https://www.faz.net/-gqe-89wv9

Kreativität und Wahnsinn : Steve Jobs lebt!

Michael Fassbender als Steve Jobs in einer Szene des Films über den Apple-Gründer, der am 12. November in die Kinos kommt. Bild: dpa

Ist er ein Held oder Despot: Das Image des Apple-Gründers kennt nur Extreme. Zwei Filme und ein Buch befeuern den Streit der Deutungen über Steve Jobs.

          Schon 1985, 15 Jahre bevor Steve Jobs endlich Vorstandsvorsitzender seines selbstgegründeten Unternehmens werden durfte, war er der „Wheelchairman of the Board“. Denn Jobs stellte seinen silbernen Mercedes immer auf dem Behindertenparkplatz ab, weil der am nächsten zur Eingangstür des Apple-Hauptquartiers in Cupertino lag – und ihm dieser Rollstuhlfahrer-Platz nach eigener Ansicht als Vorstandsmitglied zustand. Jean-Louis Gassée, damals Chef der Entwicklungsabteilung von Apple, soll eines Tages, als Jobs mal wieder rüde an ihm vorbeihastete, gedankenverloren gesagt haben: „Oh, mir ist nie aufgefallen, dass der Platz für Menschen mit emotionaler Behinderung reserviert ist.“

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Steve Jobs war nie sonderlich beliebt bei seinen Mitarbeitern, manche hassten ihn sogar. Einige seiner engsten Vertrauten im Unternehmen konnten nie verstehen, wieso Jobs schon zu Lebzeiten von Apple-Fans gefeiert werden konnte, obwohl er so ein schrecklicher Chef und Egomane war. Lange bevor Jobs zuerst mit dem iPod und dann dem iPhone auch hierzulande zum iGott heranwuchs, war er in der Technikwelt ein Star. Doch in seinem Unternehmen benahm er sich oft wie ein Despot.

          Jetzt, vier Jahre nach dem Tod des Apple-Gründers, ist der Kampf um das Vermächtnis und den Ruf des Toten in vollem Gange. In der nächsten Woche kommt ein Film über Jobs in Deutschland ins Kino, und die deutsche Übersetzung einer neuen Biographie kommt in die Buchhandlungen, ein Dokumentarfilm über Steve Jobs läuft seit September in amerikanischen Kinos.

          Kreativität und Wahnsinn

          Auf Googles Videoplattform Youtube kann man sich schon seit Jahren ein eigenes Bild machen. Dort gibt es einen Kanal, der von sich behauptet, alle öffentlichen Auftritte von Steve Jobs zu zeigen. Über 17 Millionen Mal wurden die Videos dort schon angeklickt, zu den beliebtesten gehören Zusammenschnitte von Steve Jobs’ besten Witzen und Steve Jobs’ größten Ausrastern auf der Bühne. Schon da spiegeln sich die beiden Seiten eines Mannes, der Kreativität und Wahnsinn gleichermaßen verkörpert.

          Jedoch war die unangenehme Seite des Apple-Gründers für die Öffentlichkeit bis zu seinem Tod nicht sehr sichtbar. Während nach dem Tod gemeinhin eher positiver über einen Menschen gesprochen wird als zuvor, haben bei Steve Jobs die unschmeichelhaften Details in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das könnte daran liegen, dass sich Jobs nun nicht mehr wehren kann. Und daran, dass der Wahnsinn auch gerne als notwendig gilt, damit jemand zum wirklichen Genie erklärt werden kann.

          Das Original-Apple-Macintosh-Team im Film: Michael Stuhlbarg als Andy Hertzfeld, Michael Fassbender als Steve Jobs und Kate Winslet als Joanna Hoffman. Bilderstrecke

          Das neue Buch „Becoming Steve Jobs“ der beiden amerikanischen Journalisten Brent Schlender und Rick Tetzeli allerdings widmet sich weniger dieser dunklen Seite, sondern erzählt die Geschichte einer Wandlung: vom Despoten zum sympathischen Anführer. Über 25 Jahre hat Schlender Jobs immer wieder begleitet und über ihn berichtet, 1991 schaffte er es sogar, die erbitterten Rivalen Bill Gates und Steve Jobs für das „Fortune“-Magazin zu einem Doppelinterview zu überreden. Seine Anekdoten, die er mit Tetzeli notiert hat, sollen ein Gegengewicht herstellen zu den Ferndiagnosen, die in den vergangenen Jahren auf den Markt kamen. Und vor allem zur autorisierten Biographie des Journalisten Walter Isaacson, den Jobs als einzigen ganz nah an sich ranließ.

          Schlender und Tetzeli versuchen, ein positives Bild des Multimillionärs zu zeichnen. Dabei bekommen die Autoren Unterstützung von Apple. Dem Unternehmen liegt ebenfalls viel daran, seinen ehemaligen Chef möglichst sympathisch dastehen zu lassen. Biograf Isaacson hatte zwar in über 40 Stunden in Exklusivinterviews mit Jobs über dessen Leben geredet, doch die Apple-Verantwortlichen waren entsetzt, als das Buch erschien. So sagte Apples CEO Tim Cook, dass die Biographie Steve Jobs wahrlich keinen Gefallen getan hätte. „Die Person über die ich dort lese, ist jemand, mit dem ich niemals hätte zusammenarbeiten wollen.“ Cook arbeitet seit 1998 bei Apple, im Jahr 2011 folgte er auf Jobs als Vorstandsvorsitzender.

          Weitere Themen

          Axel Voss auf der Gamescom Video-Seite öffnen

          „Dont kill the Messenger“ : Axel Voss auf der Gamescom

          Wir haben einen Rundgang über das Kölner Messegelände mit Axel Voss, dem wohl polarisierendsten Besucher der diesjährigen Gamescom unternommen und uns mit ihm über die Debatte um Artikel 13, seine Bekanntheit bei jüngeren Gamern und Minecraft unterhalten.

          Topmeldungen

          Am Rande des G-7-Gipfels : Wie es Macron gelang, Trump gnädig zu stimmen

          Der französische Präsident präsentiert sich in Biarritz als Überraschungskünstler: Er hat den erwartet sperrigsten Gipfelteilnehmer vorläufig gezähmt – und scheut dabei nicht vor einem Trick zurück.

          Amazonas-Brände : Warum sind wir so passiv?

          Der Regenwald brennt. Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Ein verzweifelter Aufruf von Brasiliens bekanntestem Naturfotografen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.