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Tchibo-Erben : Die merkwürdige Milliardärsfamilie Herz

Vapiano-Filiale in Frankfurt: Eine neue Perle in Günter Herz' Depot Bild: Julia Zimmermann

Die Tchibo-Erben kämpfen noch im Rentenalter darum, wer des Vaters würdig ist. Pferdeverrückt und erfolgsbesessen, das war der Firmengründer so wie heute seine Kinder. Nun landet der Älteste den nächsten Coup und kauft Vapiano.

          Für solche Momente lebt Günter Herz. Auf der Tribüne der Trabrennbahn Solvalla ist es totenstill. Letzter Maisonntag in Schweden, gerade sind die besten Rennpferde der Welt ins Ziel galoppiert. Nun beugen sich die Schiedsrichter über das Zielfoto. Es zeigt eine Sensation. Gewinner mit hauchdünnem Vorsprung ist: Brioni, ein deutscher Hengst und krasser Außenseiter. Wettquote: 270 zu 10. Günter Herz wettet nicht. Gewonnen hat er trotzdem.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Brioni kommt aus seinem Stall, aufgezogen auf den 300 Hektar von Gut Lasbek bei Hamburg. 340 000 Euro bringt der jüngste Sieg, schraubt Brionis Gewinnsumme auf 1,2 Millionen empor, zehn Prozent erhält Züchter Herz. Peanuts sind das für den ältesten Erben des Kaffeeimperiums Tchibo.

          Herz investiert einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Edelkantine

          Vor Jahren hat er nach jahrelangem Streit gemeinsam mit Schwester Daniela der restlichen Familie seine Anteile verkauft und dafür 4,1 Milliarden Euro kassiert. Auch ohne Preisgeld müsste Günter also nicht im Bus heimfahren bis zur Hamburger Außenalster, wo die Villa steht. Aber darum geht es nicht. Schon damals in den 50er Jahren, als der Vater und Tchibo-Gründer Max Herz noch lebte, war die Familie pferdeverrückt - und erfolgsbesessen. Die Pferde von Günters Brüdern Michael und Wolfgang haben längst nicht so viel Preisgeld eingerannt, sind ergo weniger erfolgreich.

          Das Erbe von Vater Max Herz: Ein Tchibo-Shop in Hamburg

          Nur diese Währung zählt im Staate Herz. „Ich liebe dieses Pferd“, sagt Günter Herz. Wie Musik klingt das Italienisch in den Ohren. Brioni hat geliefert. Jetzt soll auch Vapiano die Brüder in Sachen Rendite übertrumpfen. Vapiano ist kein Pferd. So heißt die Bonner Restaurantkette mit 94 Läden. Seit vergangener Woche ist sie Teil von Günter Herz' Depot.

          Gemeinsam mit Schwester Daniela steigt Herz ein, kauft 40 Prozent der Anteile. Der Preis wird auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Vapiano ist ein besserer McDonald's für Pizza und Pasta, eine Edelkantine mit Selbstbedienung für Leute, die mal eben passabel italienisch essen, aber dafür nicht gleich mehr als 20 Euro ausgeben wollen. Der Erfolg ist gewaltig, der Umsatz steigt rasant, jetzt soll das Konzept die Welt erobern. Günter Herz lässt keinen Zweifel daran, dass er die Mehrheit übernehmen wird, wenn er die Gelegenheit dazu erhält - im Fall einer Kapitalerhöhung etwa, wenn die teure Expansion nach Liquidität verlangt. Wann, wie, sagt Günter Herz nicht. Über Geld spricht man nicht, so hat er es vom Vater gelernt. Man vermehrt es - und zwar möglichst schneller als die Brüder.

          Mit denen steht Günter Herz auch im Alter von 70 Jahren noch im Wettbewerb - nach wie vor. Drei Jahre ist es erst her, dass die Familie an einem Junitag in der Hamburger St.-Johannis-Kirche zusammentraf. Eine Woche zuvor hatte in Amerika eine Schiffsschraube den schwimmenden Bruder Joachim erfasst. Er wurde 66 Jahre alt.

          Schon im Sandkasten lernen die Herz-Kinder, was Wettbewerb heißt

          Für einen Moment stand die Familie nach jahrzehntelangem Streit wieder zusammen. Doch die Konkurrenz in den Köpfen will nicht so einfach verschwinden, dafür erzählt diese hanseatische Kaufmannssaga von zu vielen tiefen Kränkungen. Schon im Sandkasten lernen die Herz-Kinder, was Wettbewerb heißt.

          Der Vater lebt ihn vor: Max Herz, eine Gründerlegende wie Grundig, zieht nach dem Krieg einen Versandhandel für Röstkaffee auf, kommt mit der Lieferung kaum hinterher. Mitte der 60er Jahre besitzt er 400 Filialen. Die fünf Kinder hält er stramm. Es gibt zwar Reitunterricht, aber wenig Taschengeld: „Ich will nicht, dass sie Playboys werden.“ Sich selbst lässt der patente Patriarch einen Palast an der Außenalster bauen, urlaubt an der Côte d'Azur und stirbt mit 59 Jahren nach einem Herzinfarkt, viel zu früh. Was bleibt, ist Schmerz - und ein kryptisches Testament: Zwei seiner „befähigsten Jungen“ sollen Tchibo übernehmen. Jeder der Brüder fühlt sich angesprochen.

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