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Sheryl Sandberg : Frauen, seid nicht so demütig!

  • Aktualisiert am

Forbes zählt Sie zu den fünf einflussreichsten Frauen der Welt - zusammen mit Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde. Noch vor Michelle Obama. Ist Ihnen das auch unangenehm?

Sehr. Als das Ranking herauskam, hab ich ständig versucht, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen, bis meine Assistentin zu mir meinte: Sheryl, du gehst mit der Sache viel zu uncool um, das geht so nicht. Sag doch einfach „danke“, wenn dich jemand darauf anspricht, und gut ist es. Sie hatte recht.

Es fehle an weiblichen Vorbildern, heißt es in der Debatte über Frauen und Karriere ständig. Junge Frauen brauchten „role models“, denen sie nacheifern könnten. Die sind Mangelware in Deutschland: Wo sind hierzulande die jungen, schillernden Konzernchefinnen mit Kindern? Da kommt Sandberg wie gerufen. Wie sieht sie die Lage in Deutschland?

Sie haben Familienministerin Schröder kritisiert wegen ihrer abfälligen Äußerung über Ihre Freundin Marissa Mayer, als diese direkt nach Geburt wieder als Yahoo-Chefin anfing zu arbeiten.

Das fand ich nicht sonderlich hilfreich in der Debatte.

Sie haben Deutschland als Entwicklungsland in Sachen Frauenförderung bezeichnet.

Ja, in mancher Hinsicht ist das so. Ich sehe keine einzige weibliche CEO in einem der Dax-Konzerne. Das kann doch nicht sein, oder? Das muss sich ändern. Andererseits haben Sie eine Kanzlerin! Respekt.

Sie kommen gerade von einem Termin mit Angela Merkel.

Ja, ich wollte unbedingt ein Foto von ihr und mir auf Facebook posten. Sie ist eine tolle Frau. Ich bin ihr unglaublich dankbar. Genau wie Margaret Thatcher hat sie mein Leben verändert.

Inwiefern?

Ich weiß noch genau, wie Frau Merkel zur Kanzlerin gewählt wurde. Wir in Amerika waren sprachlos und dachten: Das ginge hier nicht! Erst kam Thatcher in Großbritannien, und dann war Deutschland so weit. Irgendwann passiert es also hoffentlich auch bei uns.

Man munkelt, sie selbst könnten Ambitionen haben, Amerikas erste Präsidentin zu werden.

Nein, das soll Hillary Clinton machen. Ich kenne keine, die für das Amt geeigneter wäre.

Merkel und Thatcher wurde vorgeworfen, sich zu wenig für Frauen eingesetzt zu haben.

Beide waren ganz wichtig für uns Frauen, beide haben einen harten, einsamen Kampf geführt. Ich verdanke ihnen so viel wie einer Alice Schwarzer und ihrer ganzen Generation von Feministinnen. Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Sandberg wollte unbedingt ein Foto mit Kanzlerin Merkel für ihre Facebook-Seite

Angela Merkel hat gerade gegen die Einführung einer Quote gestimmt. Haben Sie mit ihr das Thema diskutiert?

Wir haben über Frauen, Quote und Facebook gesprochen, aber ich gebe Regierungen keine Ratschläge. Wer bin ich denn! Ich glaube allerdings, mit der Quote ist es nicht getan. Das sieht man an den skandinavischen Ländern. Die haben längst die Quote für Aufsichtsräte, seitdem gibt es zahlreiche Aufsichtsrätinnen, aber keine Managerinnen. Da verändert sich nichts, und es wird sich auch nichts ändern, solange wir uns nicht ändern.

Sie sind die erste Topmanagerin, die so laut ihre Stimme für die Frauen erhebt.

Früher konnten sie es nicht tun, weil es keine Topmanagerinnen gab. Wir sind eine neue Generation.

Sie sagen, dass erfolgreiche Frauen sich unbeliebt machten, Männer dagegen mache Erfolg erst richtig sexy.

Bei Frauen gibt es eine negative Korrelation zwischen Erfolg und Beliebtheit, bei Männern eine positive, das bestätigen Studien.

Dann sind Sie die Ausnahme?

Nein, ich habe das selbst oft zu spüren bekommen.

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