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Steiff-Chefin Katja Thoma : Luxus und Kuschelfaktor

  • -Aktualisiert am
Katja Thoma
          3 Min.

          Ein kleines braunes Bärchen baumelt an der geräumigen blauen Prada-Tasche von Katja Thoma, erkennbar ein treuer Weggefährte, so abgewetzt, wie sein Fell schon ist. In ihrem ersten Gespräch in Sachen Steiff war der kleine Bär auch schon dabei, erzählt sie und lächelt vielsagend: Da hat einiges zusammen gepasst, als Steiff auf der Suche nach einer neuen Führungskraft war und Katja Thoma in diesem Februar als neue Chefin anheuerte.

          „Man muss zur Kultur passen“ – das hat die 44 Jahre alte Managerin schon vielfach erfahren in ihrer Berufslaufbahn, die sie nach dem Studium als Bekleidungsingenieurin und Betriebswirtin zu verschiedenen Markenartiklern und Luxusgüterunternehmen geführt hat: Für die Modeschöpferin Jil Sander hat sie gearbeitet, für die Familie Hayek (Omega-Uhren) und für Heiner Sefranek (Mustang-Jeans), wo sie die Lizenzprodukte von Wolfgang Joop verantwortete.

          „In den Familienunternehmen geben oft kantige Persönlichkeiten den Ton an, und man hat ein engeres und damit emotionaleres Verhältnis als in einem Konzern“, resümiert Katja Thoma: „Ein Konzernmensch bin ich nicht.“ Die Sache mit den Emotionen gilt für Steiff natürlich erst recht.

          Da ist zunächst die Unternehmensgründerin Margarete Steiff, deren lebensfroher Schaffensdrang der breiten Bevölkerung spätestens ins Bewusstsein gedrungen ist, seit diese Lebensgeschichte mit Heike Makatsch in der Hauptrolle eindrucksvoll verfilmt wurde. Und da sind die Produkte des Hauses Steiff, gegen deren Anziehungskraft sich kaum jemand wehren kann: „Das Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit hat man ein Leben lang“, erklärt Katja Thoma – und obwohl sie mit ihren dunklen, warmen Augen, ihren langen blonden Haaren und ihrem offenen Wesen der Menschheit wahrscheinlich das Blaue vom Himmel herunter verkaufen könnte, analysiert sie die Lage ganz nüchtern.

          Kuschelfunktionen sollen die Tiere von Steiff demnach erfüllen. Zweitens sollen sie auch Spielcharakter haben, weil Kinder damit ihre Phantasiewelt oder eigenes Erleben nachspielen können. Und drittens sollen sie auch einen ästhetischen Anspruch erfüllen: Sammler sollen auch künftig ein Standbein des Geschäftsmodells sein, wenngleich das Sammeln nach Einschätzung von Thoma eher eine im Verschwinden begriffene Zeiterscheinung ist.

          Über Zahlen spricht man nicht bei Steiff

          Aus der aktuellen Bestandsaufnahme will Katja Thoma bis zum Jahresende eine längerfristige Strategie für Steiff entwickeln. Aus ihrer Vita lässt sich ablesen, dass Steiff gleich mehrere Ansatzpunkte sieht, mit Katja Thoma an der Spitze das Geschäft besser zu betreiben als bisher: die textile Kompetenz, die sie zuletzt als Interimsmanagerin bei Sympatex brauchte (mitsamt dem Produktionsverständnis aus dem Ingenieurstudium), aber auch die internationale Erfahrung mit vier Jahren Hongkong und natürlich das erkennbare Faible für Luxus.

          Gut möglich, dass die Managerin eine Idee noch einmal aufgreift, die einer ihrer Vorgänger schon hatte – nämlich Steiff als luxuriöse Marke für allerlei Produkte rund um das Kind zu positionieren. Man habe die Lizenzen damals vielleicht etwas zu rasch vergeben, deutet Thoma an. Von „Fine-Tuning“ für die Strategie spricht Katja Thoma, wohl mit Rücksicht auf die offizielle Darstellung, wonach der frühere Geschäftsführer Martin Frechen Steiff „nach erfolgreicher Neuausrichtung“ verlassen hat. Über Zahlen spricht man nicht bei Steiff. Allerdings zeigen die Pflichtveröffentlichungen schon länger sinkende Umsätze. Für das Familienunternehmen war das umso schwieriger zu verschmerzen, als die Wirtschaftskrise auch noch das größere Geschäft mit Reifen-Ventilen (Alligator GmbH) drastisch schrumpfen ließ. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, lautet der knappe Kommentar der Steiff-Chefin dazu: „Steiff war sehr erfolgreich über viele Jahre hinweg.“ Inzwischen hätten sich die Umsätze „auf gutem Niveau stabilisiert“.

          Das Vermächtnis ist ihr bewusst

          Für gemächliche Weiterentwicklung war Katja Thoma noch nie zuständig. Wo immer sie tätig war, gab es etwas umzukrempeln. Alles andere wäre ihr wahrscheinlich auch zu langweilig. „Was ich mache, mache ich richtig“, sagt sie. Diese Haltung hat sie auch zum Verzicht auf eigene Kinder bewogen: „Als Führungskraft muss man früh aus dem Haus und kommt spät zurück und ist auch oft mehrere Tage unterwegs. Da werden bei Frauen keine Kompromisse gemacht“, ist ihre Erfahrung. „Und je kleiner das Unternehmen, desto unabkömmlicher ist man.“

          Den Ehrgeiz, den sie im Beruf an den Tag legt, hat sie schon als Kind gehabt, erinnert sie sich: „Ich habe mich immer gern an anderen gemessen.“ Ballettunterricht hat sie bekommen, und Klavier hat sie gespielt, ihre jungenhafte Seite wiederum hat sie im Freien ausgelebt, beim Klettern, beim Werkeln und im Kontakt zu den Tieren, die zahlreich vorhanden waren in der Welt ihrer Kindheit, am Lago Maggiore. Auch Kunst und kreatives Schaffen gehörte in diese Zeit: Da bekam die bis dahin vernachlässigte Barbie-Puppe plötzlich einen Sinn, weil man ihr ein Kleid schneidern konnte. Ein Elefäntchen wie dereinst Margarete Steiff habe sie aber nie erschaffen, auch nichts Vergleichbares, sagt sie lächelnd, während sie wie ein Profi-Model vor einem Pop-Art-Gemälde der Firmengründerin für den Fotografen posiert. Aber das Vermächtnis ist ihr bewusst: „Es ist eine Ehre, dort anzuknüpfen, wo eine Frau etwas Großes geschaffen hat.“

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