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Bunte Wirtschaft : Damit verdient man Geld?

Topf war Ende 20, als er an einer Ampel stand in Ludwigshafen und neben ihm der Tourbus von Ted Nugent hielt. Der Musiker aus Amerika und seine Band hatten sich verfahren. Statt den Weg nur zu erklären, fuhr Topf vorneweg. Nugents Manager schenkte ihm daraufhin zwei Eintrittskarten. Aus Dank bot Topf an, die Kleider der Band in der Wäscherei seiner Eltern kostenlos zu waschen. So fing alles an. Für wen er heute arbeitet? „Nimm eine Liste aller Rockstars von A–Z, streiche die Eintagsfliegen und die Rapper, dann bist du nah dran“, sagt er. Madonna, Rolling Stones, AC/DC, Tina Turner, Paul McCartney, Genesis, Beyoncé, U2, Barbra Streisand, Fanta Vier, Herbert Grönemeyer – man muss suchen, um einen zu finden, dem Topf noch nicht die Wäsche gewaschen hat.

Mobiler Reiniger: Hans-Jürgen Topf

Mit ein paar mobilen Waschmaschinen und Trocknern geht der Mann mit auf Tour – wenn es sein muss, rund um die Welt. So ein Bühnen-Tross bestehe in der Regel aus 70 bis 100 Leuten. Von der Background-Sängerin bis zum Roadie, Topf wäscht allen alles. Bevor er auf den Plan getreten ist, mussten die Bands auf der Tour mühsam Wäschereien suchen. „Außerdem“, sagt Topf, „ist immer wieder ein Teil der Promi-Wäsche auf dem Flohmarkt verschwunden.“

Filmproduktion: Traktoren stundenlang

Jetzt ist Ruhe. Die vergangene Weihnachtszeit war wieder einmal die beste im Jahr für Tammo und seinen jüngeren Brüder Jörn Gläser. Bauern in der ganzen Welt bestellen ihre schönen Traktorvideos, um Kindern eine Freude zu machen – oder sich selbst. Aber nicht nur Bauern bestellen, auch Menschen aus den Städten, die von Traktoren und Mähdreschern träumen wie ihre Kinder. Hunderttausend Likes auf Facebook haben sie. Ja, gibt es so etwas? Der Charme ihrer DVDs, die über Stunden fahrende Traktoren zeigen, erschließt sich nicht jedem sofort. Fette Harvester kriechen träge übers Land. Kein Mensch ist zu sehen.

Traktorvideoproduzent: Jörn Gläser

Mais- oder Sojaschrot umnebelt die Luft. Ein Kommentator erzählt, wie viel PS das Gerät habe, welchen Motor. Zehntausende Filme im Jahr verkaufen die Brüder auf der Internetseite landtechnikvideos.de, für meist 24,90 Euro je DVD. „Die Zuschauer schätzen unsere unabhängige und authentische Erzählweise“, sagt Tammo Gläser, ein nüchterner Journalist, der 30 Jahre alt ist, auf einem Dorf aufwuchs und Traktoren schon als Kind mochte, aber nicht einmal Sohn eines Bauern ist. Seinen Hauptberuf als Redakteur bei einem Magazin für Landtechnik hat er auf zwei Arbeitstage reduziert. Die Renner dieser Saison sind die Sammelboxen „Landwirtschaft in Australien“ und „Landwirtschaft in Frankreich“.

Immer die gleichen Modelle, doch manchmal in regionaler Variation: John Deere, Fendt, Claas, Horsch, New Holland, Krone. Die Brüder reisen selbst, filmen selbst – beliebt ist die Froschperspektive, die Traktoren größer wirken lässt –, sie sprechen teils selbst. Viele Kunden nervt das Gequatsche. Sie können den Sprecher abschalten. Dann sind bloß noch Motoren und das Knacksen der Halme und das Spritzen des Ackermatsches zu hören. Das Internet ist zwar eine Schlangengrube voller Billigkonkurrenz. Landwirte filmen selbst ihre Traktoren und stellen die Filme kostenlos ins Netz. Doch was macht das schon, wenn man ein wirklich gutes Produkt hat, in dem eine Menge Liebe steckt?

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