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Anlegeverhalten: Wenig Risiko : Milieu bestimmt Sparverhalten

Anlegeverhalten der deutschen Mittelschicht: Das soziale Milieu entscheidet Bild: dpa

Wie knausern die Deutschen? Eine Studie gibt Aufschluss über das Sparverhalten der Mittelschicht. Die meisten davon sind im Ruhestand und setzen auf sichere Anlagen.

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          Fast zwei Drittel der deutschen Privathaushalte gehören zur Mittelschicht und prägen damit das Bild des deutschen Sparers. Eine Studie der Fondsgesellschaft Union Invest, durchgeführt vom Handelsblatt Research Institute, zeichnet ein differenziertes Bild des Sparverhaltens dieser Gesellschaftsschicht. Eine Erkenntnis der Studie ist, dass verfügbares Einkommen und Bildungsniveau das Sparverhalten deutlich weniger beeinflussen als angenommen, dagegen Wertvorstellungen und Lebensbild, kurz das soziale Milieu, umso mehr.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fünf dieser Milieus hat die Studie identifiziert. Der traditionelle Mittelschichtsparer ist wirtschaftlich gut versorgt und bevorzugt sichere und liquide Geldanlagen wie Sparbücher oder festverzinsliche Wertpapiere. Drei Viertel dieser Gruppe sind im Ruhestand. Die leistungs- und anpassungsbereite bürgerliche Mitte ist im Durchschnitt Anfang fünfzig. Sie spart stetig, häufig in Lebensversicherungen und Bausparverträgen.

          Sichere Anlagen werden bevorzugt. Die hedonistische Mitte ist die junge moderne untere Mittelschicht. Im Durchschnitt unter vierzig Jahren und häufig noch in Ausbildung, verfügt sie über wenig Vermögen, betreibt kaum Vorsorge und steht der Leistungsgesellschaft skeptisch gegenüber. Eine kleinere Gruppe sind die Sozialökologischen: Größtenteils Akademiker, häufig Beamte, sind sie oft konsum- und globalisierungskritische „Alt-68er“ und Anhänger der Grünen. Jedoch wird breit vorgesorgt: mit Immobilien und auffällig häufig mit Investmentfondsanteilen.

          Fünf Milieus, eine Gemeinsamkeit: Wenig Risiko

          Die Adaptiv-pragmatischen erscheinen als jüngere Variante der bürgerlichen Mitte: Anpassungsbereit, statusorientiert und häufiger berufstätig als die Hedonisten, wollen sie ihre Kapitalanlagen optimieren, streben den Besitz von Immobilien als Altersvorsorge an und haben überdurchschnittliches Interesse an Investmentfonds. Das milieubezogene Sparverhalten zeigt sich stabil: Haushalte mit gleichem Einkommen aus unterschiedlichen Milieus sparen sehr unterschiedlich.

          Die jüngeren Gruppen der Hedonisten und Adaptiv-Pragmatischen prägen laut Studie das Muster der Mittelschicht von morgen: Es besteht Interesse an Geldanlage und Altersvorsorge, weil man sich nicht ausreichend für das Alter abgesichert fühlt. Ansonsten aber dominiert das kurzfristige Zielsparen, da die Bereitschaft zu längerfristigem Konsumverzicht sinkt, weshalb liquide Anlageformen beliebt sind. Ob es wirklich die „Aktiensparer von morgen“ sind, wie es in der Studie heißt, wird sich zeigen:

          Auch wenn sich die Gruppen selbst für risikobereit halten, ist das tatsächliche Sparverhalten eher sicherheitsorientiert. Mit zunehmendem Alter könnten sich die Werte wandeln und diese Gruppen sich den älteren Milieus annähern. Letztere sehen sich derzeit allerdings unter Veränderungsdruck, weil das klassische Modell ihrer Geldanlage nicht mehr funktioniert.

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