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Spitzenverdiener im M-Dax : Vorstandsgehälter steigen um ein Drittel

  • -Aktualisiert am

Die Spitzenverdiener im M-Dax Bild: dpa, Helmut Fricke,Verena Müller, dpa

Die Vorstandsvorsitzenden der M-Dax-Konzerne haben 2010 im Durchschnitt 2,35 Millionen Euro verdient. Spitzenverdiener war Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter mit 4,5 Millionen Euro vor Louis Gallois von EADS und Axel Heitmann von Lanxess.

          Mittelgroße deutsche Aktiengesellschaften - so definiert die Deutsche Börse jene Unternehmen, die im Index M-Dax gelistet sind. Was den Börsenwert angeht, mag diese Definition zutreffen. Doch wenn es um die Vergütung der Vorstandsvorsitzenden geht, ist das Wort „mittelgroß“ leicht untertrieben: Etliche der Unternehmenslenker im M-Dax kamen im vergangenen Jahr auf Bezüge, die auch in der ersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne gezahlt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Vergütungsberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (HKP), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorliegt.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Demnach beliefen sich die Gesamtbezüge im Durchschnitt auf 2,35 Millionen Euro. Vergleicht man die Vorstandschefs, die sowohl 2009 als auch 2010 im Amt waren, ergibt sich ein Anstieg um 28 Prozent. Spitzenverdiener war Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Darin enthalten sind Fixgehalt, Bonus, langfristige Gehaltselemente sowie Beiträge zur Altersvorsorge und Nebenleistungen. Auch EADS-Chef Louis Gallois und Lanxess-Chef Axel Heitmann erhielten inklusive aller Extras mehr als 4 Millionen Euro. Diese Größenordnung entspricht in etwa dem Durchschnittsgehalt eines Dax-Vorstandsvorsitzenden. Auch international können sich die Summen sehen lassen: „Früher hieß es, Deutschland sei der Vergütungskeller der Welt“, sagt Studienautor Michael Kramarsch. „Das ist heute nicht mehr so.“

          Kritik üben die Vergütungsberater jedoch weniger an der absoluten Höhe der Bezüge im M-Dax als an der Art des Ausweises. 13 der 50 Unternehmen wiesen die Vorstandsbezüge nicht individuell aus. Zum Kreis der Verweigerer zählt beispielsweise die Axel Springer AG. Das im M-Dax notierte Unternehmen weist nur die Gesamtsumme für den Vorstand von 17,9 Millionen Euro aus. In der Branche heißt es, Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner erhalte davon gut 10 Millionen Euro, womit er selbst den Spitzenverdiener im Dax, Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, übertreffen würde.

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          Auf einen individuellen Ausweis verzichten können Unternehmen, wenn drei Viertel ihrer Anteilseigner dem zustimmen - so steht es im Gesetz. Im M-Dax mit seinem starken Einfluss von Familiengesellschaftern und Private-Equity-Unternehmen stellt dies keine hohe Hürde dar. Ob es die Manager oder die großen Anteilseigner sind, die Interesse an dieser Verschwiegenheit haben, ist nicht immer klar; vieles spricht jedoch dafür, dass die jeweiligen Vorstandsvorsitzenden die treibende Kraft sind.

          Hugo Boss verweigert die Aussage

          So verweigert zum Beispiel der Modekonzern Hugo Boss, mehrheitlich im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft Permira, den Einzelausweis. Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 dagegen, an dem Permira ebenfalls maßgeblich beteiligt ist, weist die Vorstandsgehälter individuell aus. Michael Kramarsch hält die Möglichkeit, sich über die Hauptversammlung von der individuellen Offenlegung befreien zu lassen, für unsinnig; „Wenn der Gesetzgeber Transparenz schaffen will, sollte er nicht solche Schlupflöcher dulden.“

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