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Sheryl Sandberg : Frauen, seid nicht so demütig!

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Haben Frauen es schwerer?

Ja, definitiv. Auch, weil sie es sich selbst schwermachen. Frauen drucksen immer herum, denken, sie verdankten ihren Erfolg allen möglichen Faktoren: ihrer harten Arbeit, der Hilfe anderer oder sie hatten großes Glück. Männer sagen einfach: Ich bin erfolgreich, weil ich toll bin. Sie stellen sich nie in Frage. Das beste Beispiel dafür ist mein Bruder mit seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Dafür habe ich ihn immer bewundert.

Laut Sandberg können die kritischen Deutschen sicher sein, dass ihre Nutzerdaten bei Facebook in guten Händen sind.

Nun aber ist Sheryl Sandberg die Milliardärin, nicht der Bruder. Ist das ein Widerspruch? Widerlegt ihr eigener Werdegang nicht ihre Thesen? Sandbergs Eltern, das betont sie stets, haben den Sohn und ihre beiden Töchter gleich erzogen nach dem Motto: Euch steht alles offen. Wer Sandberg übelwill, der suggeriert, sie verdanke ihren Erfolg nur ihren einflussreichen Mentoren wie Larry Summers, der sie am College entdeckte und sie als Stabsleiterin nach Washington holte, als er im Kabinett der Clinton-Regierung war. Aber ist ihr das wirklich vorzuwerfen? Auch erfolgreiche Männer hatten oft irgendwann einen einflussreichen Förderer. Der zweite Vorwurf gegen Sandberg lautet: Sie habe kein Recht als verwöhnte, privilegierte Milliardärin für all die anderen Frauen zu sprechen, die sich nicht ein Heer an Bediensteten leisten können, vom Chauffeur bis zum Kindermädchen. Fragen dazu lässt Sandberg unbeantwortet mit dem Hinweis, das würde man nur Frauen fragen, nie männliche Topmanager. Diese Kompromisslosigkeit und Strenge schätzen besonders jüngere Frauen an ihr. Auch gefällt ihnen, dass Sandberg sagt, die wichtigste Entscheidung einer Frau sei die, welchen Mann sie heiratet.

Welcher Mann aber ist der richtige?

Mein Rat an die Frauen ist: Geht mit den bösen Jungs aus, den coolen Jungs, den verrückten Jungs. Nur heiratet die nicht.

Zum Ehegatten taugt ihrer Ansicht nach, wer voll hinter der Frau steht, wer seinen Teil an Haus- und Kinderarbeit übernimmt. Sandberg selbst hat, in zweiter Ehe, Glück gehabt: Sie ist seit 2004 mit David Goldberg, einem sehr erfolgreichen Entrepreneur, Risikokapitalgeber und IT-Manager, verheiratet. Dieser hat seinen Posten bei Yahoo aufgegeben, um mit Sandberg nach San Francisco zu ziehen. Dort leitet er heute die Internetfirma SurveyMonkey. Die beiden teilen sich die Hausarbeit - 50 zu 50 angeblich.

Wer spült ab bei den Sandbergs? Wer macht die Wäsche?

Sandberg geht auf die Frage nicht näher ein; mit der bekannten Begründung:

Wenn Sie Männer auch fragen, ob sie zu Hause abspülen und den Tisch decken, dann sage ich Ihnen auch, ob ich das tue. Vorher nicht!

Wer erledigt momentan eigentlich Ihre Arbeit bei Facebook?

Das mache ich.

Wie das?

Ich habe 12 Tage Urlaub genommen, um an dem Buch zu arbeiten. Ich habe das Buch ja nicht selbst geschrieben. Das meiste von dem, was in dem Buch steht, habe ich so oder ähnlich schon mal in einer Rede erzählt, das musste aufgearbeitet werden. Außerdem habe ich jemanden engagiert, der die Zahlen recherchiert, die ganzen Studien durchgearbeitet hat.

Hat Mark Zuckerberg „Lean in“ gelesen?

Ja, über Thanksgiving. Er war begeistert. Und das, obwohl er meinte: Sheryl, eigentlich steht da kein Satz drin, den ich von dir nicht schon tausendmal gehört habe.

Dann ist die halbe Stunde um. Und Sandberg rauscht weg, auf zum nächsten Interview und zum übernächsten. Vorher nimmt sie sich allerdings noch eine Minute Zeit, um ein Buch zu signieren. Und das Bild mit Merkel und ihr, das ihre Assistentin bereits auf Facebook gepostet hat, hätte sie uns auch gerne noch auf ihrem Smartphone gezeigt - leider bekommt sie das auf die Schnelle nicht hin. Na, egal, Mrs. Facebook ist kein Techi, sondern Managerin, und sie muss weg.

„Frauen, geht mit den bösen Jungs aus, den coolen Jungs, den verrückten Jungs. Nur heiratet sie nicht.“

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