom IAB gegenüber FAZ.NET.

          Aussagekräftiger als das Gesamtvolumen ist die Entwicklung der Überstunden je Kopf, und hier zeigt sich: Die Zahl der unbezahlten Überstunden je Arbeitnehmer ist sogar minimal auf 25,7 gesunken, die der bezahlten leicht auf 21,1 gestiegen. Es sei nicht zu sehen, dass die Überstunden zunehmen, so Weber.

          Im Gegenteil: Im Zehnjahresvergleich ergibt sich ein deutlicher Rückgang. Damals betrug die unbezahlte Mehrarbeit rund 35 Stunden je Beschäftigtem. IAB-Wissenschaftler Weber weist darauf hin, dass unbezahlte Überstunden in der Regel von Führungskräften geleistet würden, deren Mehrarbeit mit einer außer-tariflichen Bezahlung abgegolten wird. Der durchschnittliche Produktionsmitarbeiter bekomme die Zusatzarbeit in der Regel bezahlt oder auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben.

          Über das absolute Niveau der Überstunden lasse sich immer streiten, sagt Weber weiter. Von Seiten der Wirtschaft wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Überstunden ein Instrument zur sogenannten internen Flexibilisierung sind - wenn zum Beispiel größere Aufträge abgearbeitet werden müssen.

          Ein Blick auf die Entwicklung der Arbeitnehmerzahl zeigt  überdies, dass die Unternehmen seit Jahren neue Stellen schaffen. Wie die IAB-Statistik aufführt, legte die Zahl der Arbeitnehmer im Jahr 2015 um rund mehr als 400.000 auf 38,7 Millionen zu. Zehn Jahre zuvor waren es nur 34,9 Millionen gewesen.

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