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Trend : Autokäufern ist die Marke zunehmend egal

Ist die Marke Autokäufern bald egal? Nach einer neuen Untersuchung lautet die Antwort: Ja. Bild: dapd

Wer sich in Zukunft ein Auto kauft, schaut immer weniger auf: Preis, Leistung, Fahrverhalten – und Hersteller. Etwas anderes wird viel wichtiger.

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          Der Verkauf von Neuwagen an Privatkunden hat sich zuletzt zwar etwas gesteigert – dem tiefen Benzinpreis und niedrigen Zinsen sei Dank. Grundsätzlich aber gilt weiterhin, dass immer weniger Menschen in Deutschland einen Neuwagen kaufen. Vielleicht mangelt es an Fahrzeugmodellen, die den Autokäufer von heute ansprechen und seine individuellen Bedürfnisse erfüllen. Denn trotz der angebotenen Modellvielfalt mit ihren Individualisierungs-Möglichkeiten gibt es hier noch viel Luft nach oben.

          Dabei könnten vernetzte Technologien schon bald wichtiger als die Motorleistung oder die Antriebsvariante sein. Schließlich wandelt sich das Auto gerade vom bloßen Fortbewegungsmittel zum digitalen Partner auf vier Rädern, der optimal mit seinem Besitzer interagiert. Und spätestens wenn das Auto die Musik nach seiner Stimmungslage auswählt und Restaurants entsprechend des Geschmacks empfiehlt, bekommt es wieder Charakter – so jedenfalls die Hoffnung der Industrie.

          Verbrauch und Sicherheit ganz oben

          Dabei stellt sich nur die Frage, ob der deutsche Verbraucher ein derartiges Fahrzeug überhaupt kaufen würde, und wie sensibel er auf entsprechend steigende Preise reagieren würde. Diese und weitere Fragen beleuchtet eine Befragung von 1000 Privatpersonen, die im Mai dieses Jahres von der Lease Trend AG in Auftrag gegeben wurde. Dabei wurden Personen befragt, die den Kauf eines Fahrzeugs planen oder vor kurzem ein Fahrzeug gekauft haben.

          Die wichtigsten Ergebnisse: Auch wenn klassische Antriebe zunehmend kritisch gesehen werden, spielt der Umweltaspekt bislang nur eine untergeordnete Rolle: Während bei mehr als einem Drittel der Autokäufer Leistung und Fahrverhalten ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, legen nur 6 Prozent der Befragten auf einen alternativen, umweltfreundlichen Antrieb Wert. Gleiches gilt für den Wiederverkaufswert, Finanzierungsangebote sowie die Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme, die laut Umfrage für die Wenigsten ein Kaufgrund sind. Das gilt aber nur für das Hier und Jetzt.

          Bis zum Jahr 2030 aber werden sich die Präferenzen beim Autokauf deutlich verschieben, wenn man den Umfrageergebnissen trauen kann: Dann wird eine umweltverträgliche Antriebsvariante für nahezu jeden zweiten Autokäufer das wichtigste Entscheidungskriterium sein (49 Prozent, aktuell 6 Prozent). Darüber hinaus werden Verbrauch (48 Prozent) und Sicherheit (39 Prozent) künftig ganz oben auf der Prioritätenliste der Autokäufer rangieren.

          Die Kriterien Preis, Leistung und Fahrverhalten, Marke und Modell sowie Ausstattung und Komfort verlieren dagegen deutlich an Relevanz. Den Trend zur Konnektivität erkennen die Befragten etwas verspätet: Bis 2030 steigt die Bedeutung von Vernetzung und autonomen Fahren von 4 auf 29 Prozent und schafft es damit in die Top Fünf der relevanten Faktoren beim Autokauf.

          Und was ist heute wichtig? Obwohl der Komfort deutschen Autofahrern extrem wichtig ist, wären momentan nur 31 Prozent der Befragten dazu bereit, sich ein autonomes Fahrzeug anzuschaffen: Auch wenn die Zukunftsvision vom fahrerlosen Fahren der Gesellschaft einen deutlichen Mehrwert verspricht, überwiegen in der Wahrnehmung der Autofahrer die Nachteile: Am meisten fürchten sie den Kontrollverlust (61 Prozent), Angriffe von Hackern (52 Prozent) und dass der Spaß am Fahren auf der Strecke bleibt (51 Prozent). Darüber hinaus zählen der Datenmissbrauch (44 Prozent) und der Entzug der persönlichen Freiheit (37 Prozent) zu den negativen Aspekten der Roboterfahrzeuge. Der Erfolg des Roboterautos hängt nicht nur von der Technik, sondern letztendlich vor allem vom Preis ab: Drei Viertel der befragten Autokäufer sind allerdings nicht dazu bereit, einen Aufpreis für die entsprechenden Ausstattungsmerkmale zu zahlen.

          44 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Auto für Mobilität und Unabhängigkeit steht. Dieser Gesichtspunkt ist Frauen (54 Prozent) wichtiger als Männern (40 Prozent). Nur 3 Prozent der Befragten stehen allerdings zu der innigen Beziehung und sehen in ihrem Fahrzeug ein Statussymbol. 17 Prozent der Autokäufer bezeichnen ihr Auto dagegen als reinen Gebrauchsgegenstand. Dabei scheint die Zuneigung mit zunehmendem Alter zu schwinden: Im Gegensatz zur jungen Zielgruppe unter 30 Jahre (12 Prozent) sehen 23 Prozent der über 50 Jahre alten Befragten das eigene Auto lediglich als Mittel zum Zweck. Gleiches gilt für die Befragten, deren Gehalt unter 2000 Euro im Monat liegt (20 Prozent).

          Ob Neu- oder Gebrauchtwagen – der Preis ist für 60 Prozent der Befragten derzeit noch der primäre Entscheidungsfaktor beim Autokauf. Auf dem zweiten Rang landen der Verbrauch und die Unterhaltungskosten (50 Prozent). Den dritten Platz teilen sich die Aspekte Sicherheit, Ausstattung und Komfort, die für 37 Prozent der Autokäufer relevant sind. Aber die Gewichte verschieben sich.

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