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Streit um Steuern : Depardieu will französische Nationalität zurückgeben

Gérard Depardieu. Bild: dapd

85 Prozent seines Einkommens zahlt Schauspieler Gérard Depardieu an Steuern. Deshalb ist er nach Belgien gezogen - und gibt jetzt auch seinen französischen Pass zurück.

          2 Min.

          Auf Steuereintreiber war Obelix nie gut zu sprechen - zumal wenn sie aus Rom kamen. Bekanntlich zogen die Finanzbeamten den Kürzeren, wenn sie beim widerspenstigen Gallier und seinem Freund Asterix vorstellig wurden. Im echten Leben widersetzt sich der französische Obelix-Darsteller Gérard Depardieu jetzt ebenfalls dem Fiskus, diesmal jenem in Paris. Doch er kann die Steuerbeamten nicht in die Flucht schlagen und nimmt Reißaus. Seinen Umzug nach Belgien hatte der Filmstar in der vergangenen Woche schon bekanntgegeben, jetzt will er auch die französische Staatsbürgerschaft zurückgeben, wie er in einem offenen Brief am Sonntag im „Journal du Dimanche“ bekanntgab.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Rom.

          Dem französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault, der seinen Wegzug im Fernsehen als „erbärmlich“ gescholten hatte, schleuderte der Schauspieler Worte entgegen, die auch aus den von Depardieu geprägten Filmdramen „Cyrano de Bergerac“ oder „Les Misérables“ stammen könnten: „Wir haben nicht mehr das gleiche Vaterland“. Als „echter Europäer und Weltbürger“ kehre er seiner Heimat den Rücken.

          85 Prozent Steuern

          Der Mann, der Balzac, Danton, Napoleon und den Kardinal Mazarin spielte, beteuert in seinem offenen Brief seine „Liebe zu Frankreich“. Doch in diesem Jahr zahle er 85 Prozent seines Einkommens an Steuern. Überhaupt habe er, der mit vierzehn Jahren als Druckerlehrling zu arbeiten begann und nie einen Centime von den staatlichen Sozialkassen annahm, in 45 Jahren Berufsleben 145 Millionen Euro an Steuern bezahlt. 80 Mitarbeiter beschäftige er in seinem kleinen Firmennetzwerk, zu dem Restaurants, Hotels, Weingüter, Immobilien und eine Filmproduktion gehören. Solche Leistungen würden heute in Frankreich mit Füßen getreten werden. „Sie meinen, dass der Erfolg, die Kreativität, das Talent, all jene, die einen Unterschied machen, bestraft werden müssen“, schrieb er dem Premierminister.

          Sein luxuriöses Wohnhaus im teuren Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Près (1800 Quadratmeter, mit Garten, Terrasse und Schwimmbad) hat Depardieu in der vergangenen Woche zum Verkauf gestellt. 50 Millionen Euro könnte er an Verkaufseinnahmen erwarten, schätzen Immobilienexperten. Das dürfte reichen, um seine neue Bleibe in einem kleinen belgischen Dorf, einen Steinwurf entfernt von der französisch-belgischen Grenze, zu finanzieren.

          Seitens der Regierung erntete Depardieu am Sonntag erwartungsgemäß Kritik. Die Kulturministerin Aurélie Filippetti nannte das Verhalten des Schauspielers „skandalös“. Der Minister für die Parlamentsbeziehungen, Alain Vidalies, zeigte sich „schockiert“. Die ehemalige Ministerin der bürgerlichen Vorgängerregierung, Nadine Morano, erklärte Depardieu dagegen zum „Opfer des neuen Steuerknüppels“ der Sozialisten.

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