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Sheryl Sandberg : Frauen, seid nicht so demütig!

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Ich sage nicht, an keiner Stelle, dass alle Frauen es bis an die Spitze schaffen sollen. Es ist gut, dass es Mütter gibt, die sich voll und ganz um die Kinder kümmern. Wir brauchen auch die Frauen, die sich ehrenamtlich an Schulen oder in anderen wichtigen Bereichen engagieren. Das Buch richtet sich an die Frauen, die es im Beruf nach oben schaffen wollen, sich aber ausbremsen lassen oder selbst ausbremsen. Die all die Fehler machen, die ich selbst gemacht habe: Sie setzen sich in die zweite Reihe statt an den Verhandlungstisch, sie stecken in der Karriere zurück, schon lange bevor Kinder eine Rolle in ihrem Leben spielen. Sie überlassen den männlichen Kollegen die tollen Projekte und Jobs, weil sie denken, Männer könnten das alles besser. Sie zweifeln an sich und befürchten, dass sie das nicht alles schaffen, Beruf und Familie.

Sie sagen, man könne beides haben und dabei glücklich sein. Können Frauen alles haben?

Niemand kann alles haben. Jeder muss Kompromisse eingehen, jeder zahlt einen Preis. Ich habe ihn jetzt erst wieder gezahlt, als ich nach Deutschland aufgebrochen bin und die Kinder gebettelt haben: Muss das sein, Mami, kannst du nicht dableiben, bitte, bitte?

Den verpatzten Börsengang von Facebook bezeichnet sie als Lernerfahrung.

Nein, das kann sie nicht. Sandbergs Kinder, die jetzt fünf und acht Jahre alt sind, müssen lernen, dass sie ihre Mutter teilen müssen. Mit der ganzen Welt, die sie umwirbt. Sogar bei den Obamas im Weißen Haus ist sie ein gerngesehener Gast. Zum einen, weil sie beruflich erfolgreich ist, klar, einen imposanten Lebenslauf vorzuweisen hat. Immer war sie die Beste, in der Schule und später im Wirtschaftsstudium. Sie war bei der Weltbank, bei McKinsey (“das war nie ganz meine Welt“), wurde Larry Summers’ Stabsleiterin im Finanzministerium, da war sie keine 30 Jahre alt. Dann ging sie nach Kalifornien zu Google, als die Firma noch klein und unbekannt war, sieben Jahre später überzeugte der damals 23-jährige Mark Zuckerberg sie, bei ihm anzuheuern. Das alles hebt sie freilich noch nicht hervor. Amerika kennt noch andere Erfolgsfrauen im Management: Meg Whitman (Ebay und Hewlett-Packard), Pepsi-Chefin Indra Nooyi, Sandbergs Freundin Marissa Mayer (Yahoo). Sie selbst ist bei Facebook „nur“ die Nummer zwei, „Chief Operating Officer“. Zuckerberg ist Gründer, CEO und ihr Boss, wie Sandberg gerne betont. Überall sonst will die Welt den Chef treffen, und sei er noch so schrullig oder langweilig, nie aber die Nummer zwei. Nur bei Sandberg ist das anders - und das verdankt sie dem Frauenthema, kein Zweifel. Sie darf die Männer auffordern, sich zu ändern, weil sie es als Mittelschichtmädchen an die Spitze geschafft hat, weil sie als Milliardärin ernst genommen wird. Wäre sie eine zickige, verbohrte, frustrierte linke Feministin, fiele es den Männern leicht, sie zu belächeln, sie zu ignorieren. Aber so ist Sandberg nicht.

Die Börsengänge von Google und Facebook haben Sie zu einer der reichsten Frauen der Welt gemacht. Und Sie sind eine der ganz wenigen, die ihr Vermögen nicht ererbt, sondern selbst erarbeitet hat. Macht Sie das stolz?

So habe ich das nie gesehen. Ich habe auch als Kind nie gedacht, dass ich reich werden wollte. Geld ist mir eher unangenehm. Weil es ein Zeichen für Erfolg und für Macht ist. Macht und Erfolg sind Frauen immer unangenehm, auch wenn das so nicht sein sollte. Darum geht es ja in meinem Buch.

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