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„Sitaras Fitness“ in New York : Wo George Soros ins Schwitzen kommt

Sandra Navidi trainiert jeden zweiten Tag bei John Sitaras

Einer von ihnen ist Fred Adler, der als Pionier der Wagniskapitalszene in der amerikanischen Technologieindustrie gilt und sich mit Engagements bei einstigen Glanzadressen wie Digital Equipment oder Data General einen Namen gemacht hat. Der 86 Jahre alte Adler residiert heute in einem feudalen Appartement im Ritz-Carlton-Hotel direkt am Central Park und ist entschlossen, diesen Ausblick noch lange zu genießen: „Ich arbeite von der Theorie aus, dass ich unsterblich bin.“ Er ist besessen davon, geistig und körperlich in Schuss zu bleiben. Er hat gerade das Kartenspiel Bridge gelernt, er macht lange Spaziergänge, er isst seit dreißig Jahren kein Schweine- und Rindfleisch mehr. Bis heute wurmt ihn, dass sein guter Freund George Soros ihn einmal bei einem Tennismatch geschlagen hat. Zweimal in der Woche geht er zu Sitaras ins Studio. Er schwört auf das Training, weil Sitaras es auf ihn maßgeschneidert hat, zum Beispiel mit gezielten Übungen zur Stärkung der Hüften, die ihm Schwierigkeiten machen.

Von der Straße aus weist kein Schild darauf hin

Tatsächlich wartet auf Neueinsteiger ein recht aufwendiger Prozess, bis es mit dem eigentlichen Training losgeht. Ganz am Anfang steht ein persönliches Gespräch, in dem Sitaras von den Kandidaten herausfinden will, wie ernst es ihnen mit der Fitness ist und welche Ziele sie haben. Wer danach und nach dem „Background Check“ zugelassen wird, macht erst einmal mindestens sechs Stunden lang Tests durch, bei denen verschiedene Muskelgruppen auf ihre Stärke oder Flexibilität überprüft werden. Auf Basis dieser Daten entwirft Sitaras mit Hilfe von Software, die er selbst mitentwickelt hat, das Trainingsprogramm für jedes neue Mitglied. Das Programm wird dann je nach Fortschritt weiter verfeinert. Die gesammelten Fitnessdaten jedes Mitglieds können Sitaras und sein Team während der Trainingsstunden auf iPads abrufen. Zusätzlich gibt es seit kurzem einen futuristisch aussehenden „Digital Tracking Room“, eine raumschiffähnliche Kammer mit Monitoren, auf denen die Fitnessinformationen angezeigt werden.

Billig ist die Mitgliedschaft nicht. Neben einer monatlichen Grundgebühr von 150 Dollar muss sich jeder Kunde zu zwei persönlichen Trainerstunden in der Woche verpflichten, die jeweils 115 Dollar kosten. Im Jahr sind also mindestens 13.760 Dollar fällig. Für Sandra Navidi ist es den Preis wert. Die gebürtige Deutsche, die im vergangenen Jahr in New York eine eigene Strategieberatung mit dem Namen Beyond Global gegründet hat, sieht das Fitnessstudio als unternehmerische Investition: „Ich bin selbständig und muss gesund bleiben.“ Navidi sagt, sie kommt jeden zweiten Tag, weil das Training genau auf sie zugeschnitten ist. „Ich war auch vorher schon Mitglied in anderen Studios, bin dann aber oft nicht hingegangen.“ „Sitaras Fitness“ ist versteckt gelegen im zwölften Stock eines Büroturms in Manhattan, von der Straße aus weist kein Schild darauf hin. Hinter dem Eingang wartet eine schicke Rezeption, ein paar Schritte von hier führt eine Tür zu einer großen und üppig bepflanzten Terrasse. Ansonsten sieht es hier nicht viel anders aus als in anderen Fitnessstudios, mit Ausdauermaschinen, Gewichten und Kraftgeräten.

Der Sprung durch das Fenster rettete sein Leben

In seinem Büro hat Sitaras etliche Bilderrahmen mit Fotos von sich und prominenten Kunden aufgestellt. Sich nun in diesen Kreisen zu bewegen ist für den Sohn griechischer Einwanderer ein Kontrastprogramm zu seiner Kindheit und Jugend, die er in chronischer Geldnot in einem rauhen Viertel in Brooklyn verbracht hat. Es ist umso bemerkenswerter angesichts einer persönlichen Tragödie, die seinen ursprünglichen Fitnessambitionen ein jähes Ende bereitet hat.

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